Harald Martenstein: Über den Sinn von Klimakonferenzen, fürstliche Vorstöße zum Schutz der Umwelt und andere grüne Ideen

In Hundertschaften zu Klimakonferenzen reisen? Ein kleines Königreich macht es besser am Hofe und in der Küche. Fürst Albert spart sogar beim Gras am Wasser! Von
Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 53/2019

Als Vorreiter beim Klimaschutz gilt manchen Fürst Albert von Monaco, er trägt den Spitznamen "der grüne Fürst". Im Interview mit der FAZ hat der grüne Fürst die Frage beantwortet, wie er den ökologischen Fußabdruck des Fürstenhauses so klein wie möglich hält. Albert sagt: "Wir haben eine Kommission eingerichtet."

Kommissionen und Konferenzen scheinen der Königsweg zur Lösung des Klimaproblems zu sein. Wie das genau funktioniert, stand in der Süddeutschen Zeitung. Eine Weltklimakonferenz sorgt, wie 2017 ausgerechnet wurde, für CO₂-Emissionen von etwa 50.000 Tonnen, dies entspricht dem Jahresausstoß einer deutschen Kleinstadt. Auf der Erde werden jährlich 40 Milliarden Tonnen CO₂ emittiert. Das heißt, schon etwa 800.000 Klimakonferenzen, die abgesagt werden, könnten mit einem Schlag, allein durch die Absage, das Klimaproblem lösen.

Pardon, ich scherze nur. Ähnlich wie die Autofahrten der Berufspendler haben auch diese Konferenzen ja ihren Sinn. Oft entstehen dort die Lösungsvorschläge, wie die Süddeutsche berichtet, bei multilateralen "Zigaretten- und Kaffeepausen". Der Beitrag der Raucher zur Klimarettung darf also nicht unterschätzt werden. Bei der jüngsten Konferenz in Madrid sorgte übrigens die Elfenbeinküste für Aufsehen, und zwar durch die Größe ihrer Delegation, 348 Klimaschützer. Deutschland schickte nur 102. Dort raucht ja auch kaum noch jemand.

Auf die Frage, wie Albert den ökologischen Fußabdruck des Fürstenhauses gemäß den Vorschlägen seiner Kommission verringert hat, sagt dieser unter anderem: "Wir recyceln das Bratfett in unserer Küche." Außerdem "kommt unser Gras mit weniger Wasser aus". Ich frage mich, wieso es in deutschen Gartencentern kein monegassisches Gras zu kaufen gibt, es sei denn, Albert verwendet das Wort "Gras" im Sinne des seligen Bob Marley. Eine weitere Maßnahme: "Unser Pool wird mit einer Elektropumpe beheizt." Ökologischer wäre es, das heiße Bratfett in den Pool zu schütten, da muss sich der Fürst auch nicht mehr mit Sonnenöl einreiben.

Monaco stand wegen des "Großen Preises" in der Kritik, eines Autorennens der Formel 1. Auch dazu hatte die Kommission des Fürsten eine Idee. Sie veranstalten in Monaco jetzt einfach ein zweites Rennen, an dem nur Elektroautos teilnehmen, Formel E. Allerdings verweist der Fürst darauf, dass der Tag des Formel-1-Rennens sowieso der Tag mit der saubersten Luft in Monaco sei, weil "sonst fast kein Verkehr herrscht". Wenn an jedem Tag in jeder Stadt der Erde ein Autorennen stattfindet, wäre das Klimaproblem auf originelle Weise gelöst.

In Vilshofen und im Kreis Mainz-Bingen werden "grüne Hausnummern" an politisch vorbildliche Hausgemeinschaften vergeben, nach einem Punktesystem. Man darf das alte, böse Nummernschild durch ein gutes ersetzen. Punkte gibt es zum Beispiel, wenn man im Bioladen einkauft, Auto und Wäschetrockner abschafft, ein Konto bei einer Ökobank eröffnet oder Mitglied bei Greenpeace ist. Man sieht also sofort, was für einer der Nachbar ist. In der DDR gab es die "goldene Hausnummer" für sozialistische Hauskollektive. Autoritäre Systeme setzen auch gern auf die Aussagekraft von Fahnenstangen am Wohnungsfenster, was mir allerdings, falls die Fahnenstange aus Holz ist, eine Spur ökologischer vorkommt als ein Metallschild.

Auf jeden Fall wird die Aufgabe "Klimaschutz" in Monaco und Deutschland völlig verschieden interpretiert, womöglich wegen der verschiedenen historischen Traditionen.

Kommentare

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Egal, was und wie viel in der fürstlichen Küche verbraten wird, recyclen ist besser als in den Pool schütten, wer wälzt sich denn in fest gewordenem Fett? Die Londoner hätten da ja geradezu Fettberge zum Wälzen, wenn auch im Abwasserkanal.

Was waren es doch für Zeiten, als man noch wünschen konnte: Geh mir ein wenig aus der Sonne. Aber wer will auch schon so genügsam leben ...

Es sind grüne Hausnummern an "politisch vorbildliche Hausgemeinschaften" vergeben worden, um weiße Hausnummern als böse hinzustellen? Oder aber eben doch für Konsumänderung halt. Wundert mich nicht, dass auch diese Kolumne zur menschengemachten globalen Erwärmung sich der Propaganda klimas(k)eptischer Internetportale ähnelt. Nicht zum ersten Mal.

# 3 / 3.1

https://www.zeit.de/zeit-mag…

Dabei muss man gar nicht allzusehr im Weg stehen, wenn es darum geht, die Welt für die Jugend in Zukunft erträglicher zu machen. Und wenn nur eine einzige zur "Ökobank" wechselt, sind die Zeilen keine CO2-Verschwendung.

https://www.zeit.de/campus/2…