© Sarah Kaufmann

Sonntagsessen Mein kleiner leckerer Kaktus

Der kalte Winterwind weht bis in die Kochtöpfe? Schmeißen Sie Kakteen, Chili und Wildtomaten dazu und schon schmeckt das Sonntagsessen nach lateinamerikanischer Sonne. Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Grau ist alle Theorie, bunt die Teller Lateinamerikas. Kein Wunder, dass es Sarah Kaufmann während ihres Studiums immer wieder raus aus dem Hörsaal und auf den Kontinent ihrer Träume zog. Ein Auslandssemester verbrachte sie im brasilianischen Foz do Iguaçu. Über die Jahre hat sie zwölf lateinamerikanische Länder bereist, von den Osterinseln über Chile bis Panama. Mittlerweile ist sie ein wandelnder Reiseführer – auch wenn es ums Essen geht. Der Name ihres Blogs Vegan Guerilla verrät es: Die 29-Jährige verzichtet auf tierische Produkte. Zu Hause in Hamburg ist das kein Problem. Außerhalb Deutschlands informiert sie sich auf der Website Happy Cow über vegane Restaurants, Cafés und Geschäfte.

Wer sich auf den Märkten Mittel- und Südamerikas selbst versorgt, muss auch in ländlichen Gegenden nicht hungrig bleiben – die Auswahl an Früchten und Gemüsesorten ist groß. Besonders angetan hat es Sarah jedoch São Paulo. Dort gibt es vegane All-you-can-eat-Buffets, vegetarische Pizzerien und einen Fahrradlieferdienst für Burger. Trotzdem war ihr Lateinamerika-Studien-Studium im grauen Deutschland für etwas gut: Sarah Kaufmann spricht fließend Portugiesisch und Spanisch, was die Suche nach gutem Essen vereinfacht.

Gerade bereist sie Belize und Mexiko. Die perfekten Urlaubsziele, um dem europäischen Wettertrübsal zu entfliehen. Wen das Fernweh packt, kann sich an Kaufmanns Sonntagsessen wärmen, einem veganen Fingerfood-Menü aus der Ferne.

In Deutschland überwintern die Kakteen auf dem Fensterbrett, in Mexiko landen sie auf dem Teller. Den Kaktus mit Namen Nopales findet man vorgekocht im lateinamerikanischen Spezialitätengeschäft. Für den gebratenen Kaktus mit Bohnenpaste werden schwarze Bohnen mit Chili und Chilisoße zu einer Paste verrührt. Nach Geschmack Knoblauch, Kreuzkümmel, Salz und Pfeffer zugeben. Petersilie, Frühlingszwiebel und Walnüsse hacken. Wer möchte, karamellisiert die Nüsse vorher mit etwas Zucker in einer Pfanne. Rote Zwiebel in feine Streifen schneiden. Blutorange filetieren und klein schneiden. Vegane Chorizo in mundgerechte Stücke schneiden und in etwas Fett anbraten. Kaktusblätter abtropfen lassen und beidseitig anbraten. Währenddessen die Bohnenpaste erhitzen. Alles auf einem Teller anrichten und servieren.

Xitomatl ist das aztekische Wort für Tomate. Ursprünglich stammt dieses Nachtschattengewächs aus Mittelamerika, von wo es Ende des 15. Jahrhunderts nach Europa gelangte. Beim Zubereiten eines Quinoa-Riesenbohnen-Salats mit Mango-Coconut-Bacon erinnert einen dieses Wissen daran, mit wie viel Liebe man althergebrachte Zutaten wie die Wildtomate behandeln sollte. Riesenbohnen einweichen und weich kochen. Gepressten Knoblauch in Öl anschwitzen. Salzen, pfeffern und mit den gekochten Bohnen vermengen. Durchziehen lassen. Quinoa kochen und salzen. Radicchio, Avocado, Wildtomaten, Frühlingszwiebel und Mango in Stücke schneiden. Walnüsse nach Wunsch karamellisieren. Aus Sojasoße, flüssigem Raucharoma, Ahornsirup und Wasser eine Marinade rühren. Die Kokoschips darin wälzen und im Ofen backen. Alle Salatzutaten vermischen, mit Dressing beträufeln, den Kokoschips und Nüssen bestreuen und servieren.

Den Durst löschen wir mit einem Maracuja-Goji-Smoothie. Orangen auspressen, den Saft zusammen mit einer Banane und einer vom Kerngehäuse befreiten Birne in einen Mixer geben. Maracujapüree, Gojibeeren und getrocknete Himbeeren zufügen und mixen. Eventuell etwas Wasser zufügen und nochmals mixen.

Sushi haben natürlich nicht die Azteken erfunden, sondern die Japaner. Mit einigen Handgriffen wird daraus ein Snack mit lateinamerikanischen Aromen. Statt Reis verwendet Sarah Quinoa, den sie in Wasser kocht und abtropfen lässt. Mit Zucker und Reisessig mischen. Durch geriebene Rote Bete erhält er seine Farbe. Über die übrigen Zutaten entscheidet der Geschmack. Als Füllung bietet sich etwa Sojageschnetzeltes an, das zunächst in Wasser eingeweicht und dann mit etwas Sojasoße in einer Pfanne angebraten wird. Die übrigen Zutaten – Mango, Avocado, Frühlingszwiebeln, Möhre, Sprossen – in feine Streifen schneiden. Jetzt den Quinoa in Noriblätter füllen, mit den restlichen Zutaten belegen, einrollen und in Stücke schneiden. Mit Wasabi, eingelegtem Ingwer und Sojasoße servieren.

In Spanien genießt man Churros zu jeder Tageszeit zusammen mit einer Tasse heißer Schokolade. In Lateinamerika ist es ein typisches Streetfood, verpackt in einer Papiertüte, noch warm verzehrt. Klassisch kommt dieses Brandteiggebäck ohne tierische Zutaten aus. Margarine mit etwas Wasser in einem Topf aufkochen, salzen, mit einem Schneebesen Mehl einrühren sofort vom Herd nehmen. Den Teig in eine Spritztüte füllen und zu Kringeln formen. Im warmen Zustand geht das leichter. Churros abkühlen lassen, bevor man sie in heißem Fett frittiert. Auf einem Küchenkrepp das überschüssige Fett abtropfen lassen, dann schnell in Puderzucker oder Zimt und Zucker wälzen und sofort servieren. Wer möchte, tunkt die Enden in geschmolzene Kuvertüre. 

Quinoa-Riesenbohnen-Salat mit Mango-Coconut-Bacon © Sarah Kaufmann
Maracuja-Goji-Smoothie © Sarah Kaufmann
Rote-Bete-Sushi © Sarah Kaufmann
Churros © Sarah Kaufmann

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Nopales kann man in unterschiedlicher Form online bestellen.
ZB hier: http://www.mex-al.de/shop...

Tex-Mex Fachhandel ist ja in Deutschland (noch) nicht so verbreitet.
Evtl. findet man im gut sortierten Supermarkt in der Abteilung "Internationale Küche" auch schon Kaktusblätter.
Beim derzeit wachsenden veganen Trend dauert es sicher nicht mehr lange, bis es sowas auch bei ALDI & Co. als Aktionsware gibt.