Designer: Lieblingsstücke

Designerinnen und Designer haben aus ihren Kollektionen für uns die Entwürfe ausgesucht, mit denen sie am engsten verbunden sind. Von und
ZEITmagazin Nr. 3/2020
Inga Sempé bei einem Spaziergang in ihrem Pariser Arbeitsviertel, dem 10. Arrondissement © Jonas Unger

"Mich interessiert das Alltägliche"

"In fremden Ländern gehe ich sehr gerne in Haushaltsgeschäfte, in denen man einfache Dinge für den täglichen Gebrauch kaufen kann. Diese Gegenstände sehen überall anders aus – sogar Wassereimer unterscheiden sich von Land zu Land. Mich interessiert das Alltägliche, ich mag das normale Leben. Dafür möchte ich schöne Dinge entwerfen. Schon als Kind habe ich Modelle für Aschenbecher aus Papier und Pappe gebaut. Für meine Mappe, die ich bei meiner Bewerbung für den Studiengang Industriedesign einreichen musste, habe ich plissierte Portemonnaies aus Papier entworfen, die sich je nach Inhalt zusammenziehen oder ausdehnen konnten. Das waren meine allerersten Prototypen.

Als Kind fiel mir in französischen Landhäusern immer wieder eine kleine Lampe auf; sie bestand nur aus einer Klemme mit aufgeschraubter Glühbirne und kegelförmigem Metallschirm. Es war eine sehr einfache Lampe, man konnte sie damals in Haushaltsgeschäften kaufen. Heute findet man sie manchmal noch auf Flohmärkten, und viele Leute benutzen sie als Notlicht, das man immer im Haus hat. Ich liebe diese Lampe, weil sie sehr schlau konstruiert ist und nicht viel kostet.

Inga Sempés Lampe "Île", die man nutzen kann, wo immer gerade eine Lichtquelle fehlt © Jonas Unger

Deshalb habe ich selbst eine Version davon angefertigt. Mein Modell ›Île‹ ist natürlich hochwertiger und hat eine moderne Elektrik mit LED-Birne. Außerdem war mir wichtig, dass man die Lampe vielseitig einsetzen kann: Sie lässt sich an ein Regalbrett oder an einen Nagel an der Wand klemmen, dank der flachen Unterseite kann man sie aber auch auf den Tisch stellen. Ich benutze meine im Wohnzimmer und in der Küche. Man kann sie auch im Bad anbringen. Diese Lampe ist wie ein Werkzeug – wo auch immer gerade eine Lichtquelle fehlt, ist sie nützlich.

Ich entwerfe sehr gerne Lampen, weil bei diesen Objekten ganz unterschiedliche Maßstäbe möglich sind – man kann ebenso einen riesigen Kronleuchter erschaffen wie eine kleine Leuchte. Das gibt einem viel mehr Freiheit, als wenn man zum Beispiel Sitzmöbel macht, die ja immer mehr oder weniger die gleichen Proportionen haben müssen. Außerdem ist die Lampe ein Objekt, das zwei verschiedene Zustände hat und in beiden gut aussehen muss: an- und ausgeschaltet.

Am besten gefällt mir aber natürliches Licht. Ich mag es vor allem am Morgen – ich bin auch ein Morgenmensch. Ich liebe es, wenn der Tag beginnt und ich mich frisch fühle. Das vielleicht schönste Licht, das ich je gesehen habe, war das im Pantheon in Rom, wo die einzige Lichtquelle das Loch in der Kuppel ist. Dieses Licht verändert sich nie, es ist immer gleich und natürlich. Und im Winter liebe ich das Licht in Paris. An sonnigen Tagen ist die Stadt in ein sehr weiches, goldenes und gar nicht kaltes Licht getaucht."

Kommentare

7 Kommentare Kommentieren

"Aber nein, wir fahren weiter mit Schrankwänden und SUVs durch die Welt, aber mit elektrisch..."

Vorbilder für die meisten Autos waren Schuhe - nur eben mit 4 Rädern drunter. Künstler und Schuster gehören eindeutig zur Berufsgattung "Bohemian" - alle anderen sind Förster (im Walde).

Mir, persönlich, gefällt "Die bunte Welt der Amelie". Nein, natürlich "Die bunte Welt der Rosita Missoni".

Es passt in "Die bunte Welt der Nachhaltigkeit, der Fußabdrücke" oder in "Die bunte Welt des Up-Cycling".

Aber auch die Ideen der anderen "Entdecker" zeugen von besonderer Art der Kreativität.

Vielen Dank, dass Sie diesen Artikel nochmals Online gestellt haben.

Es lesenswerter Artikel über "bunte Kunst und bunte Künstler. Der Kunst wohnt "ein Zauber inne".

#2
... ja...Gaultier...
Von ihm besitze ich einen weiten A foermigen langen Mantel aus Wollgabardine, mit gestreiftem Satin Innenfutter.. innen ein ausknoepfbarer Strickmantel ..genial.. nicht nur die Idee damals ( 90er Jahre) sondern auch die Qualität der verwendeten Materialien und die perfekte Balance und Ausgewogenheit des Schnittes und
der Form..
Da ich in einem tropischen Land lebe,
ruht dieser Mantel seit 15 Jahren gut
verstaut und verpackt..
Hergeben würde ich ihn nie.. er gehört zu den ersten erfolgreichen Designs Gaultiers..perfekter Minimalismus..

Gaultier war immer mein Lieblingsdesigner.

Ich habe diverse Nadelstreifenblazer, einige stark tailliert, mit netten, interessanten Details wie einem Röntgenbild als Innenfutter, oder mit Fransen.

Mein erstes Teil war 1988 eine Leojacke.

Auch aus der Junior collection habe ich viele Stücke.

Ich vermisse ihn sehr.

Heute trage ich gerne Mäntel und Jacken aus der Herrenkollektion von margiela.