© Christine Weisserth

Sonntagsessen Landleben am Gaumen

Wie viele Städter träumen vom Landleben? Zu viele! Statt Luftlandhäuser zu bauen, sollten sie ihre Zeit lieber in dieses Menü stecken. Bodenständigkeit garantiert. Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Landlust ist wie Schnupfen, sie kommt immer wieder. Von ihr akut betroffen sind Großstädter. Obwohl sie meist nur ihre Symptome, nicht aber die Ursachen bekämpfen: Während sie vom eigenen Kräutergarten träumen, verschrumpelt der Basilikumstrauch auf dem Fensterbrett. Die beste Medizin bleibt ein Ortswechsel.

Christine Weisserth erklärt, wie das geht. Sie ist Foodstylisitin und lebt von Montag bis Freitag in Berlin, dort sitzen ihre Arbeitgeber, dort hat sie die meisten Aufträge. Obst und Gemüse kauft sie an diesen Tagen auf dem Markt am Maybachufer, Fleisch in der Markthalle Neun und andere Produkte bei der Food Assembly, einer Organisation, die Konsumenten und Produzenten lokaler Produkte zusammenbringt.

Das Wochenende hingegen verbringt sie in einem Landhaus in Brandenburg, mit guten Freunden, ihrem Partner Fried und Pudel-Mischling Nelson. Wenn die 30-Jährige nicht in der Küche oder im Garten steht, wandern geht oder an ihrem Blog Kitchen Hoopla arbeitet, vertreibt Weisserth sich die Zeit mit Nähen und Stricken. All das klingt zu schön, um wahr zu sein. Gibt es etwas, das nicht ins Bild passt? "Ich mag keinen Salat", sagt Weisserth. "Nicht mal den aus meinem eigenen Garten."

Der Name ihres Blogs ist Kitchen Hoopla. Letzteres heißt aus dem Englischen übersetzt "großes Tamtam" und verrät viel über Weisserths Art zu kochen. Sonntags hat sie genug Zeit für Experimente. Das Menü von Kitchen Hoopla läuft unter dem Titel "Ein Wintersonntag auf dem Land".

Gut möglich, dass Christine den Honig-Ingwer-Sirup bereits einige Tage zuvor zubereitet hat. Sie schreibt ihm magische Kräfte zu: Er mache fit und munter und sei außerdem gut für die Abwehrkräfte. Genau das Richtige also für ihre Werktage in der Stadt. Wer möchte, schält den Ingwer vor dem Kochen und kandiert die Schale oder würzt eine Suppe damit. Man kann die Knolle aber auch ganz verarbeiten. Ingwer in Wasser kochen, vom Herd nehmen und eine Stunde durchziehen lassen. Durch ein Sieb streichen und mit Honig ein zweites Mal erwärmen. Den noch heißen Sirup in ein sauberes Gefäß füllen und fest verschließen. Im Kühlschrank hält er sich etwa drei Wochen.

Steckrüben sind nicht hip. Glücklicherweise kann Weisserth das auf dem Land egal sein. Für die Steckrüben-Apfel-Suppe die Steckrüben mit Kokosöl, Pfeffer und Salz im Ofen rösten. In einem Topf Zwiebeln, Lorbeer, Rosmarin und Thymian in Kokosöl anschwitzen. Karotten und Steckrüben hinzufügen, mit Gemüsebrühe aufgießen. Nach fünfzehn Minuten die Kräuter entfernen. Anschließend die Suppe pürieren und mit Ahornsirup, Zimt, Salz und Pfeffer verfeinern. In einer Pfanne ohne Fett Fenchelsamen und Kürbiskerne rösten. Die Suppe mit den Samen, Kernen und einigen Zweigen Thymian anrichten.

Als Zwischengang serviert die Gastgeberin frische Artischocken mit Zitronendip. Zuerst den Dip machen: Dazu Zitronensaft mit Olivenöl, Senf und Agavensaft mischen und beiseitestellen. Die äußeren Blätter der Artischocken entfernen und die Spitzen kappen. Sofort mit den ausgepressten Zitronen einreiben, so werden sie nicht braun. Die Stiele abbrechen und die Artischocken mit der abgebrochenen Seite nach oben in eine Pfanne mit kochendem Wasser legen. Nach 20 bis 25 Minuten aus der Pfanne nehmen und mit dem Dip servieren.

Eine Alternative zum eigenen Garten sind Biokisten, die in regelmäßigen Abständen Produkte aus dem Umland nach Hause liefern. Manchmal stellen sie einen vor Herausforderungen: Was tun mit frischen Artischocken, Apfelsaft und Rinderhackfleisch? Christine verarbeitet diese Zutaten zu einem Shepherd's Pie. Für das Püree Artischocken schälen, grob hacken und in Salzwasser weich kochen. Rindfleisch pfeffern und salzen. Erbsen pulen – oder auf tiefgefrorene zurückgreifen. Kokosöl erhitzen, zunächst Zwiebeln und Lorbeer, dann das Fleisch darin anbraten. Schließlich Karotten, Rosmarin und Salbei einrühren und mit Apfelsaft ablöschen. Artischocken zerstampfen, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen und mit Fetakäse und Walnüssen bestreuen. Fleisch und Gemüse in eine Kasserolle füllen, mit dem Püree bedecken, dann mit Parmesan und Brotkrümeln bestreuen. Im Ofen goldbraun backen.

Ein Zweitwohnsitz zwingt einen gelegentlich zum Improvisieren. Weil Weisserth keine Muffinförmchen zur Hand hatte, hat sie dieses Rezept zu einem Kuchen abgewandelt. Für den Dinkelapfelkuchen Zucker in Butter karamellisieren lassen. Geschälte Apfelstücke darin sautieren. Die restliche Butter mit Zucker und Eiern schaumig schlagen, dann Vanille, Muskat, Zimt und Salz einrühren. Mehl mit Backpulver mischen und nach und nach zu den flüssigen Zutaten geben, zwischendurch Milch einrühren. Äpfel unterheben. Den Teig in eine Form füllen, mit Apfelscheiben belegen, Zimt und Zucker bestreuen und im Ofen backen.

Ingwer-Honig-Sirup © Christine Weisserth
Steckrüben-Apfel-Suppe © Christine Weisserth
Artischocken mit Zitronendip © Christine Weisserth
Dinkelapfelkuchen © Christine Weisserth

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