© Fotos: Davide Luciano; Styling von Claudia Ficca

Sonntagsessen Leben, Extra Vergine

Der Name "Impatient Foodie" ist Programm: Bei der New Yorker Bloggerin Elettra Wiedemann kommt nur auf den Tisch, was die Nerven schont. Ein Adventsbrunch Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Dass Elettra Wiedemann trotz ihrer Ungeduld am Herd Karriere macht, mag so manchen Koch verwundern. Da sie gutes Essen aber einfach liebt, erklärte sie ihr Unvermögen vor zwei Jahren kurzerhand zu ihrem Markenzeichen und gründete ihr eigenes Food-Blog. Seitdem gibt es auf Impatient Foodie Gerichte, die die Geduld des Kochs nicht allzu sehr auf die Probe stellen. Ihr Credo: "Es muss schmecken, gesund und aus möglichst nachhaltig angebauten Zutaten sein." Dass sie seit diesem Jahr außerdem die Food-Redaktion eines großen amerikanischen Onlinemagazins leitet, kann sie selbst am wenigsten glauben. Gerade weil sie das Kochen eher aus der Not heraus für sich entdeckt hat. 

Nachdem Wiedemann vor über 15 Jahren von Modefotograf Bruce Weber als Model entdeckt wurde, war sie in der Küche oft auf sich allein gestellt. Aber für den Job auf leckeres Essen zu verzichten, kam für sie nie infrage. Sie begann mit gesunden, aber dennoch schmackhaften Gerichten zu experimentieren. Inzwischen weiß sie genau, was ihr schmeckt: Olivenöl. Ganz egal, auf welche Diät man sie setzen würde, auf Olivenöl könne und wolle sie niemals verzichten. Dafür sei das Leben zu kurz.

Kann man sich auch nur halb so sehr wie Wiedemann für Olivenöl begeistern, sollte man unbedingt ihren Extra-Vergine-Olivenölkuchen probieren. Das Originalrezept verdankt sie der Food-Fotografin Marité Acosta. Die Zubereitung ist, wie es das Model mag, denkbar einfach. Als Erstes werden die trockenen Zutaten, Mehl, Zucker, Salz, Backpulver und -soda, vermengt. In einer weiteren Schüssel das Olivenöl mit Eiern, Milch, Orangensaft, -abrieb und -likör vermischen, die trockene Mischung unterheben, zu einem glatten Teig verquirlen und in die Form füllen. Nach einer Stunde im Ofen muss der Kuchen ungefähr doppelt so lang abkühlen. Dann mit einem Klecks Cognac-Schlagsahne servieren.

Wie der ölige Kuchen eignet sich auch der Rest des heutigen Menüs für einen üppigen Adventsbrunch. Die Sauerrahm-Pancakes hat Wiedemann bei ihrem Lieblingsdesigner Adam Lippes entdeckt. Der hat sie regelmäßig von seiner Mutter zum Frühstück serviert bekommen. Was die Lippes'schen Pfannkuchen  besonders macht? Unter den Teig wird Sauerrahm und griechischer Joghurt gerührt. So werden die Pancakes unwiderstehlich saftig.

Obst, vor allem Bananen, sucht man in Wiedemanns Küche vergebens. Schuld daran ist laut ihrer Mutter die schokoladensüchtige Babysitterin der kleinen Elettra. Die habe ihr damals jedwedes Obst schlechtgeredet, damit sie selbst öfter zur Schokolade greifen konnte. Wer auch immer die Abneigung verursachte, Wiedemann weiß, wie wichtig Vitamine sind und gibt sich Mühe, Früchten immer wieder eine Chance zu geben. Kommt es nicht als Obst, sondern als Konfitüre oder Kompott daher, gelingt ihr das schon leichter. Außerdem macht ein Klecks Marmelade ein Gebäck wie ihre gelben Kurkuma-Scones auch weniger trocken. 
Das Rezept für die süßen Ecken stammt ursprünglich von Wiedemanns Großvater, der unter den Teig immer frische Blaubeeren hob. Allerdings färbt der sich dann grün. Als Kind fand Wiedemann das natürlich großartig. Für ihre Onlinekochsendung Elettra's Goodness buk sie das Rezept gemeinsam mit Supermodel Karlie Kloss dann allerdings mit Blaubeermarmelade.

Eine Ausnahme in puncto Obst macht Wiedemann gern für Rhabarber. Der ist ja genau genommen auch ein Gemüse und schmeckt ihr als Kompott zu ihrem schwarzen Reispudding. Hat der schwarze Reis 20 Minuten in Salzwasser gekocht, kommen Kokosmilch und ein wenig Zucker hinzu. Für eine Viertelstunde einkochen. Sind die Körner noch al dente und die Milch vollkommen aufgesogen, kann der Reis zum Abkühlen in kleine Schalen gefüllt werden. Für das Kompott Zitronensaft mit Zucker, Wasser und einer Prise Salz erhitzen, anschließend den klein geschnittenen Rhabarber hinzugeben und für gute fünf Minuten einkochen lassen. Einen großzügigen Klecks des Kompotts auf den Klebreis geben und mit Pistazien garnieren.  

Für Sonntagsgäste, die es morgens lieber herzhaft mögen, macht Wiedemann eine Spinat-Lauch-Tarte. Das Rezept hat sie aus einer Rezeptereihe der America's Test Kitchen, die für jedes Gericht nur sechs Zutaten verlangt (Bratfett zählt nicht dazu). Dafür als erstes den Lauch klein schneiden und mit Zwiebeln in einer Pfannen andünsten. Dann Spinat, gewürfelten Brie und Gemüsebrühe in einen Topf geben und den Lauch unterrühren. Währenddessen Walnüsse in einer beschichteten Pfanne ohne Fett anrösten und diese ebenfalls zur der Spinat-Lauch-Mischung geben. Anschließend einen fertigen Kuchenteigboden auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und die Mitte mit der grünen Masse bedecken. Dann die Ränder des Teigs großzügig umklappen und den Kuchen für 15 Minuten in den Ofen schieben.

Obwohl Wiedemann selbst momentan keinen Alkohol trinkt (sie trainiert gerade für den Triathlon), durfte sie für die diesjährige Golden-Globe-Veranstaltung zwei Champagner-Cocktails kreieren. Sie versüßt unseren Brunch mit einem Glücklichmacher. Weil es sich beim Brunch immer noch um ein spätes Frühstück handelt, ist dieser mit Konfitüre gemacht. Je ausgefallener die Marmelade, desto aufregender schmeckt der Cocktail, sagt sie. Das Model entscheidet sich für Erdbeer-Feige und gibt eineinhalb Teelöffel auf 4 cl Wodka. Gut miteinander verrührt, kommen Eiswürfel und Soda dazu. Fertig ist der wintertaugliche Sommercocktail.

Extra-Vergine-Olivenölkuchen mit Cognac-Schlagsahne © Fotos: Davide Luciano; Styling von Claudia Ficca
Sauerrahm-Pancakes © Fotos: Davide Luciano; Styling von Claudia Ficca
Schwarzer Reispudding mit Rhabarberkompott © Fotos: Davide Luciano; Styling von Claudia Ficca
Spinat-Lauch-Tarte © Fotos: Davide Luciano; Styling von Claudia Ficca
Wintertauglicher Sommercocktail mit Konfitüre und Wodka © Fotos: Davide Luciano; Styling von Claudia Ficca


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