Kochbuch Mittagstisch Kochen wie eine Rampensau

© Vanessa Maas/ Brandstätter Verlag
Wenn Eschi Fiege zum Mittagstisch bittet, ist die Bude voll. Ihr Kochbuch ist ideal für jeden, der sich nicht blamieren will, aber eben auch nicht alle Zeit der Welt hat. Von Kirsten Haake
Aus der Serie: Amuse Buch

Das Mittagessen kann etwas Herrliches sein: Eine labende Auszeit, die den Arbeitstag in zwei perfekte Längen teilt: Körper und Geist für die erste Hälfte entlohnt und für die zweite Runde stärkt. Die Wahrheit sieht aber meist anders aus: ein lätschiges Käsebrötchen vom Bäcker nebenan oder ein eiliger Teller Irgendwas in der Kantine, womöglich noch mit Blick auf die Mails.

Die Wienerin Eschi Fiege findet, es geht anders, genussvoller. Ihr vegetarisches Kochbuch Mittagstisch rückt das Mittagessen zurück in den Mittelpunkt. Vor-, Haupt- und Nachspeise sollten es im Idealfall schon sein. Das passt in dieser Ausführlichkeit vielleicht nicht in jeden Tag, aber die kleine Pause ab und zu in eine große zu verwandeln, könnte sich lohnen. Das Kochen an sich ist auch weniger aufwendig, als es klingt – und abgesehen davon funktionieren die Rezepte auch abends und vor allem in Gesellschaft.

Die Autorin selbst ist weder professionelle Köchin noch Gastronomin, sie ist vor allem gerne Gastgeberin. Eine Fahne auf ihrem Balkon signalisiert, dass sie auftischen wird. So hat sie ihre Freunde eingeladen, die wiederum andere Gäste mit in die Wiener Wohnung brachten, und die wiederum andere.        

So unkompliziert wie dieser Gedanke sind auch die meisten Rezepte im Kochbuch Mittagstisch: Eher klassisch als exotisch, glänzend vor allem als Bestandteil eines kleinen Menüs mit überschaubarem Aufwand. Weder sind Tiefkühlerbsen tabu, noch müssen Bohnen tags zuvor eingeweicht und stundenlang gekocht werden, das Glas aus dem Supermarkt tut es auch. Ideal für eine kleine Rampensau, wie sich Eschi Fiege spaßeshalber selber nennt. Und ideal für jeden, der sich beim Kochen für andere nicht blamieren will, aber eben auch nicht alle Zeit der Welt hat.

Mediterrane und alpine Gerichte dominieren die Rezeptauswahl: So etwa karamellisierter Radicchio und Pfifferlingstartar mit Anishaube als Vorspeise, gefolgt von Rote-Beete-Risotto mit Orangen und schwarzen Oliven oder Süßkartoffelstrudel, süß gekrönt von Polentatorte mit Erdbeersauce oder Marillenfleck mit Zitronenverbene. Für mehr Weltläufigkeit kommen Karottensüppchen mit Kardamom, Dal aus roten Linsen mit Mangopulpo oder Hamburger Rote Grütze infrage.

Gemüselasagne aus dem Ofen von Eschi Fiege © Vanessa Maas/ Brandstätter Verlag

Ausprobiert haben wir die Gemüselasagne mit Zucchinisauce und Mozzarella, den gemischten Bohnentopf mit Bratapfel und geeistem Himbeerjoghurt. Die Lasagne ohne die etwas aufwendigeren Schmortomaten wäre schlicht gewesen – mit den Tomaten und den Zitronenzesten bleibt sie in Erinnerung. Für zwei Packungen Lasagne-Blätter, wie im Rezept angeben, reichte die Sauce allerdings bei Weitem nicht. Überhaupt muss man sich an die Mengen etwas herantasten: Im Drei-Gänge-Menü passen sie vermutlich, wenn aber nur eine Hauptspeise satt machen soll, könnte es knapp werden.

Auch das Rezept für den schnell gemachten Bohnentopf werde ich mir merken. Dem geben karamellisierte Apfelscheiben und ein paar Chiliringe nämlich einen sehr charmanten Säure-Schärfe-Turbo. Der geeiste Himbeerjoghurt ist im Nu aus Tiefkühl-Himbeeren, griechischem Joghurt, Ahornsirup und Cointreau gerührt. Mehr Zeit braucht das Haselnusskrokant, für das in einer Pfanne aus Zucker und Wasser Karamell gerührt und mit gehackten Haselnüssen gemischt wird. Die Masse muss dann zwischen zwei Blättern Backpapier ausgerollt werden, auskühlen lassen und in Stücke brechen.  

Eschi Fiege's Mittagstisch © Vanessa Maas/ Brandstätter Verlag

Das Buch aus dem Brandstätter Verlag ist hübsch gestaltet, mit grafischen Schnörkeln hier und da, aber die Gerichte sehen appetitlich aus ohne den Glanz und Schabernack artifizieller Food-Fotografie. Die Anleitungen zum Kochen sind verständlich und nicht zu lang formuliert. Ein Gewinn sind die 25 Menüvorschläge. Nur das falsche Apostroph im Titel: Eschi Fiege’s Mittagstisch hätte nicht sein müssen. 

Eschi Fiege's Mittagstisch – Leidenschaftlich vegetarisch, Brandstätter, 206 Seiten,  geb. 29,90 Euro

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Die Autorin bringt es gut auf den Punkt: Die Meisten haben während des Mittags nicht mehr die Zeit etwas gutes zu kochen. Das "lätschige Käsebrötchen" oder der "eilige Teller Irgendwas in der Kantine" bringen es schön auf den Punkt. Daher ist in meinen Augen der Buchtitel unglücklich gewählt. Wie die Autorin des Zeit-Magazins allerdings treffend darstellt, sind die Rezepte von Eschi Fliege auch gut für das gemeinsame Essen zu Abend anwendbar. Denn passend zu meiner aktuellen Ernährungsumstellung (weniger Fleisch) findet man sehr vielseitige Rezepte. Einiges hab ich schon getestet und bin völlig begeistert! Ich habe mir allerdings die 10€ günstigere Kindle-Version geholt ( http://www.amazon.de/gp/p... ), da ich erstmal schauen wollte, ob die Rezepte was taugen. Einer Freundin habe ich die gebundene Ausgabe geschenkt, die wirklich sehr stylisch im "Tischdecken" daher kommt :-)

Sieht es nach der Zubereitung auch sprichwörtlich aus; Saustall? Spaß beiseite, können wir es nicht oder wollen wir es nicht mehr? Selbst ich als Mann habe von meiner Mutter und Oma das Kochen gelernt. Wir rennen amerikanischem Fast Food hinterher und haben selber welches, unser Butterbrot,Wurstbrot, Vesper etc. Wir verlassen uns bei der Ernährung immer mehr auf andere, haben wir kein Selbstvertrauen mehr? Dann ist natürlich das Pferdefleisch in der Lasagne schlimm.