Personenrätsel: Lebensgeschichte

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ZEITmagazin Nr. 8/2020

Toleranz, Mut und Bodenhaftung zeichnen ihn aus. Kommt nicht von ungefähr, denn wer – wie er – mit sechs Geschwistern auf einem Bauernhof groß wird, entwickelt solche Charakterzüge wohl fast automatisch und daraus ein inneres Fundament. Später kam hinzu, dass er berufsbedingt mehrfach ins Ausland gehen konnte, so etwas weitet bekanntlich den Horizont. Und macht parkettsicher. "Meine sieben Jahre in England haben mich geprägt, die Engländer sind Weltmeister im Small Talk."

Dass er selbst weit mehr als nur Small Talk beherrscht, hat er freilich schon öfter mit klugen und kritischen Statements vor der Fernsehkamera bewiesen. Und all das kann ihm im aktuellen Job nur von Nutzen sein, geht es doch darum, eine runtergewirtschaftete Firma wieder nach oben zu bringen. Dennoch bleibt er gelassen. "Was ich noch nicht weiß, möchte ich erlernen. Ich möchte damit Vorbild sein für andere. Nur weil ich etwas jetzt nicht kann, heißt das nicht, dass es für immer ausgeschlossen ist." Und er hat ja auch schon ganz andere Hürden bezwungen. Hat öffentlich kundgetan, ein wenig anders zu ticken als die Mehrheit – es ging erstaunlich gut, wie er heute konstatiert. "Ich fühlte mich wie vor einem Sprung vom Zehnmeterturm ... Dann bin ich gesprungen ... und ohne Verletzungen wieder aufgetaucht."

Sein Rat an andere: nicht mit den Ängsten arbeiten, sondern gegen sie. Seine Popularität nutzt er, um ein "Antidiskriminierungs-Influencer" zu sein. Mut, Toleranz, Weltoffenheit. Werte, für die er lächelnd einsteht. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 7:

Der "Tennis-Baron" Gottfried Freiherr von Cramm (1909 bis 1976) gewann 1931 seinen ersten internationalen Titel. 1934 war er Nummer 3 der Weltrangliste, dann bis 1937 Nummer 2. Im Wimbledon-Finale stand er 1935 und 1936. Wegen Verstoßes gegen § 175 wurde er 1938 verurteilt. Ein letztes internationales Match bestritt er im Davis-Cup 1953