Perdita aus North-Carolina: Über prominente Tiere

© Mitchell County Animal Rescue
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 7/2020

Wir Heinz-Sielmänner- und -frauen dieser Kolumne haben eine neue Katzenberühmtheit zu vermelden: Nach Karl Lagerfelds Choupette, der vornehmsten Katze im Pariser Ballungsraum, und dem Kater Larry, dem eilfertigen Hauswart der britischen Premierminister, erreicht uns die Nachricht von Perdita aus North Carolina, USA. Besser gesagt: der Mugshot einer missmutigen, schwarz-weißen Katze, mit dem ihr Tierheim für ihre Adoption wirbt.

Über Perdita ließ sich weiterhin erfahren, sie möge keine Hunde, keine Kinder, keine Umarmungen, die Band Dixie Chicks auch nicht, und sie sei im Übrigen sozial inkompetent, wobei wir, ohne der gesamten Katzheit zu nahe treten zu wollen, finden, dass dies im Wesentlichen auf alle Artgenossen von Perdita zutrifft. So oder so: Sie sei "die schlimmste Katze der Welt".

Das halten wir für einen gelungenen Anwendungsfall des modernen Tiermarketings und hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht, auch um das Interesse zu wecken an unplüschigen Arten, die im Internet und von Prominenten bislang weniger beachtet wurden. Wir wünschen uns daher Uwe, den kultiviertesten Riesensalamander der Welt mit einem Faible für deutsche Mittelgebirgsbeschreibungen des späten 17. Jahrhunderts und modernes südfranzösisches Tanztheater. Oder Saskia, den schwülstigsten Basstölpel der Welt, der in halb fertigen Sonetten krächzen und in Sütterlin auf Ausflugsschiffe scheißen würde. Und natürlich Margot, die interessanteste Seekuh der Welt, die Kettenraucherin und Fan von den Sex Pistols wäre und mit nichts ins Bett ginge außer Chanel No. 5. Ihr würden wir sofort unsere Badewanne freiräumen und schluchzend vor Rührung im Türrahmen umfallen, wenn sie mal wieder die Kippen auf die Fliesen wirft.

Für Perdita, so hört man aus North Carolina, seien 175 Adoptionsbewerbungen eingegangen, und sie habe inzwischen ein neues Zuhause gefunden. Und als die immerhin schlimmsten Kolumnisten nordöstlich von Kassel (wir mögen keine Operetten, keine raffiniert gemeinten Nudelgerichte mit Minze und von Walt Disney allerhöchstens die Filme mit diesem blauen Rabaukenkoala) bedauern wir sehr, dass unsere Initiativbewerbung bislang offenbar nicht berücksichtigt wurde.

Wir gehen davon aus, dass das Tierheim von Mitchell County erhebliche Bedenken gehabt haben muss, Perdita anderen Langstreckenflugpassagieren und dem gesamten Bordpersonal zuzumuten. Wobei wir uns ja denken: Wenn schon schlimmste Katze der Welt, dann bitte auch eine miese CO₂-Bilanz.

Kommentare

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ich kenne eine Perdita,die früher mal hübsch anzusehen war,jetzt aber vollends aus allen nähten platzt.