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Hook Punch Nimm fünf

In den Punsch gehören fünf Zutaten: Zucker, Zitrone, Gewürze, Tee und Arrak bilden das ideale Partygetränk. Diese Variante ist raffinierter – und trügerisch fruchtig. Von
Aus der Serie: Absacker

Ist ein Mojito ein Longdrink? Muss bei einer Margarita immer ein Salzrand ans Glas? Und wie viel Zitrone gehört in einen Whiskey Sour? Unsere Serie "Absacker" beantwortet diese Fragen und verrät Ihnen, wie Sie sich selbst den richtigen Drink für einen perfekten Abend mixen können. Denn hinter jedem Drink verbirgt sich ein Lebensgefühl.

Wer hätte gedacht, dass Friedrich Schiller seine Küchenfertigkeiten in einem Gedicht zum Ausdruck bringt? "Vier Elemente/ Innig gesellt/ Bilden das Leben/ Bauen die Welt." So beginnt sein 1803 verfasstes Punschlied, es folgt eine Art lyrisches Rezept, inklusive Zitronenauspressen. Worum es geht, weiß jeder, der schon einmal einen österreichischen Weihnachtsmarkt besucht hat. Dort ist Punsch in all seinen Variationen – von Bratapfel über Maroni bis hin zu Kokos – beliebter als Glühwein.

Moment, werden einige fragen, ist das eine nicht die alkoholfreie Version des anderen? Nein. Letzterer ist ein mit Gewürzen verfeinerter Rot- oder Weißwein, alkoholfrei gibt es ihn als Kinderpunsch auf Früchteteebasis oder als sogenannten Autofahrerpunsch mit Schwarztee. Der Punsch hingegen blickt auf eine wesentlich ältere Geschichte zurück. Seinem Namen entsprechend bezeichnet pañca (Sanskrit für fünf) ein Getränk aus fünf Inhaltsstoffen: Zucker, Zitronensaft, Gewürze, die Wasser oder Tee aromatisieren, und natürlich Alkohol – Brandy, Rum oder die Reis-Zuckerrohr-Spirituose Arrak.

Der Barkeeper Sven Riebel am Ort seines Wirkens © Daniel Staub

Angehörige der British East India Company importierten das Getränk im frühen 17. Jahrhundert als punch in ihre Heimat. Von dort gelangte es einige Jahre später nach Deutschland. Jetzt mit des Zuckers / Linderndem Saft / Zähmet die herbe / Brennende Kraft! An dieser Stelle des Punschlieds wird bereits deutlich, dass man nach dem Konsum einiger Gläser das Auto besser stehen lässt (zu Schillers Zeiten die Kutsche).

Der Dichter war mit seiner Punschliebe in guter Gesellschaft. So ließ der Schriftsteller E. T. A. Hoffmann den Protagonisten seiner Novelle Der goldne Topf einen "köstlichen Punsch" genießen. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts war es üblich, mit einem Silvesterpunsch das neue Jahr zu begießen. In Österreich wurde das Getränk vor allem durch Mozart populär, der es 1764 als Souvenir einer Englandreise nach Salzburg brachte.

Auf deutschen Weihnachtsmärkten findet man gelegentlich Eierpunsch und den aus Tee und Korn gewonnenen Friesenpunsch. Auch die durch den gleichnamigen Film mit Heinz Rühmann zu Berühmtheit gelangte Feuerzangenbowle ist genau genommen ein Punsch. Ihrem Namen zufolge tropft ein mit Strohrum durchtränkter, entzündeter Zuckerhut von einer Feuerzange in gewürzten Rotwein. Das schmeckt nicht nur gut, sondern sieht auch hübsch aus.

Klassischerweise ist der Punch ein Partygetränk, zubereitet in großen Schüsseln, den sogenannten Punch Bowls. Somit passt er perfekt zu den kommenden Feiertagen, die sich wesentlich angenehmer mit einem kleinen Schwips durchleben lassen. Wer genau hinsieht, entdeckt ihn allerdings auch auf klassischen Cocktailkarten, etwa als Pimm’s Cup, bestehend aus dem gleichnamigen Ginlikör und Limonade, oder Planter’s Punch.

Eine Bar, die dem Punch besonders viel Aufmerksamkeit widmet, ist das Seven Swans & The Tiny Cups in Frankfurt am Main. Dort haben die beiden Bartender Sven Riebel und Jens Seidl den Hook Punch entwickelt, ein winterliches Getränk, dessen Eleganz neben jedem Weihnachtsbaum besteht. "Ihrem Wesen nach sind Punches sogenannte Premixes, die in Schüsseln vorbereitet werden, aus denen sich alle gleichzeitig bedienen können", erklärt Riebel. "Besonders gerne nutzen wir sie für Caterings, die schnellen Service voraussetzen. In gekühlter Form sind sie locker eine Woche lang haltbar."

Serviert wird der Hook Punch ebenfalls gekühlt, was Schiller vermutlich nicht gutgeheißen hätte, heißt es doch am Ende seines Gedichts: "Eh es verdüftet/ Schöpfet es schnell/ Nur wenn er glühet/ Labet der Quell." Aber der war ja auch nur leidenschaftlicher Laie.

Rezept für Hook Punch

Zutaten für etwa 50 Portionen:
1,7 l dunkler Rum, zum Beispiel Zacapa 23
300 ml Giffard's Caribbean Pineapple Liqueur
680 ml Orange Sherbet
680 ml frischer Limettensaft
1 l frischer Ananassaft
1 l Cold Brew Coffee aus nussiger Röstung
410 ml Cynar
410 ml Demerara Simple Syrup (Zuckersirup, bei Bedarf mehr)

Für den Orange Sherbet:

  • Zeste von 3 Bio-Orangen
  • 500 g Zucker
  • 500 ml frischer Orangensaft

Außerdem:
getrocknete Ananasscheiben
essbare Blüten

Zubereitung:

Für den Orange Sherbet Orangenzeste in Zucker wälzen und 24 Stunden stehen lassen. Orangensaft leicht erhitzen – auf nicht mehr als 60 Grad – und den Orangenzucker darin auflösen. Orangenschalen abseihen.

Ananassaft gegebenenfalls süßen. Alle Zutaten in einen großen Behälter geben und gut verrühren. Gegebenenfalls mit mehr Simple Syrup nachsüßen, dann in Glasflaschen abfüllen.

Pro Portion 150 ml der Mischung in einen Shaker geben und gut schütteln. In einen mit einem großen Eiswürfel gefüllten Tumbler geben und mit getrockneten Ananasscheiben und essbaren Blüten dekoriert servieren.

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