© Kristin Bethge

Waldbrände in Portugal: Der gute Hirte

Klimawandel und Monokultur sorgen in Portugal für immer gefährlichere Waldbrände – und das Comeback eines fast vergessenen Berufes. Plötzlich braucht das Land dringend Ziegenhirten, die das feuergefährliche Unterholz kurz halten. Ein Besuch dort, wo Meckern Hoffnung bedeutet. Von
ZEITmagazin Nr. 49/2019

Luis Fontinha steht auf einem Hügel inmitten seiner 180 Ziegen und schaut sich nervös um. Tief zieht er die Luft durch die Nase ein und murmelt: "Diesen Geruch vergesse ich nie." Dann holt er sein Handy aus der Hosentasche und tippt auf eine App mit orange-rotem Flammensymbol. Fontinha, ein untersetzter, sonnenverbrannter Mann in schweren Stiefeln und Fleecejacke, kennt viele seiner Ziegen beim Namen, sie sind sein neues Leben, seitdem ihn vor zwei Jahren die Katastrophe heimgesucht hat. Nicht nur für ihn sind die Tiere eine Hoffnung, sondern für die gesamte Serra do Açor, diesen steinigen, dornigen Landstrich im Zentrum Portugals.