© Hannes Schrader für ZEITmagazin ONLINE

Gebäck: Magische Überlebkuchen

Ein Winter in Frankreich kann alles andere als gemütlich sein. Es sei denn, jemand kommt geflogen und rettet einen mit diesen Lebkuchen. Dann verliebt man sich schon mal. Von

Dieses Rezept ist kein Geheimrezept. Es stammt nicht aus dem verstaubten Büchlein meiner Oma, sondern von einer Rezeptdatenbank aus dem Internet. Wenn wir mal ehrlich sind, ist die Zeit der Geheimrezepte sowieso vorbei und der Zauber, der einst im perfekten Mürbeteig steckte, längst verflogen. Alle Kochtricks lernt man mittlerweile auf YouTube, die Hilfsmittel für die Profiküche bestellt man im Internet. Kochen und Backen sind prosaischer geworden. Man könnte mich unromantisch nennen. Aber ich weiß: Die Poesie kommt vom Bäcker. Oder meinem Fall von der Bäckerin.

Ich habe diese Lebkuchen das erste Mal von einer Frau geschenkt bekommen. Im Winter meines Austauschjahres besuchte sie mich in Aix-en-Provence. Ich war frisch verliebt, wir hatten uns im Sommer kurz vor meiner Abreise kennengelernt. Als sie mich besuchte, wussten wir noch nicht, ob wir schon Freund und Freundin sind. Aber Weihnachtsstimmung kam in Südfrankreich wirklich nicht auf. Glühwein gab es nicht und der Weihnachtsmarkt bestand aus ein paar Holzhütten, in denen man bei strahlendem Sonnenschein sinnlosen Tand kaufen konnte. Pünktlich um 18 Uhr wurde dichtgemacht. Wenigstens war es kalt. 

Das einzig Warme in meiner Wohnung war ein kleiner Heizkörper auf vier Rollen, den ich meinen Heizhund nannte. Er stand immer unter meinem Tisch, weil er die Wärme nicht sonderlich gut verteilte. Für warme Füße reichte es. Gleichzeitig wurde das Ding so heiß, dass man sich verbrannte, wenn man aus Versehen an ihn stieß. Ich konnte ein bisschen menschliche Wärme also gut vertragen.

Als die junge Frau wieder abreiste, ließ sie mir ihre selbst gebackenen Lebkuchen da. In einem Tütchen gestapelt standen sie auf meinem Kühlschrank. Allein in der kalten Wohnung öffnete ich das Tütchen und aß einen Lebkuchen. Und gleich noch zwei hinterher. Mit dem Fuß schubste ich den Heizhund von mir weg. Als ich später Besuch von einer Bekannten bekam, sagte ich: "Diese Lebkuchen musst du probieren." Nach einem Bissen sagte der Besuch: "Heirate diese Frau!" 

Inzwischen ist die backende Frau meine Freundin und wir leben beide in Berlin, nur zehn Minuten Fußweg trennen uns. Wir haben Zentralheizung. Die Lebkuchen backe ich trotzdem jedes Jahr. Man muss ja Energie sparen.

Für etwa 35 Elisenlebkuchen brauchen Sie:

•    10 Eier
•    1 kg gemahlene Haselnüsse oder Mandeln
•    800 g Rohrzucker
•    80 g Orangeat
•    80 g Zitronat
•    30 g Lebkuchengewürz
•    1 EL Zimt
•    1 Msp. Hirschhornsalz
•    1 TL Zitronenschale, gerieben
•   35 Backoblaten, Durchmesser 70 mm
•    200 g Kuvertüre

Die klassischen Backoblaten bestehen aus zwei Schichten. Diese lassen sich mit einem scharfen Messer einfach trennen. Verwenden Sie je Lebkuchen am besten nur eine Schicht.

Orangeat und Zitronat fein hacken und mit Eiern, Nüssen, Zucker, Hirschhornsalz, der Zitronenschale und den Gewürzen vermengen. Das Hirschhornsalz ist ein Triebmittel, normales Backpulver würde den schweren Lebkuchenteig nicht genug heben. Den Teig etwas kneten und zu Kugeln formen. Die Kugeln auf die Oblaten geben und gleichmäßig flachdrücken. Den Backofen auf 150° vorheizen. Dann die Lebkuchen 35 Minuten backen. Sie sollten auf keinen Fall hart werden, sondern mit dem Finger leicht eingedrückt werden können. Lebkuchen abkühlen lassen. Währenddessen Kuvertüre im Wasserbad schmelzen. Anschließend die Lebkuchen damit überziehen und trocknen lassen.

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