Brettspiel: Schach

ZEITmagazin Nr. 6/2020

Italien und Spanien waren die natürlichen "Einbruchspforten" für das sich von Indien über Persien und Arabien nach Europa ausbreitende Schachspiel. Nicht zuletzt die Bezeichnungen "Italienische Partie", "Sizilianische Verteidigung" und "Spanische Eröffnung" – alle drei noch heute populäre Eröffnungen – zeugen davon. Wobei die beiden Letzteren, alles andere als zufällig, auf katholische Priester zurückgehen: die Spanische Eröffnung auf Ruy López de Segura im 16. Jahrhundert und die Sizilianische Verteidigung auf den Sizilianer Pietro Carrera im 17. Jahrhundert. Ebenfalls ein Priester, Domenico Lorenzo Ponziani (1719–1796), untersuchte als Erster intensiv die nach ihm benannte Ponziani-Eröffnung 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.c3, die auch Weltmeister Magnus Carlsen schon einmal anwendet.

Mit zwei Mitstreitern begründete der Gottesmann und Professor für Zivilrecht die Schule von Modena, deren Ergebnisse er in seinem 1769 erstmals erschienenen Buch Il giuoco incomparabile degli scacchi niederlegte. Allerdings teilten nicht alle Kirchenleute seine hohe Meinung vom Schachspiel, sondern sahen es eher als Verirrung vom rechten Gottesweg. Den "Modenesen" ging es vor allem um die Schönheit im Schach, um von verwegenen Opfern gekrönte Mattangriffe.

Dessen eingedenk setzen Sie nun bitte als Weißer, selbst vom Matt auf g2 bedroht, den schwarzen König in dieser Aufgabe von Ponziani in nur fünf Zügen matt!

Lösung aus Nr. 5:

Die schwarze Dame hatte sich den "vergifteten" Bauern auf b2 einverleibt. Wie konnte Weiß sie erobern?

Nach 1.Tb1 Da2 2.Lc4! hatte die Dame wegen 2...Dxc4 3.Sd6+! nebst 4.Sxc4 kein Entrinnen mehr. Hoffnungslos wäre auch 1...Sc3 3.Txb2 Sxd1 4.Kxd1 gewesen