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NSU: Der Fall seines Lebens

Mario Melzer war Ermittler im NSU-Komplex. Als ihm Ungereimtheiten auffielen, bemühte er sich um Aufklärung. Seine Behörde hat ihn nicht unterstützt, im Gegenteil. Was ein Polizist erleben kann, der gegen Rechtsextreme vorgeht. Von
ZEITmagazin Nr. 8/2020

Mario Melzer steht vor seinem Haus, einer Art Blockhütte, sie liegt an einem Hang am Ortsrand mit Blick auf den Thüringer Wald. Es ist Mittag, die Sonne scheint auf die Terrasse, taucht das Tal mit den Fachwerkhäusern in gleißendes Licht. Hierher ist Melzer 2012 gezogen, um Ruhe zu finden. In den Bergen suchte er Abstand zu seiner Arbeit, den jahrelangen Ermittlungen im rechtsextremen Umfeld und den grausigen Enthüllungen nach der Selbstenttarnung des NSU, jener rechtsextremen Terrorzelle, die zehn Menschen getötet hat. Melzer ist 49, klein, kräftig, und er redet ohne Pause, wie einer, der jeden Augenblick damit rechnet, dass sein Gegenüber das Interesse verlieren könnte. Zwischendurch sieht er sich immer wieder um und senkt die Stimme, als fürchte er ungebetene Zuhörer.