© Daniel Esswein

Old Fashioned: Ganz schön fetter Cocktail

Der Old Fashioned gilt als König der Cocktails. Doch auch Institutionen brauchen mal ein Update. Aus Japan kommt eine Variante des Whiskey-Drinks mit Matcha-Bitter. Von
Aus der Serie: Absacker

Ist ein Mojito ein Longdrink? Muss bei einer Margarita immer ein Salzrand ans Glas? Und wie viel Zitrone gehört in einen Whiskey Sour? Unsere Serie "Absacker" beantwortet diese Fragen und verrät Ihnen, wie Sie sich selbst den richtigen Drink für einen perfekten Abend mixen können. Denn hinter jedem Drink verbirgt sich ein Lebensgefühl.

Mit dem Trend zu gehen kann anstrengend sein. Eben noch tranken hierzulande nur Liebhaber exotische Gin-Sorten, jetzt wird man selbst im Biergarten gefragt, welche Marke man in sein Tonic haben will. Vor nicht allzu langer Zeit wusste niemand außerhalb Italiens, was ein Negroni ist, heute ist er so geläufig wie Aperol Spritz.

Und wie kann es sein, dass bunte Schirmchencocktails plötzlich wieder angesagt sind? Selbst nüchtern fällt der Durchblick schwer. Mit Cocktailklassikern wie einem Old Fashioned hingegen liegt man immer richtig. Seine Zusammensetzung ist denkbar simpel: Bourbon oder Rye Whiskey, Zucker, Bitter, Eis. 

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Spirituosen in Form von slings getrunken, also gemischt mit Wasser und Zucker. Durch Zugabe von Bitter wurden daraus Cocktails. Eine Zeit lang war der Begriff gleichbedeutend mit einem Whiskey-Cocktail. Schon während der Prohibition erfreute er sich großer Beliebtheit. Einerseits weil viele der schwarz gebrannten Spirituosen ohne Zuckerzugabe nicht genießbar waren, andererseits weil Bitter weiterhin verkauft werden durften. Je größer das Angebot an alkoholischen Mischgetränken wurde, desto mehr führte der Begriff Cocktail aber in die Irre. Wer ihn klassisch wollte, bestellte old fashioned, auf die althergebrachte Art.

Cihan Anadologlu hinter dem Tresen seiner Münchner Bar Circle. © The Circle Bar

Nachträgliche Modernisierungsversuche hat er unbeschadet überstanden. Höchstens wird statt Würfel- auch Puderzucker oder ein alternatives Süßungsmittel wie Honig oder Ahornsirup verwendet. Früchte haben nichts darin verloren, mit Ausnahme einer Orangen- oder Zitronenzeste. Dass der Old Fashioned wieder in Mode ist, hat viel mit Don Draper zu tun. Die Hauptfigur der Retroserie Mad Men hat, neben großen Autos und kurzweiligen Affären, vor allem eine Vorliebe für starke Drinks.

Schon vor Mad Men galt der Old Fashioned aufgrund seiner Schnörkellosigkeit und seines hohen Alkoholgehalts als ein Männergetränk. Was ungefähr so haltbar ist wie die These, dass Frauen nicht gut im Cocktailmixen sind. Keiner weiß das besser als Cihan Anadologlu, hinter dessen Tresen ausschließlich Frauen stehen. Der 37-Jährige hat schon bei Charles Schumann, in New York, London und Hongkong gearbeitet und auch in Tokio, wo es ihm besonders gut gefallen hat. Folglich ist auch das Konzept seiner Münchner Bar Circle japanisch beeinflusst. 

"Der Old Fashioned ist für mich der König der Cocktails", sagt Anadologlu. Auf seiner Karte findet man den Drink neu interpretiert als Japanese Old Fashioned. Dafür wird japanischer Whiskey mit Koberindfett versetzt – man spricht etwas gewöhnungsbedürftig von fatwashing. Hinzu kommen selbst gemachte Matcha-Bitter und Togarashi-Sirup, der auf einer Gewürzmischung aus dem Asialaden basiert. Von einem altmodischen Getränk kann hier natürlich keine Rede mehr sein. Von einem anstrengenden Trend aber auch nicht.

Rezept für Japanese Old Fashioned

Zutaten:

  • 6 cl fatwashed Whiskey
  • 1 cl Togarashi-Sirup
  • 3 Spritzer Matcha-Bitter

Für die Garnitur:
getrocknete Orangenscheibe

Für den fatwashed Whiskey:
1 l Nikka Whiskey
50 g Koberindfett

Für den Togarashi-Sirup:
15 g Togarashi-Pulver
500 g Zucker

Für den Matcha-Bitter:
0,7 l Angostura-Bitter
5 TL Matcha-Bitter

Zubereitung:

Für den fatwashed Whiskey Koberindfett in einem Topf erhitzen und zusammen mit Whiskey in ein verschließbares Gefäß geben. 24 Stunden ins Gefrierfach geben. Anschließend Fett abschöpfen, filtern und in eine saubere Flasche füllen.

Für den Sirup Zucker in 500 Milliliter heißem Wasser auflösen. Togarashi-Pulver zugeben und 20 Minuten ziehen lassen, dann abseihen und kaltstellen.

Für den Matcha-Bitter Angostura-Bitter mit Matcha-Bitter aufkochen, filtern und in eine saubere Flasche füllen. Bis zur weiteren Verwendung kaltstellen.

Alle Zutaten in ein Glas geben und 10 Sekunden lang kalt rühren. In einen kalten Tumbler auf Eis abseihen. Mit getrockneter Orangenscheibe dekorieren und servieren.

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