Big Vegan TS: Kommt ein Veganer zu McDonald's ...

© McDonald's
Kein Witz: Der Burgeranbieter hat seinen ersten veganen Burger auf den Markt gebracht. Aber gehen Veganer da essen, wo nebenan das tote Rind brutzelt? Ein Kommentar von

Manche Foodtrends klingen wie ein Witz, aber vielleicht haben wir auch nur ein Problem mit der Pointe. Also. McDonald's hat seinen ersten veganen Burger auf den Markt gebracht. Den Big Vegan TS gibt es nun hierzulande in den gut anderthalbtausend Filialen, und die Tierrechtsorganisation Peta findet das gut – es sei, so schreibt sie auf ihrem Blog, auch ein Schritt in die richtige Richtung, vegane Produkte von unveganen Firmen zu kaufen. Sollen wir das ebenfalls gut finden? Geht so. Die Vorstellung von einem Veganer, der sein Mittagessen da kauft, wo der Geruch von totem Tier in der Luft hängt, ist eher geeignet, um Mitleid zu erregen. Da hilft auch die Versicherung des Konzerns wenig, die Zubereitung von fleischlichem und pflanzlichem Burger erfolge garantiert getrennt. Der aus Rind liegt auf den Rost, der auf Soja- und Weizenbasis kommt für die Zubereitung dahin, wo die Pommes sind: in die Fritteuse.

Der vegane Burger beim Burgerbrater ist natürlich eine genauso rätselhafte Erscheinung wie die vegane Fleischwurst von Wiesenhof oder der vegane Schinkenspicker von der Rügenwalder Mühle. Was denn nun, Tiere töten und dann essen? Oder dagegen sein, dass man Tiere tötet und aufisst? Muss ein Unternehmen nicht ein Problem mit seiner credibility haben, wenn es beides macht? Schließlich ist ein bisschen Tiere töten ja immer noch Tiere töten. Nur scheint das heute für ein Unternehmen ebenso wenig eine Gewissensfrage zu sein wie für einen neuen Typus der Verbraucherin und des Verbrauchers. Denn McDonald's spricht ja mit seinem neuen Angebot nicht nur ausgehungerte Veganer an der Autobahnraststätte an, die vergebens nach einer Quinoa-Bowl suchen. Die interessantere Zielgruppe sind nämlich die vielen unentschiedenen Esser, die gern die Welt verbessern würden, sich dafür aber nicht unbedingt anstrengen möchten und sich wegen dieser Schwankungen in der Wesensart gern wohlklingend als Flexitarier deklarieren. Ihre Rede handelt davon, den Fleischkonsum verringern und nur noch hochwertige Erzeugnisse aus dem Bioladen erwerben zu wollen, dem Tierwohl zuliebe.


Eine Bratwurst will schließlich auch keine Biomöhre sein.

Fragt sich nur, ob der flexitarische Mensch sich mit den gelegentlichen Anstrengungen selbst überzeugen kann. Und ob er sich mit den tierfreien Alternativen zur Bratwurst und zum Bratenstück etwas Gutes tut. Man muss nicht gleich zu schlichten Schlachtereislogans zurückkehren, die Fleisch als ein Stück Lebenskraft gepriesen haben, mit einem lachenden Schweinchen mit Schürze auf dem Werbeaufsteller. Aber der vegane Burger hat leider einen entscheidenden Nachteil: Er ist ein Laborprodukt und ein hochverarbeitetes Lebensmittel, wie man an den Ingredienzien merkt.

Ist schon gut, dass man nur das Produkt und nicht sämtliche Zutaten einzeln bestellen muss. Beim herkömmlichen Burger-Patty wäre man schnell fertig: Das geplättete Hacksteak besteht aus 100 Prozent Rindfleisch. Im veganen Patty, den McDonald’s von der Nestlé-Tochter Garden Gourmet bezieht, befinden sich: Wasser, Sojaeiweißkonzentrat, Pflanzenöle (Raps, Kokos), Weizeneiweiß, Speiseessig, natürliche Aromen, Knoblauchpulver, Pflanzenkonzentrate (Rote Bete, Karotte, Paprika), Salz, Gerstenmalzextrakt, schwarzer Pfeffer, Spirulinakonzentrat und Methycellulose. Letzteres dient als Stabilisator und ist im Grunde baugleich mit Tapetenkleister.

Und die Rote Bete ist nicht unbedingt drin, um den Geschmack zu erden, sondern um den Fleischimitat-Effekt zu dramatisieren. Denn alle Firmen, die an solchen Produkten arbeiten – neben Garden Gourmet auch Beyond Meat und Impossible in den USA – wollen erreichen, dass der Burger tatsächlich aussieht wie gegrilltes Hack: schön rosig und saftig, als würde Blut aus den Fasern sickern. Das ist eigentlich nur Zellflüssigkeit, aber ist es nicht trotzdem zu brutal, gegenüber Veganern von heraussickernden, blutig aussehenden Flüssigkeiten zu reden? Wohl nicht, denn vegane Alternativen haben sich nicht nur ihre Erscheinungsform von den Fleischfresserprodukten geliehen, sondern auch ihre Namen. Die Würstchen und die Wurst sind geblieben, und der Hackbraten ebenso. Das Blut ohne tierisches Myoglobin heißt nun eben Pflanzenblut.

Man könnte Pflanzen doch auch einfach, so ganz basic, essen, ohne sie zum Bluten zu bringen – indem man ihnen jegliche Gestaltwandlung erspart. Eine Bratwurst will schließlich auch keine Biomöhre sein.

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