© Emma Galloway

Sonntagsessen Ein Kessel Buntes

Wie man von und mit der Natur lebt, erzählt das Foodblog "My Darling Lemon Thyme". Mit Gemüse aus dem eigenen Garten kreiert Emma Galloway glutenfreie Gerichte. Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Schon als Kind hatte die Neuseeländerin Emma Galloway das Glück, den Unterschied zwischen einer selbst angebauten Tomate und einer herkömmlichen aus dem Supermarkt kennenzulernen. Diese Geschmacksexplosion, die man bei selbst angebautem Obst und Gemüse zumeist erlebt, wollte sie auch ihren Kindern nicht vorenthalten und legte mit ihrem Mann in der neuen Heimat Perth in Australien ein großes Gemüsebeet an. Was bei den Galloways auf den Tisch kommt, bestimmt in erster Linie der Garten und die Jahreszeiten. Dank des günstigen Klimas auf der Südhalbkugel ist das aber ziemlich abwechslungsreich.

Seit bei Emma Galloway und ihren Kindern eine Gluten- und Laktoseunverträglichkeit festgestellt wurde, verzichtet die gelernte Köchin vollkommen auf Getreide- und Milchprodukte. Nur für Butter, Joghurt und Feta macht sie hin und wieder eine Ausnahme. Das Schöne an ihrem Blog My Darling Lemon Thyme ist: Die farbenfrohen Gerichte machen solchen Appetit, dass man selbst ohne Glutenunverträglichkeit Lust bekommt, mit Alternativen für Milch und Getreide zu kochen. Für unser heutiges Sonntagsessen hat Emma Galloway sechs Gerichte ausgesucht, die sich wunderbar für einen ersten Selbstversuch eignen.

Aus dem selbst angebauten Brokkoli macht Galloway eine Suppe. Anstatt sie mit Sahne cremig zu rühren, träufelt die Neuseeländerin eine frische Sauce aus Tahini (Sesampaste) und Zitrone darüber. Mit den gerösteten Pinienkernen und der arabischen Gewürzmischung Zatar bekommt die Brokkolisuppe eine würzige Note.

Auch wenn es bei Haferflocken oft heißt, sie seien glutenfrei, sind in vielen Packungen doch Spuren davon enthalten, da Hafer oft neben anderen Getreidefeldern angebaut wird. Deshalb macht die 34-Jährige ihr Porridge aus gekochter Hirse und Mandelmilch. Reichhaltiger wird es mit einem Püree aus Kürbis, gewürzt mit Muskat, Zimt und Ingwer. 

Emma Galloway sagt, dass es ein wenig Organisationstalent erfordert, wenn man auf herkömmliche Zutaten wie Mehl verzichten möchte. Ein glutenfreies Mehl kann man jedoch leicht in großen Mengen selbst machen für den Vorrat, aus Buchweizen oder braunem Reis zum Beispiel. Deshalb kocht sie auch meist mehr Hirse als benötigt und stellt den Rest in den Kühlschrank. Das übrige Kürbispürree wird in Tüten eingefroren. Mit Ingwer geröstet findet sich der Kürbis auch in Galloways Quinoasalat wieder, der mit frischer Minze und Limettensaft ein wenig orientalisch schmeckt.  

Wer einmal ein Tofugericht zubereiten möchte, bei dem der Sojabohnenquark tatsächlich nach etwas schmeckt, sollte das scharfe Curry der Neuseeländerin probieren. Statt Currypaste zu kaufen, macht Galloway sie aus Kokosnussöl, Zitronengras, Kokosmilch, Kaffernlimette, gemahlenen Kemirinüssen, Chili und fermentiertem Tofu einfach selbst. Neben einer guten Planung empfiehlt die zweifache Mutter allen Köchen ihrer Gerichte, sich einen guten Asialaden in der Nähe zu suchen. Denn der hat nicht nur große Mengen an Kokosmilch, sondern eben auch ausgefallenere Zutaten wie etwa Kemirinüsse.

Besonders beliebt auf My Darling Lemon Thyme sind die gluten- und milchfreien Desserts. Für den saftigen Schokoladenkuchen mit Rosmarin rührt Galloway aus braunem Reismehl, Kartoffelstärke, Kakaopulver, Leinsamen, Eigelb, drei reifen Birnen, dunkler Schokolade, Macadamianussöl und Rosmarin einen Teig an. Dank der Birnen und dem Öl, das auch durch mildes Olivenöl ersetzt werden kann, wird der Kuchen fast so fluffig wie Pudding. Wer zum Nachtisch etwas Kühles mag, darf sich auf ein Schokoladeneis auf Kokosmilchbasis freuen, das mit Zimt und Vanille auch zum Winter passt.

Brokkolisuppe mit Tahini-Zitronen-Sauce, gerösteten Pinienkernen und Zatar-Gewürzmischung © Emma Galloway
Quinoasalat mit geröstetem Kürbis, frischer Minze und Limette © Emma Galloway
Selbst gemachtes scharfes Curry mit Tofu © Emma Galloway
Saftiger Schokoladenkuchen mit Rosmarin ohne Gluten © Emma Galloway
Winterliches Schokoladeneis mit Zimt © Emma Galloway

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Es mag ja sein, dass Frau Galloway wirklich eine Glutenunverträglichkeit hat, im Gegensatz zu den Scharen von Menschen, die sich das nur einbilden.

Aber wird die ZEIT in Zukunft für alle vernachlässigbaren Minderheiten mit Nahrungsunverträglichkeiten die passenden Rezepte anbieten? Oder nur bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die gerade trendy sind? Denn es gibt da ja doch ein relativ großes Spektrum was versorgt werden müsste.

ich wundere mich allerdings auch, warum in dieser Rubrik inzwischen fast nur noch blogs von irgendwelchen Foodideologen und Menschen mit Unverträglichkeiten eingestellt. Ich esse sehr gerne vegetarisch, nur brauche ich dazu nicht hunderte Seiten und Websites von von Vegetariern und Veganern zu konsultieren, denn diese propagieren nun mal leider -aus was für Gründen auch immer- bestimmte Diätformen, bei denen ich als Leser nie sicher sein kann, ob ein Rezept wirklich aus Gründen des gastrosophischen Interesses oder eben aus Treue zur "richtigen" Ernährungsideologie vorgestellt wird.

Wenn dann diese oft willkürlich gewählten Einschränkungen immer neue Produktgruppen umfassen, dann fehlt mir als Leser irgendwann die Einsichtsfähigkeit.
Irgendwann ist diese Art der Diätküche auch nicht mehr originell, sondern einfach nur anstrengend und vollkommen humorlos.