© Sandy Neumann/Confiture de vivre

Sonntagsessen Ein Sonntag auf dem Land

Frische Luft, gutes Brot und eine Suppe mit Kastanien. Dieses französische Sonntagsessen feiert den Herbst und schmeckt noch besser, wenn man es mit der Familie genießt. Von

Auf die Frage, was sie an Frankreich so liebe, schickt Sandy Neumann eine Liste, die so lang war wie ein Reiseführer dick ist. Von Hamburg aus schreibt sie das Blog Confiture de vivre. Als Reisejournalistin hat sie das Privileg, drei Monate im Jahr in Frankreich zu verbringen, das macht sie am liebsten in Corbières, einer Region zwischen Narbonne und Perpignan. Sie schätzt die schroffe, felsige Landschaft und die bodenständigen, manchmal sturen Menschen, die überwiegend vom Weinbau leben. Besonders empfehlenswert seien die kleinen, unabhängigen Winzer im Languedoc. Abgesehen vom Wein bringt Sandy gern rosa Knoblauch mit in ihre deutsche Heimatstadt. Und wenn die Frankreichsehnsucht wirklich einmal zu groß wird, lässt sie sich im Hamburger Restaurant La Mirabelle bekochen.

Mit Sandys Menü verbringen wir einen Sonntag auf dem Land. In Frankreich ist das auch traditionell der Tag, an dem die ganze Familie zum stundenlangen Essen zusammenkommt. Deswegen lassen sich die Gerichte im Idealfall gut vorbereiten und sind nicht zu kompliziert.

Um den Magen zu öffnen, reicht Sandy statt eines Aperitifs Forellenrilettes auf Kümmel-Fenchel-Brot. Rillettes nennt man im eigenen Saft gegarte Brotaufstriche aus Fleisch oder Fisch. Dazu Möhre und Schalotte in Öl anschwitzen, mit Chablis ablöschen, köcheln lassen. Dazu kommen grob gezupftes Forellenfilet, Radieschen, Kapern, Zitronenabrieb, Zitronensaft, Noilly Prat und Crème fraîche. Mischen, salzen, pfeffern und bis zum Servieren kalt stellen. Für das Brot Mehl, Salz und Backpulver mischen. Kümmel- und Fenchelsaat rösten und im Mörser malen, zusammen mit Joghurt zu den trockenen Zutaten geben und zu einem Teig kneten. Portionsweise von beiden Seiten in einer Pfanne grillen. Mit der Rillettes bestreichen. Oben drauf kommen gern noch Dill und Petersilie. Dazu passt Chablis – oder als Aperitif der im Aufstrich enthaltene Noilly Prat.

Als zweiten Gang schlägt die Bloggerin Venusmuscheln nach südfranzösischer Art vor. Schalotten in Öl anschwitzen, klein geschnittene Zucchini, Porree und Paprika dazu geben und einige Minuten anschwitzen. Mit Weißwein ablöschen, Sahne und Gemüsefond einrühren. Abgeschmeckt wird mit Salz, Pfeffer und Piment d'Espelette. Venusmuscheln in die Pfanne geben und mit Deckel garen, bis sie sich öffnen. Mit Basilikum und Baguette servieren.

Jetzt im Herbst empfiehlt Sandy eine Reise zur Fête de la Châtaigne in St. Pons de Thomières. Dies ist ein Fest zu Ehren der Kastanie, auf dem man sogar Kastanienbier probieren kann. Zu Hause kocht Sandy Kastaniensuppe. Zwiebel und Knoblauchzehen fein würfeln. Birnen in kleine Stücke schneiden. In einem Topf Butter erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin anschwitzen und die vorgegarten Kastanien dazu geben, danach erst die Birnen. Mit Gemüsebrühe ablöschen und bei mittlerer Hitze eine halbe Stunde köcheln lassen. Pürieren und sofort servieren. Dazu passt ein mittelkräftiger Rotwein.

Viele fremdeln mit Ziegenkäse. Um Berührungsängste abzubauen, serviert Sandy ein Thymian Pain Perdu mit Pélardon und Mispelconfit auf Wildkräutersalat. Pélardon ist ein Ziegenrohmilchkäse aus dem Languedoc, der gut zu Sauvignon Blanc aus derselben Gegend passt. Für das Confit Mispeln in kleine Stücke schneiden und in eine ofenfeste Backform füllen. Mit Zucker bestreuen, mit Zitronensaft benetzen und im Ofen backen. Schalotten in Olivenöl anschwitzen, Mispeln mit Saft und Honig dazu geben und köcheln lassen. Mit Piment d‘Espelette, Salz und Pfeffer abschmecken. Zusammen mit Kräutern der Provence und Lavendel in ein Schraubglas füllen. Wildkräuter waschen und mit einem Dressing aus Oliven, Zitronensaft, Salz und Pfeffer verrühren. Gehackte Haselnüsse darüberstreuen. Für das Pain Perdu Eier mit Milch verquirlen, würzen und Thymian dazugeben. In dieser Mischung Baguettescheiben einige Minuten einweichen, dann in Butter ausbacken. Mit Käse belegen und dem Mistelconfit bestreichen. Zusammen mit dem Salat auf einem Teller anrichten.

Praktischerweise ist der Wein zum Dessert auch im Dessert enthalten. Banyuls ist ein natursüßer Wein aus dem Roussillon, der gut zu Kirschen passt. Diese werden entkernt und mit einem Sirup aus Wasser, Zucker, Zitronenzeste und Banyuls aufgegossen. Mit Eiswürfeln auffüllen und Minzblättchen garnieren.

Forellenrilettes auf Kümmel-Fenchel-Brot © Sandy Neumann/Confiture de vivre
Venusmuscheln nach südfranzösischer Art © Sandy Neumann/Confiture de vivre
Thymian Pain Perdu mit Pélardon und Mispelconfit auf Wildkräutersalat © Sandy Neumann/Confiture de vivre
Kirschen in Banyuls © Sandy Neumann/Confiture de vivre


Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Vielen Dank für die schönen Rezepte. Sowas liest man hier leider viel zu selten. Allerdings vermisse ich da sowas wie den eigentlichen Hauptgang. Die Muscheln sind eher eine Vorspeise und den Käse gibt es eigentlich erst nach dem Hauptgericht.

In Deutschland dürfte man einige Schwierigkeiten haben, entsprechende Zutaten zu besorgen. Für Banyuls oder Piment d'Espelette wird man wohl auf's Internet angewiesen sein. Wo man einen Pélardon herbekommen soll, ist mir völlig schleierhaft. Den bekommt man ja selbst in Frankreich nur in der entsprechenden Region.