© Helvetic Kitchen

St. Galler Klostertorte Backen wie eine Emmentaler Großmutter

Perfekte Rezepte für mysteriöse Käsestücke und die Erkenntnis, dass mit Schokolade alles besser wird: Eine kanadische Patissière fand in der Schweiz ihre Wahlheimat. Von
Aus der Serie: Sonntagsessen

Falls die Schweiz eine Markenbotschafterin braucht: Andie Pilot wäre die ideale Besetzung. Ursprünglich stammt sie aus Kanada, wo sie mit einer Schweizer Mutter und einem italienischen Vater aufwuchs. Entsprechend multikulturell verlief ihre Geschmacksbildung. Seit 2010 lebt sie im Emmental, Heimat des weltberühmten gleichnamigen Käses und, nach Pilots Meinung, ein Paradies, was Lebensmittel angeht: Butter und Milch kommen von einem nahe gelegenen Bauernhof, selbst das Mehl wird in der Nachbarschaft gemahlen. Und dann natürlich der Käse. Wer würde diesen Ort verlassen wollen?

Man sagt der Schweiz ja gerne eine mangelnde Weltoffenheit nach; Andie Pilot kann das nicht bestätigen. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie sich einfach wohlfühlt mit dem, was das Land ihr zu bieten hat. Lieblingsessen der 34-Jährigen sind Käsefondue und ein Wildteller, nur echt mit glasierten Maronen, Preiselbeeren, pochierten Birnen, Rotkohl, Rosenkohl und Spätzli. In ihrem Kühlschrank finden sich, sagt sie, immer Schweizer Schokolade sowie die Zutaten für eine Chäswähe. Das ist die lokale Form einer Quiche und Pilot zufolge "perfekt, um mysteriöse Käsestücke aus den Tiefen des Kühlschranks zu verarbeiten". Auf dem Sonntagsfrühstückstisch stehen bei ihr Birchermüsli und Züpfe, zu Hochdeutsch Butterzopf.

Als ausgebildete Patissière versucht sich Pilot am liebsten an allem, was süß ist – süß und schweizerisch. Die Ergebnisse teilt sie auf ihrem Blog Helvetic Kitchen, stets dem Motto Trial and Errorfolgend, weil auch Profis mal Fehler machen. Am erfolgreichen Ende soll dann aber ein rundum solides Ergebnis stehen: "Ich versuche immer, so zu backen wie eine Emmentaler Großmutter", sagt die 34-Jährige und muss lachen. Und so backt sie für uns etwa eine St. Galler Klostertorte, die Ähnlichkeiten mit einer Linzertorte aufweist. Mit dem Unterschied, dass sie das enthält, was Andie Pilots Wahlheimat besonders gut kann: Schokolade.

 

St. Galler Klostertorte

Zutaten:

  • 200 g Butter, weich
  • 150 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eier (Raumtemperatur)
  • 200 g Mehl
  • 120 gemahlene Mandeln, geröstet
  • 100 g Kakaopulver
  • 1 TL Backpulver
  • 1 TL Zimt
  • 300 g Himbeermarmelade, auf Wunsch mit Schnaps verfeinert
  • optional 1 Ei für die Glasur

Zubereitung:

Eine Backform von 26 Zentimetern mit Backpapier auslegen. 

In einer großen Schüssel Butter mit Zucker und Salz schaumig schlagen, bis die Mischung fluffig und blass ist. Eier zugeben und weiter gut verrühren. 

In einer zweiten Schüssel Mehl mit Mandeln, Kakaopulver, Backpulver und Salz vermischen. Die zuvor vermengten feuchten Zutaten zugeben und so lange verrühren, bis sich alles verbindet.

Zu einer Kugel formen und in Plastik gepackt mindestens eine Stunde kalt stellen.

Aus dem Kühlschrank nehmen und zwei Drittel des Teigs auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem Kreis ausrollen. Auf den Boden der Kuchenform legen. Sollten Risse auftauchen, diese mit Teig füllen.

Einen Rand hochziehen, dabei ein wenig Teig für die Dekoration aufbewahren. Jetzt die Marmelade auf der Torte verstreichen. Mit dem restlichen Teig die Torte verzieren, zum Beispiel in Gitterform. Wer mag, bestreicht den Rand und die Dekoration mit einem verquirlten Ei.

Bei 180 Grad 45 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen, wenn die Marmelade zu blubbern beginnt.

