© Marco Solarino/Paul & George

Aperol Spritz Der Sommer hat nur eine Farbe

Mit Aperol Spritz ist immer gerade Sonnenuntergang am Strand. Wie man noch mehr Dolce Vita ins Glas bekommt, verrät unser Rezept aus der neuen Cocktail-Serie "Absacker". Von
Aus der Serie: Absacker

Ist ein Mojito ein Longdrink? Muss bei einer Margarita immer ein Salzrand ans Glas? Und wie viel Zitrone gehört in einen Whiskey Sour? Unsere Serie "Absacker" beantwortet diese Fragen und verrät Ihnen, wie Sie sich selbst den richtigen Drink für einen perfekten Abend mixen können. Denn hinter jedem Drink verbirgt sich ein Lebensgefühl.

Der Farbton des deutschen Sommers könnte Oriole heißen: ein Flirt zwischen glühendem Orange, kribbelndem Neon und jenem leichten Rotstich, der nach Sonnenbrand aussieht. Der Farbsystem-Konzern Pantone sieht Oriole unter den Trendfarben des Jahres, doch in Deutschland hat das leuchtende Clownfisch-Orange eigentlich immer Saison, denn es ist die Farbe des Aperol Spritz.

Und weil er so beliebt ist, gibt es ihn seit ein paar Jahren überall, auf Straßenfesten, am Baggersee, zum Brunch, als Afterwork-Getränk oder als Sundowner, was schon wegen seines Sonnenuntergangfarbtons hervorragend passt. Man trinkt den Aperol Spritz aus bauchigen Weingläsern, mit Eiswürfeln gekühlt, stets garniert mit einer Orangenscheibe und ein bis zwei schwarzen Strohhalmen. Das von der EU geplante Plastikstrohhalmverbot dürfte also auch an dieser Stelle Auswirkungen haben.

Ursprünglich stammt die Rezeptur aus Norditalien. Besonders die Venezianer mischten ihren Weißwein immer schon gern mit Wasser, woraus sich in den fünfziger Jahren der Spritz (oder Sprizz) entwickelte. Als Aperitif serviert man ihn mit Häppchen wie Wurst, Käse und Oliven oder winzigen Tramezzini. Der Spritz besteht aus Weißwein oder Prosecco, Mineralwasser und einem Schuss Bitter. Das kann der Artischockenlikör Cynar sein, der glutrote Campari oder der hierzulande besonders beliebte, aus Padua stammende Aperol, der unter anderem Rhabarber, Chinarinde, Enzian und Bitterorange enthält.

Aperol Spritz, sagt der Stuttgarter Bartender Marco Solarino, kann man im Sommer ruhig auch schon mittags trinken. © Paul & George

Dass Deutschlands beliebtestes Sommergetränk aus Italien stammt, ist natürlich kein Zufall. Die ganzjährige Sehnsucht nach diesem Land erreicht seit Goethes Italienreisen mit Beginn der Sommerferien ihren Höhepunkt. Wenn es wieder nicht reicht für drei Wochen Adria, dann wenigstens für drei Stunden Strandbar, mit einem Spritz in der Hand.

Noch besser als Oriole passte zur Beschreibung wohl der Farbton Shocking Orange, weil das die Reaktion ist, die Aperol Spritz bei Menschen auslöst, die sich für große Cocktail-Versteher halten. In den meisten gehobenen Bars sucht man ihn vergebens auf der Karte: zu volksnah, zu pseudo-mediterran. Anders sieht das Marco Solarino, Betriebsleiter und Bartender im Stuttgarter Paul & George. "Aperol Spritz ist der perfekte Aperitif  ", sagt der 31-Jährige: "Fruchtig, herb und nicht zu stark, er kann auch mittags schon getrunken werden." 

Seine eigene Version wirkt um eine Nuance erwachsener, so fein wie der Unterschied von einem Pantone-Ton zum nächsten. In seinen Aperoller Highball kommt zusätzlich Orange Cordial, ein Sirup, der sowohl süß als auch säuerlich ist. "Wir kochen ihn selbst ein, aus Zucker, Zitronensaft, frischgepresstem Orangensaft, Nelken, Rosa Pfeffer, Sternanis sowie Schalen von Zitronen, Orangen und Grapefruits", erklärt Solarino. Serviert wird er in einem Longdrinkglas, natürlich ohne Strohhalm.

Aperoller Highball

Zutaten pro Drink:

  • 4 cl Aperol
  • 3 cl Orange Cordial
  • 1 Spritzer Zitrone
  • 10 cl Prosecco

Zubereitung:

Alle Zutaten in ein Longdrinkglas geben. Mit Eiswürfeln füllen und verrühren.

Grundrezept Orange Cordial

Orange Cordial, auch Orange Squash genannt, ist ein Orangen-Sirup. Man kann ihn im Verhältnis 1:5 mit Wasser aufgießen oder in Cocktails verwenden. Es gibt ihn fertig zu kaufen, allerdings ist er mit wenigen Zutaten leicht selbst herzustellen.

  Zutaten:

  • 3 Bio-Orangen
  • 1 Bio-Zitrone
  • 500 ml Liter Wasser
  • 500 g Kristallzucker

Zubereitung:

Die Bio-Orangen und -zitrone heiß abwaschen. Schalen mit einem Sparschäler oder Zestenreißer dünn abschneiden – ohne die weiße Haut, sonst wird der Sirup bitter.

Zitrusfrüchte halbieren, Saft auspressen. Saft, Schalen und Wasser in einem Topf aufkochen, 15 min bei geringer Hitze köcheln lassen. Danach mindestens 8 Stunden bei Zimmertemperatur ziehen lassen.

Durch ein Sieb gießen. Flüssigkeit zusammen mit dem Zucker 5 min kochen lassen. Danach in saubere Glasflaschen abfüllen. Sind sie luftdicht verschlossen, hält sich der Sirup an einem kühlen, dunklen Ort ca. 6 Monate. 




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