© Nina Olsson

Sonntagsessen : Rezepte zum Pferdestehlen

Jeder braucht loyale Freunde. Als solche bezeichnet Nina Olsson Rezepte, die zuverlässig gelingen und glücklich machen. So wie jene auf ihrem Blog "Nourish Atelier". Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Nina Olsson kocht nach drei Prinzipien: fleischlos, kontrastreich und geschmackvoll. Ihr Blog Nourish Atelier hält, was der Name verspricht. Bei der Gestaltung ihrer Gerichte ist ihr keine Mühe zu viel. Vor sieben Jahren zog die Schwedin der Liebe wegen nach Amsterdam. Als freie Art-Direktorin und Grafikdesignerin arbeitet Olsson für verschiedene Magazine ihrer Heimat Stockholm, seit zehn Jahren vor allem für solche mit Food-Schwerpunkt. Ihrem Mann gehört eine Firma für Fotonachbearbeitung, als Paar bieten sie ein Rundumprogramm von kreativen Inhalten bis zu deren Gestaltung. Bereits vor einigen Jahren erweiterte Olsson ihre berufliche Website um einen Rezeptblog. Spätestens, wenn man die Geschichten hinter den Rezepten liest, spürt man die Leidenschaft der Schwedin. So bezeichnet sie zuverlässig gelingende Gerichte liebevoll als "loyale Freunde" oder erklärt ausführlich, wie sinnvoll es ist, mehr Linsen zu essen. Folglich kommt die ballaststoffreiche und cholesterinarme Pflanzenart in gleich zwei der Gerichte unseres Sonntagsessens vor.

Dass Olsson ganz ohne Fleisch kocht, geht zurück auf ihre Studienzeit in London, als das Geld knapp und Kleidung wichtiger war. Weil sie sich trotz kleines Budgets nährstoffreich ernähren wollte, verzichtete sie auf das billige Fleisch im Supermarkt und kaufte stattdessen viel Gemüse in den türkischen Geschäften ihrer Gegend. Linsen, Spinat und Kohl brachten sie gut durch das Studium. War mal ein bisschen Geld übrig, gab es Käse und guten Kaffee. Aus Gewohnheit wurde Liebe, Fleisch fehlt Olsson bis heute nicht. Angesichts der Vielfalt ihrer Gewürze und Gemüsesorten ist das kein Wunder. Einer Regel folgt sie allerdings: Ein gutes Gericht lebt von Gegensätzen. Sei es die Konsistenz – knusprig und cremig – oder der Geschmack – süß und salzig –, facettenreich soll es sein.

So wie die Kohl- und Süßkartoffelchips mit einem Cashew-Knoblauch-Zitronen-Dip. Dafür erst den Kohl zerkleinern, mit Öl und Zatar-Gewürz auf ein Blech legen und bei 200 Grad für 15 Minuten im Ofen knusprig backen. Anschließend werden die Süßkartoffelscheiben bei 150 Grad geröstet. Währenddessen bleibt Zeit für den Dip aus Cashewbutter, Olivenöl, Zitronensaft, Knoblauch, Honig, Salz und etwas Mandelmilch.

Es folgt einer von Olssons "loyalen Freunden", ein herzhafter Eintopf aus Linsen, Kürbis, Paprika und Tomaten. Mit einer Basis aus Sojasoße, Honig, Tahini, Olivenöl und Kokosmilch schmeckt er süßlich und sauer zugleich und ist perfekt für kühlere Tage. Wichtig sind Olsson zufolge die Gewürze. Sie selbst verwendet Kreuzkümmel, Kurkuma, Zimt und rotes Paprikapulver, aber natürlich kann nach Geschmack variiert werden. Koriander, griechischer Joghurt und Sesam setzen optische Akzente.

Wie gut Gegensätze miteinander harmonieren, zeigt auch der Linsensalat mit Honig-Karotten und grünem Püree, der genau genommen aus vier kleinen Gerichten besteht. Als Erstes wird der Linsensalat zubereitet. Dafür Zwiebeln und Knoblauch in Kokosöl und Sojasoße anschwitzen und die gekochten Linsen zugeben. Dann bei schwacher Hitze rühren und zum Schluss Salatblätter, Rotkohl und Koriander unterheben. Währenddessen die mit Öl, Honig und Zitronensatz beträufelten Möhren im Ofen rösten. In der Zwischenzeit in einem Mixer das grüne Püree aus gekochten Kichererbsen, Brokkoli und Olivenöl pürieren. Den abgekühlten Linsensalat mit dem warmen Püree, dem selbst gemachten Tahini-Dressing und in der Pfanne gerösteten Kichererbsen servieren.

Gesunde Ernährung hin oder her, auf Burger will die Bloggerin nicht verzichten. Im Gegenteil beschreibt sie es als großes Freude, aus einem vermeintlich ungesunden ein nährstoffreiches Gericht zu machen. So wie der Gemüseburger mit pinkem Coleslaw. Damit der Gemüsebratling aus Kichererbsen, Pilzen und Karotten nicht zu trocken schmeckt, gibt Olsson einen frischen Salat aus Rotkohl und Apfelschnitzen darüber, angemacht mit einem süßen Honig-Senf-Dressing. Für Cremigkeit und Würze sorgt die mit thailändischer Chilisoße verrührte Mayonnaise.

Auch wenn es hin und wieder ein großer Becher Schokoladeneis sein darf, sind Olssons selbst gebackene Kuchen nur selten eine Sünde. Mit einem Teig aus Dinkelmehl, Palmzucker, Joghurt, Mandelmilch, Vanille und Zitrone kann man den Chia-Kuchen mit Rosenblättern und Haselnuss ohne schlechtes Gewissen nach einer Yogastunde genießen. Wie beim Linseneintopf spielen auch hier die Gewürze die Hauptrolle. Falls man dafür nicht extra Zimt, Piment, Kardamom oder getrockneten Ingwer kaufen will, reichen Olsson zufolge auch vier Teebeutel Yogi-Tee. Auch hier darf die Optik nicht zu kurz kommen: Die Limetten-Kokosmilch-Zuckerguss-Glasur verzieren zusätzlich Rosenblätter und geröstete Haselnüsse.

Herzhafter Eintopf aus Linsen, Kürbis, Paprika und Tomaten © Nina Olsson
Selbst gemachte Kohl- und Süßkartoffelchips mit Cashew-Knoblauch-Zitronen-Dip © Nina Olsson
Linsensalat mit Honig-Karotten und grünem Püree © Nina Olsson
Kichererbsenburger mit Pilzen und pinkem Coleslaw © Nina Olsson
Chai-Kuchen mit Rosenblättern und Haselnuss © Nina Olsson

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