© Eva Bieringer für ZEIT ONLINE

Gin Basil Smash Erst zerstoßen, dann geschüttelt

Von Deutschland aus hat der Gin Basil Smash die Welt erobert. Denn selbst im Winter wirkt die Kombination aus Basilikum- und Wacholderaromen geradezu elektrisierend. Von
Aus der Serie: Absacker

Ist ein Mojito ein Longdrink? Muss bei einer Margarita immer ein Salzrand ans Glas? Und wie viel Zitrone gehört in einen Whiskey Sour? Unsere Serie "Absacker" beantwortet diese Fragen und verrät Ihnen, wie Sie sich selbst den richtigen Drink für einen perfekten Abend mixen können. Denn hinter jedem Drink verbirgt sich ein Lebensgefühl.


Womit stößt man auf den zehnjährigen Geburtstag eines Cocktails an? Am besten mit dem Cocktail selbst. Denkbar einfach ist die Zubereitung eines Gin Basil Smashs. Man benötigt dazu eine Gin-Sorte mit zurückhaltendem Wacholderaroma, Zuckersirup, Zitronensaft und Basilikum. Die Wurzeln des Cocktails liegen im 19. Jahrhundert, damals bezeichneten Smashs (von smash, zerstoßen) mit Zucker, Wasser und Minze vermischte Spirituosen. In den USA waren lediglich drei Variationen bekannt: eine mit Gin, eine mit Brandy und eine mit Whiskey. Ende des 20. Jahrhunderts experimentierten einige Barkeeper mit Smashs, fügten etwa frische Zitrone hinzu und ersetzten Minze durch andere Kräuter.

Im Jahr 2008 kamen zwei Männer unabhängig voneinander auf die Idee, den mittlerweile etwas in Vergessenheit geratenen Smash mit Basilikum aufzupeppen. Etwas schneller war dem Barkulturmagazin Mixology zufolge Hariolf Sproll, Betreiber der Ulmer Bar Blaupause. Nach einem Versuch mit Whiskey habe er Gin mit dessen komplexen botanischen Aromen ideal für die Kombination mit Basilikum befunden. Nur wenige Wochen später, im Juli 2008, servierte Jörg Meyer den Gästen seiner erst kurz zuvor in Hamburg eröffneten Bar Le Lion ebenfalls ein grünliches Getränk im Cuisine Style, also mit einer Zutat, die normalerweise auf dem Teller liegt, nicht im Glas.

"Während eines Aufenthalts in New York habe ich so viel Whiskey Smash Bourbon getrunken, dass man beinahe von einer Vergiftung sprechen kann", sagt Meyer. "Das war ein klassischer Sour, aromatisiert mit frischer Minze." Zurück in Hamburg suchte er nach einem Sommerdrink für die eigene Bar. Im Kühlhaus des gegenüberliegenden Café Paris entdeckte Meyer einen Bund frisches Basilikum: "Warum, dachte ich mir, nicht einen Smash daraus machen?" Erst hieß der Cocktail Gin Pesto, später wurde daraus Gin Basil Smash. Von Deutschland aus ging der Drink um die Welt, auch weil Meyer in dieser Zeit ein Blog betrieb und sich als geschickt erwies im Umgang mit sozialen Medien. Fünf Jahre später entwickelte er für seine zweite, ebenfalls in Hamburg gelegene Bar Boilerman eine Highball-Version mit Soda, die, dem Namen entsprechend, im Longdrink-Glas serviert wird.

Hariolf Sproll, Betreiber der Ulmer Bar Blaupause, war laut dem Magazin "Mixology" der erste, der einen Gin Basil Smash kreierte. © privat

Heute ist der Gin Basil Smash offizieller Signature Drink des Le Lion. Von Frühling bis Herbst wird er rund 1.400 Mal bestellt und macht selbst im Winter etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. "Manchmal schicken mir Stammgäste Fotos von Reisen, auf denen sie Gin Basil Smash getrunken haben", sagt Meyer. Hongkong, London, Singapur, überall wird sein Hausdrink serviert, besonders beliebt ist er in Griechenland und Russland. Er gilt als moderner Klassiker, was wiederum zu Neuinterpretationen anderer Barkeeperinnen und Barkeeper führt. Manche tauschen Gin gegen eine andere Spirituose wie Cachaça aus oder geben Eiweiß dazu. Mit Thaibasilikum bekommt der Gin Basil Smash eine exotische Note, mit rotem Basilikum wird er lila, was für Irritation sorgt, weil Farbe und Geruch nicht zusammenpassen.

Schützen lassen hat Meyer seine Kreation übrigens nicht, da unklar bleibt, ob nicht Hariolf Sproll in seiner Bar in der süddeutschen Provinz ein klein wenig schneller war. Sproll nimmt die Sache locker: "Jörg Meyer und ich haben einen ähnlichen Stil, kein Wunder, dass wir etwa zeitgleich auf dieselbe Idee kamen. Seine Bar ist im Norden, meine ganz im Süden. Passt schon." Auch Meyer bleibt entspannt: "Sicher hatten noch andere die gleiche Idee. Ist ja kein Hexenwerk." 

Rezept für Gin Basil Smash

Zutaten:

  • eine Handvoll Basilikum, inklusive Stiele
  • 6–7 cl Gin, zum Beispiel Rutte Dry Gin
  • 3 cl frischer Zitronenensaft
  • 2 cl Monin-Rohrzuckersirup

Zubereitung:

Basilikum kräftig in einem Shaker zerdrücken. Mit Eiswürfeln, Gin, Zuckersirup und Zitronensaft auffüllen. Gut schütteln und zweimal durch einen Strainer in den vorbereiteten Tumbler füllen. Mit einem Basilikumblatt garnieren.

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