Gefüllt mit karamellisierten Walnüssen: die Engadiner Nusstorte © Helvetic Kitchen

Nicht nur die Klostertorte aus St. Gallen, auch die Engadiner Nusstorte oder Turta da Nuschs steht zu ihrer regionalen Herkunft, die in diesem Fall im Kanton Graubünden liegt. Vermutlich stammt das Rezept von den Engadiner Zuckerbäckern, jungen Männern, die im Ausland Geld erwirtschafteten, um ihren Familien aus der Armut zu helfen.

Wegen der geraspelten Karotten darin fühlt sich die Rüblitorte immer sehr gesund an. © Helvetic Kitchen

Andie Pilot nennt zwei Länder ihre Heimat und kann daher trefflich vergleichen – zum Beispiel kanadischen Carrot Cake und Schweizer Rüblitorte. Der Carrot Cake sei viel saftiger, "weil er Apfelmus oder Dosenananas enthält", erklärt Pilot. "Aromatisiert wird er mit Walnüssen oder Pekannüssen. Nicht zu vergessen das reichhaltige Frosting, das ein Gegengewicht zur würzigen Süße des Kuchens bildet." Klar aber, dass sie sich allen Vorzügen des kanadischen Konkurrenten zum Trotz an die Gegebenheiten ihrer Wahlheimat anpasst. Denn dort ist vielleicht manches anders, aber nicht schlechter: Die Schweizer Version schmeckt erdiger, statt eines Frostings wird sie mit Zitronensaft oder Puderzucker glasiert.

Damit die Glarner Pastete saftig wird, werden die Trockenpflaumen für die Füllung in schwarzem Tee eingeweicht. © Helvetic Kitchen

Wer nun immer noch nicht satt ist, hat vielleicht Lust auf eine Pastete. Natürlich ist die bei Pilot süß – und durchaus etwas für Vegetarier: Statt mit Fleisch wird die Glarner Pastete, eine Spezialität des Schweizer Kantons Glarus, jeweils zur Hälfte mit getrockneten Pflaumen und Marzipan gefüllt.

Dieser Kuchen ist das Gegenteil von fluffig, aber die "Maisturtä" mit Polenta macht dafür tröstlich satt. © Helvetic Kitchen

Zum Schluss noch etwas anderes mit einem herzhaften Klang – ein Polenta-Kuchen. Hauptsächlich besteht die aus dem Kanton Nidwalden stammende Maisturtä aus Maisgrieß, aber auch Äpfel und Rosinen kommen vor. Das Rezept stammt von der berühmten Schweizer Kochbuchautorin Marianne Kaltenbach, die Pilots großes Vorbild ist.

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Schlagwörter: " Ernährung Schweiz Schokolade Kanada"

Sind solche Rezeptartikel aus dem 'befreundeten Westen' inklusive Übersetzung eigentlich besonders preisgünstig zu veröffentlichen ?

Ich habe nix gegen Ahornsirup und Cranberries, außer ich muß sie essen.

Mit viel Zeit und Aufwand zubereitetes Essen auf Sperrmüllgeschirr abzufotografieren erscheint mir auch wenig appetitlich.

Ich denke, es wäre vielleicht für viele Leser doch weitaus interessanter,
Kochideen und Rezepte aus unserer Heimat und von unseren europäischen Nachbarn zu
lesen und nachvollziehbar zu machen.

Warum zum Beispiel bekommt kein deutscher Bäcker ein Baguette hin ?
Wieso ist die gebratene Ente beim Vietnamesenimbiss so besonders knusprig und lecker ?
Wie bäckt man einen würzigen Karpfen ohne ekligen Sumpfgeschmack ?
Kennt eigentlich noch jemand 'saure Eier', 'Dicke Bohnen'und 'Grünkohl' ?
Was ist mit der badischen Schneggasupp ?
Wie hängt man ohne Furcht vor Mindesthalbarkeitsdaten eine Scheibe Rindfleisch ab ?
Wie schmecken verschiedene Kartoffelsorten ?

usw. usf.

P.S.:
Ich hätte nichtss dagegen, wenn kanadisches Elchfleisch hier angeboten werden würde.
Auch der amrikanische Bison hat ein eigenes Aroma.
Aber das wäre mir dann doch eine exotische Spezialität
und ich würde es ganz sicher nicht auf solchem Sperrmüllgeschirr servieren.