Gesellschaftskritik Ärger ums Oberstübchen

© Andrew Winning/Reuters
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Kate Middleton und Prinz William haben ihren Landsitz renoviert, das Backsteinhaus Anmer Hall. Man redet ja gerne darüber, was man an der Datsche hat richten lassen. Und es gibt an solchen Häusern ja immer etwas zu tun. Für royale Verhältnisse ist Anmer Hall eine Art Gartenhütte, das Haus hat zehn Zimmer. Kate und William haben folgende Baumaßnahmen durchführen lassen: Die Küche wurde um einen Wintergarten erweitert. In ein ehemaliges Holzlager wurde ein separates Wohnzimmer für den Empfang von Gästen eingerichtet. Und der Parkplatz ist ebenfalls vergrößert worden. Schlagzeilen machen aber vor allem die Kosten des Umbaus: 1,8 Millionen Euro. Die britische Presse sagt, Kate habe das Anwesen in einen Palast umgebaut.

Die Debatte um Anmer Hall zeigt vor allem, dass die Monarchie im Schrebergarten angekommen ist. Man blicke zum Vergleich nur einmal zurück darauf, wie die Vorgänger von Kate und William an gleicher Stelle vorgegangen waren.

Anmer Hall steht auf demselben Grundstück wie der Landsitz der Queen, Sandringham House, wo die königliche Familie stets die Weihnachtstage verbringt. Königin Victoria hatte die Sandringham Hall im Jahr 1862 für ihren Sohn, den späteren König Eduard VII., gekauft. Der fand das im 18. Jahrhundert erbaute Schloss etwas zu klein und ließ es kurzerhand abreißen. Man errichtete ein neues Schloss, das Sandringham House, für damalige Verhältnisse ein Hightech-Bau. Es gab darin Toiletten mit fließendem Wasser und Gasbeleuchtung, sogar eine frühe Form der Dusche hatte sich der König einbauen lassen.

Hätten Kate und William sich ähnlich verhalten, hätten sie Anmer Hall kurzerhand planiert und sich ein Anwesen mit eigenem Thermalbad, Atomkraftwerk und Bahnhof für den königlichen Zug hingestellt. Stattdessen haben sie von einem Gärtner die Rasenfläche vor dem Haus verschönern lassen.

Nun ist die Tatsache, dass Könige sich aufs Land begeben, meist ein Zeichen von bedrängtem Reichtum. Die preußische Königin Luise bezog mit ihrem Gatten Friedrich Wilhelm III. einst ein einfaches Landhaus in Paretz nahe Potsdam, um angesichts der französischen Revolution nicht als prunksüchtig zu erscheinen. Damals mag das noch funktioniert haben. 

Heute aber gibt es schon Probleme, wenn ein Prinzenpaar ein neues Dach will. Das Dach der Anmer Hall ist seit dem königlichen Eingriff nicht mehr mit schiefergrauen Schindeln gedeckt. Es leuchtet nun ziegelrot. Von echten Ziegeln. Dieser Akt royaler Dekadenz ist bei der Nachbarschaft sofort negativ aufgefallen. Man fürchtet, das Paar vernachlässige den Denkmalschutz. Angemessener wäre offenbar, bei Königs würde es reinregnen.

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Ach Gottchen, 1.8 Mio, - ein Schnäppchen. Der bürgerliche Hoeneß hat 28 Mio dem Fiskus entzogen und der Skandal war Kleiner. Von den 1.800.000 Ocken haben zumindest ein Paar Handwerker was verdient und einen Wert geschaffen. Für die hinterzogenen Steuern von Herrn H. (nur mal so als Bsp) aber haben Leute die davon etwas haben könnten etws nicht gekriegt. Für mich ist das der Unterschied, den den Unterschied macht. Klar soweit?