© Kerstin Rodgers

Sonntagsessen Was für ein Braten!

Kerstin Rodgers kocht in London oft für fremde Menschen. Die Gäste ihres Supper Clubs inspirieren sie immer wieder. Zum Beispiel zu diesem weihnachtlichen Menü ohne Tier. Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Für Fremde in der eigenen Wohnung kochen: Das ist die Idee eines Supper Clubs. In London entstand dieses Konzept und fand Nachahmer in aller Welt. Eine der ersten Gastgeberinnen war Kerstin Rodgers mit ihrem bis heute existierenden Underground-Restaurant. Als Ms Marmite Lover bloggt die 42-jährige alleinerziehende Buchautorin über das, was sie für sich, ihre Tochter Sienna und Gäste kocht. Die kommen nämlich häufig zu Besuch. "Frauen haben in der Küche weitaus mehr drauf, als ihre Familien zu ernähren", sagt sie. Dass eine Feministin gleichzeitig kochende Hausfrau sein kann, ist für die Wahl-Londonerin so selbstverständlich wie ihr Lieblingsfrühstück: Toast mit Marmite, einer zähflüssigen und Würzpaste, die in Großbritannien viele Anhänger hat.

Seit Kerstin ihren Supper Club veranstaltet, weiß sie, was Gäste und Tiere glücklich macht. Ihr fast veganes Sonntagsessen ist eine Mischung aus britischen Klassikern und Gerichten aus aller Welt. Ein Christmas Dinner ohne tierische Produkte ist Kerstin zufolge problemlos machbar. Allerdings müsse man in diesem Fall auch auf die Getränkeauswahl achten, da viele Weine mit tierischen Produkten hergestellt werden.

Hot Toddy ist die englische Bezeichnung eines alkoholischen Heißgetränks. Das kann ein Grog sein, ein Punsch oder wie in unserem Fall ein klassischer Glühwein. Die Zubereitung ist simpel: Rotwein mit Orangenscheiben, Kumquats, Zimtstangen, Nelken, Anis und Zucker in einem Topf erwärmen und einige Minuten ziehen lassen. Der Wein darf nicht kochen. Heiß servieren.

Mit Anis verhält es sich übrigens wie mit Kerstins Lieblingsaufstrich: hate it or love it. Anisaromen sind typisch für Getränke wie Pastis, Sambuca oder den türkischen Raki. Noch heute schwärmt Kerstin von einem Menü, bei dem jeder Gang Raki enthielt. Anfänger tasten sich mit der gerösteten Fenchelsuppe langsam an den Raki heran. Fenchelknollen in Olivenöl und Salz wälzen und im Ofen backen. Nach fünfzehn Minuten mit Olivenöl in einen Topf geben und zusammen mit Knoblauch und Schalotten dünsten. Gemüsebrühe dazu gießen, dann mit Raki und Schlag- oder Sojasahne verfeinern. Vor dem Servieren mit Fenchelpollen oder Paradieskörnern – einem in Vergessenheit geratenen Gewürz mit ingwerartigem Geschmack – würzen. Am besten schmeckt die Suppe, wenn sie einen Tag durchziehen kann.

Das Rezept für das Hauptgericht stammt aus Armenien. Pilaw ist die Bezeichnung für einen Eintopf, basierend auf Reis, Zwiebeln, Brühe und Fisch, Fleisch oder Gemüse. Für den weihnachtlichen Kürbis-Pilaw den Kürbis "köpfen", aushöhlen und den Deckel beiseite legen. Kokosbutter und Dattelsirup schmelzen und auf die Innenseiten des Kürbis streichen. Reis kochen, nach der Hälfte der angegebenen Kochzeit vom Herd nehmen. Mit Rosinen, Berberitzen, Trockenfrüchten, Nüssen, Nelken, Zimt und Salz vermengen. Die Hälfte des restlichen Kokosbutter-Sirups untermengen und die Mischung in den ausgehöhlten Kürbis füllen. Den übrigen Sirup darüber gießen und auf der Kürbisschale verreiben. Den Deckel auf den Kürbis setzen und im Ofen backen. Mit Petersilie garniert servieren. 

Als Beilage schlägt Kerstin lila-grüne Kohlsprossen mit Süßwein vor. Die Kohlsprossen kochen, anschließend mit kaltem Wasser abschrecken, so behalten sie ihre Farbe. Schalotten in pflanzlichem Öl karamellisieren, dann Knoblauch, Nussöl und die gekochten Kohlsprossen zugeben. Nach etwa fünf Minuten Kochzeit Pinienkerne oder Mandeln und den Wein einrühren – am besten passt Gewürztraminer oder ein französischer Sauternes. Erneut kurz aufkochen und sofort servieren.

Beim Nachtisch, einem typisch britischen Shortbread, gilt: bitte keine Experimente. Für eine vegane Version die Butter durch Margarine ersetzen. Gesalzene Butter, Salz, Zucker und Vanillepaste vermengen. Mehl, Zimt, Nelken, Muskat, Piment und die Zeste einer Satsuma, einer japanischen Zitrusfrucht, untermischen und mit den Händen kneten. Den Teig in eine Form füllen, die Oberfläche glatt streichen, dann in Stücke schneiden und mit einem Muster verzieren. Zwanzig Minuten ruhen lassen, dann im vorgeheizten Ofen backen. Aus dem Ofen holen und nochmals schneiden und das Muster nachstechen. Mit Zimt und Zucker bestreuen und bestenfalls warm servieren. Dazu passt eine Tasse Tee.

Der Klassiker — Glühwein © Kerstin Rodgers
Geröstete Fenchelsuppe mit Raki © Kerstin Rodgers
Lila-grüne Kohlsprossen mit Süßwein © Kerstin Rodgers
Shortbread © Kerstin Rodgers

Kommentare

39 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Bin Vegetarierin und hoffe, dass mich nie jemand mit diesem Kürbis überrascht, muss fürchterlich süß sein (auch wenn die Trockenfrüchte Sauerkirschen sein sollen). Gut vorbereiten lassen sich auch Aufläufe, z. B. mit Nudeln, Tomaten, Paprika italienisch gewürzt oder mit Kartoffeln und Brokkoli und Sahne-Käse-Soße mit Delikata-Gewürzmischung (Reformhaus) gewürzt).