© Mandy Lee

Sonntagsessen Ramen statt Paartherapie

Als sie von New York nach China zog, entdeckte Mandy Lee die Lust am Kochen. Auf ihrem Blog "Lady and Pups" verrät sie, wie man beim Ramensuppekochen die Nerven behält. Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Mandy Lee weiß, wie man aus einer misslichen Lage das Beste macht. Als sie vor drei Jahren für den Job ihres Mannes von New York nach Peking zog, war das für sie der Beginn ihrer Misere. Aus Verzweiflung fing sie an, ihre Frustration in der Küche auszutragen. Und rettete damit vermutlich ihre Ehe. Die dabei entstandenen Gerichte, eine bunte Mischung aus Rezepten ihrer Heimat Taiwan, ihrer Kindheit in Amerika und ihrem neuen Zuhause in Peking, veröffentlichte sie auf ihrem Blog Lady and Pups. Seit April 2012 kann dort die ganze Welt an ihrer Kochwut teilhaben.

Während viele einen Foodblog nutzen, um sich von ihrer besten Seite zu zeigen, ist Lady and Pups erfrischend anders. Wenn Lee keine Lust hat, lange Posts zu veröffentlichen, teilt sie das ihren Lesern mit. Ein leckeres Rezept gibt es trotzdem, wie den Shrimp-Salat mit Himbeeren, den sie gern im Sommer isst. Am besten, sagt Lee, eignen sich dafür die gefrorenen, leicht süßlichen Tiefseegarnelen, "die es auch bei Ikea gibt". Solange die Garnelen auftauen, werden Senf und Mayonnaise mit ein wenig Zucker, gehackten Frühlingszwiebeln (nur die grünen Enden verwenden), Salz und Pfeffer verrührt. Sommerliche Frische bringen die am Ende hinzugegebenen gefrorenen Himbeeren. Bevor sie weggeschmolzen sind, sollte man sie schnell auf einem Butterbrot anrichten und zu wachsweichen Eiern servieren.

Neben Rezepten erfährt man auf Lady and Pups auch viel über das kulinarische Angebot von Chinas Hauptstadt. Normalerweise kann man in Peking auch mitten in der Nacht alles für ein spontanes BBQ bestellen, inklusive Grill, und wird per SMS gefragt, ob man die Schweinerippchen lieber geschnitten oder am Stück haben möchte. Nicht so zum chinesischen Neujahrsfest, da macht das Onlinegeschäft konsequent Pause. Dann muss man entweder den Gang in die Kälte zum nächsten Supermarkt wagen oder mit den Küchenvorräten improvisieren. Zu Lees großer Überraschung schmeckte ihr ein an so einem Tag entstandenes gegrilltes Sandwich mit Marshmallows, Butter und Meersalz erstaunlich gut. Die gebutterten Brotscheiben legte sie, von Marshmallows bedeckt, beidseitig in die Pfanne, bis sie goldbraun waren und bestreute das süße Sandwich anschließend mit grobem Meersalz.

Oft muss es bei Lee schnell gehen. Dann gibt es zum Beispiel Glasnudeln mit einem schnellen grünen Pesto. Dafür eine reife Avocado mit gerösteten Cashewnüssen, Öl, Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Salz und Pfeffer im Mixer zu einer glatten Masse verrühren. Danach geriebenen Parmesan und Thaibasilikum dazu geben und noch einmal rühren. Ist das Pesto zu ölig, haftet es nicht an den Glasnudeln, deswegen das Öl lieber in kleinen Mengen nachgießen. Lee empfiehlt koreanische Glasnudeln, die aus der Stärke der Maniokwurzel, auch bekannt als Tapioka, gemacht sind. Sie brauchen zwar ein wenig länger, bis sie gar sind, schmecken ihr zufolge aber umso besser.

Etwas wie The shit I eat when by myself sucht man auf anderen Blogs vergeblich. Den kleinen Sünden und der Portion Nachschlag widmet Lee eine eigene Kategorie. In Erinnerung an ihre Highschool-Tage ist die 35-Jährige bis heute der Meinung, dass Nudeln mit Tomaten- oder Käsesauce immer schmecken. Ein bisschen raffinierter als Mac and Cheese aus der Schulcafeteria sind die orangen Nudeln aber schon. Dazu wird Schweine- oder Rindfleisch mit Knoblauch angebraten, Tomatenmark, Mehl und Milch dazugegeben, bis alles eingedickt ist. Dann den Cheddar-Käse und die Salsa aus dem Glas unterrühren und die gekochten Ramennudeln unterheben. Eventuell mit Tabasco nachwürzen.

Wer meint, frittiert und gesund schließen sich aus, sollte den Thaikräutersalat mit Kartoffelchips probieren. Neben frischen Kräutern wie Thaibasilikum, Minze und Koriander ist das Dressing aus Zitronensaft, Fischsauce, frischem Chili und ein wenig braunem Zucker entscheidend. Schon allein, um die Chips noch warm auf dem Salat servieren zu können, sollte man sich die Mühe machen, sie selbst zu frittieren.

Aufwändig ist auch die traditionelle, auf allerlei Fertigprodukte verzichtende Zubereitung der Ramensuppe mit weich gekochtem Ei. Alle Zutaten dieses Jahrhunderte alten Gerichts werden im besten Fall selbstgemacht, vom Knoblauchöl bis zur Brühe. Besonders die berühmte Cremigkeit verlangt viel Zeit. Lees Trick: Zur ihrer Ramensuppe auf Misobasis mischt sie ungesüßte Sojamilch, das spart Nerven.

Neben einem intensiven Geschmack achtet die gebürtige Taiwanesin vor allem auf die Konsistenz ihres Essens. Alles, was das schöne englische Wort chewy umschreibt, schmeckt ihr besonders gut. Die deutsche Übersetzung zäh trifft es nur unzureichend. Eher ist Lees schwarzes Sesameis eine Mischung aus Eiscreme und Mochi, einem japanischem Reiskuchen. Um es selbst zu machen, genügen vier Zutaten: schwarzer Sesam, Milch, Klebreismehl und Kondensmilch. Bevor der Sesam in einem Mixer mit den restlichen Zutaten verrührt wird, werden die Samen in einer Pfanne angeröstet. Die Lava-ähnliche Masse in einen Topf geben und ungefähr vier Minuten unter ständigem Rühren erhitzen. Für drei bis vier Stunden im Kühlschrank ruhen lassen, dann in einer vorgekühlten Schale mit einem stumpfen Spatel von einer Seite auf die andere falten, so bekommt das Eis seine chewy-artige Konsistenz. Fertig ist es, wenn die gefrorene Schale nach ungefähr 20 Minuten antaut und der Inhalt kaum noch zu falten ist. Erst nach einer weiteren halben Stunde im Eisfach ist die nachgiebige Konsistenz besonders gut, sagt Lee. Am besten gleich essen – und die Misere ist Vergangenheit.

Garnelensalat mit Himbeeren und gekochtem Ei © Mandy Lee
Marshmallow-Sandwich mit grobem Meersalz © Mandy Lee
Schnelle Ramennudeln mit Käse-Tomatensauce © Mandy Lee
Thaikräutersalat mit selbstgemachten Kartoffelchips © Mandy Lee
Schwarzes Sesameis © Mandy Lee

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