Harald Martenstein: Über einen alten, kranken Hund und die Frage, wann es Zeit ist, Abschied zu nehmen

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Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 6/2020

Am Sonntag war in der Tierklinik ganz schön was los, ein Wartezimmer voller Hunde. Unserer kriegt kaum noch Luft, das Herz, er ringt röchelnd um Atem. Wieder mal wurde ein Blutbild gemacht, er wurde geröntgt, kriegte Sauerstoff und ein paar Spritzen, danach wurde es vorübergehend besser. Es kostete 400 Euro. Für 20.000 Euro könnte man ihm eine neue Herzklappe einsetzen lassen, das werde ich nicht tun. Ein Spezialist in Japan, erzählte der Tierarzt, soll die beste Erfolgsquote bei dieser OP haben, viele Stars flögen mit ihren Hunden nach Japan. Auch die Hunde werden immer älter, wie ihre Menschen, manche werden sogar dement. Dann finden sie sich in der Wohnung nicht mehr zurecht und suchen stundenlang ihren Fressnapf.