© Sembo Amirpour

Sazerac: In einem Zug

Erst mal Tee trinken? Nein, man kann die Blätter auch in Bourbon ziehen lassen. Mit dieser Infusion lässt sich der Sazerac, ein Cocktailveteran, zeitgemäß remixen. Von
Aus der Serie: Absacker

Ist ein Mojito ein Longdrink? Muss bei einer Margarita immer ein Salzrand ans Glas? Und wie viel Zitrone gehört in einen Whiskey Sour? Unsere Serie "Absacker" beantwortet diese Fragen und verrät Ihnen, wie Sie sich selbst den richtigen Drink für einen perfekten Abend mixen können. Denn hinter jedem Drink verbirgt sich ein Lebensgefühl.

Auf der Suche nach einem ordentlichen Drink? Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Heute sieht man in manchen Städten Bars, die von ihrer Einrichtung her an Apotheken erinnern, inklusive alter Glasflakons und sachlich beschrifteter Holzschubladen. Alles bloß Dekoration! Oder aber eine Reise zurück in die Zeit, als Cocktails wie Arznei getrunken wurden. So hat beispielsweise Antoine Amedée Peychaud aus seiner Heimat Haiti das Rezept eines Bitters mit nach New Orleans gebracht und verkaufte ihn, vermischt mit Brandy und Zuckersirup, den Kundinnen und Kunden seiner Apotheke – als "Medizin gegen Unwohlsein". In den 1830er-Jahren fand diese Mixtur den Weg in die Coffee Houses genannten Bars der Südstaatenmetropole, so auch ins Sazerac Coffee House. Dort kombinierte man Peychauds Bitter mit Brandy der Marke Sazerac de Forge et Fils und verhalf dem Drink so zu seinem Namen. Das Ergebnis war so beliebt, dass es Ende des 19. Jahrhunderts als Pre-Mix, fertig abgefüllt in Flaschen, angeboten wurde. Werbeanzeigen aus dieser Zeit raten "müden Frauen": "Nach einem langen Tag voller anstrengender Einkäufe wird er Ihnen neues Leben einhauchen. Ihren endlosen Haushaltssorgen bereitet der Sazerac ein sicheres Ende." Der ursprünglich enthaltene Weinbrand war in dieser Ära durch Rye Whiskey ersetzt worden, denn die Reblausplage in Europa hatte große Teile der Anbauflächen vernichtet.

Manche behaupten, dass der Sazerac der erste Cocktail der Welt sei: Das Gefäß, in dem Peychaud seine Mixtur servierte – es sieht aus wie ein überdimensionierter Eierbecher –, heißt im Französischen coquetier. Daraus sei in amerikanischer Aussprache dann der Cocktail geworden. Und der Sazerac wurde zu einem Markenzeichen der Stadt New Orleans.

Im Prinzip handelt es sich um eine Variante des Old Fashioned, mit einem entscheidenden Detail: Das zum Servieren benutzte Glas wird mit Absinth benetzt oder ausgeschwenkt. Allerdings nicht in der Variation von Sembo Amirpour. Er ist Mitgründer der Bonner Bar The Old Jacob, deren dunkle Wände und Vintage-Wandlampen weniger an eine Apotheke als ein viktorianisches Herrenhaus erinnern. Und er wurde dieses Jahr vom internationalen Cocktailwettbewerb World Class zum besten Bartender Deutschlands gewählt.

Amirpours Sazerac-Variante hat wenig vom Original: Statt Brandy kommt ein teeinfusionierter Bourbon zum Einsatz, der Zuckersirup wird mit Feige und Zimt verfeinert und selbst der Bitter muss nicht zwangsläufig ein Peychaud sein. Der 33-Jährige erklärt: "Durch seine orientalischen Aromen wird der Murder on the Orient Express angenehm frisch und fruchtig. Trotzdem bleibt das Original erkennbar." Und was ist aus dem Absinth geworden? Nichts, dafür werden getrocknete Orange und geräucherter Sternanis hinzugefügt. Medizin kann dieser Murder on the Orient Express trotzdem sein.

Murder on the Orient Express

Zutaten:

  • 60 ml teeinfusierter Bourbon
  • 10 ml Feigen-Zimt-Sirup
  • 2 Spritzer Old Fashioned Bitters

Für den teeinfusionierten Bourbon:

  • 700 ml Bulleit Bourbon
  • 30 g Tee Arabische Nacht von TeeGschwendner (Mischung aus Grün- und Schwarztee, aromatisiert mit Rosen- und Ringelbumenblüten)

Für den Feigen-Zimt-Sirup:

  • 250 g frische Feigen
  • 750 ml Wasser
  • 3 Zimtstangen
  • 750 g Demerara-Zucker (Rohrzucker)

Außerdem:

  • getrocknete Orange
  • Sternanis

Zubereitung:

Für den teeinfusionierten Bourbon Tee eine Stunde lang in Bourbon ziehen lassen, anschließend filtern.

Für den Feigen-Zimt-Sirup Feigen in Butter anbraten, dann mit Wasser ablöschen. Zimtstangen zufügen und auf 500 Milliliter einkochen lassen, das dauert etwa 10 Minuten. Anschließend fein filtern. Zucker zugeben, gut verrühren und nochmals aufkochen lassen. Abkühlen lassen.

Sternanis flambieren. Alle Zutaten in ein Mixglas geben und 20 bis 30 Sekunden lang mit viel Eis kaltrühren. Anschließend in ein mit einem Eiswürfel gefülltes Double-Old-Fashioned-Glas eingießen. Mit Sternanis und Orange garnieren und servieren.

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