Gesellschaftskritik Einblick in das Innerste

© Francisco Leong/AFP/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Das Auffälligste im Spiel der Portugiesen gegen Deutschland waren die Tattoos des Spielers Raul Meireles. An seinen Unterarmen ist kaum mehr eine freie Stelle zu finden. Auch manche deutsche Spieler, etwa Jérôme Boateng, haben ihre Unterarme so vollgeschrieben wie andere Menschen zuletzt in der Schule, um bei Matheklausuren abspicken zu können. Früher waren Tattoos eher etwas für die Oberarme und Schultern. Dorthin ließ man sich einen Tiger oder ein chinesisches Schriftzeichen tätowieren. Auch heute finden sich vereinzelt noch dezente Tattoos an Fußballern, Andre Schürrle zum Beispiel trägt lediglich ein kleines Kreuz auf der Brust. Das macht Sinn. Religiöse Bekenntnisse sollte man nur Menschen gegenüber abgeben, die einen auch nackt sehen dürfen. Wenn Fußballer etwas in die Welt senden wollten, was jeder sehen sollte, dann schrieben sie sich dieses mit Edding auf den Bauch und rissen bei einem Tor das Trikot hoch. Dort las man dann entweder den Namen der aktuellen Spielerfrau oder "Jesus". 

Doch bei dieser WM wird augenscheinlich, dass beim gestochenen Bild nun das Prinzip Popeye gilt: Alles auf den Unterarm, sodass jeder jederzeit die Message mitbekommt und sie keinesfalls übersehen wird. Auch wenn das bedeutet, dass viele Nationalteams mehr und mehr aussehen wie eine Bootsmannschaft.

Sicherlich wird man bald ohne passendes Unterarm-Tattoo keine Profikarriere mehr anstreben können. Deshalb hier ein paar Tattoo-Tipps für angehende Fußballstars:

1. Ihr Tattoo ist wie ein Schaufenster und eignet sich bestens, der Umwelt Einblicke in Ihr Innerstes zu geben und Dinge zu sagen, die Sie in einem Interview im Kabinengang nie so formulieren könnten. Möglicherweise ist ein Spruch, den sie sich stechen lassen, die beste zitierbare Äußerung Ihrer Karriere, wählen Sie ihn also mit Bedacht.

2. Es ist eine gute Möglichkeit, ihre Internationalität unter Beweis zu stellen. Besonders, wenn Sie eine Vereinskarriere außerhalb der Bundesrepublik anstreben. Vermeiden Sie also deutsche Sprache auf ihrer Haut.

3. Internationalität birgt auch Risiken, darauf müssen Sie achten. So geht "88" im asiatischen Raum als Glückssymbol durch, in Deutschland nicht.

4. Sich die Tattoos von Verflossenen weglasern zu lassen, gilt als unmännlich und wird von der Presse mit Häme begleitet. Wenn Sie sich den Namen ihrer Partnerin haben stechen lassen, achten Sie besser darauf, dass die nächste Freundin auch wieder diesen Namen trägt. Dieses fällt natürlich leichter, wenn man sich früh für eine Partnerin namens Julia, Sophie oder Anna entscheidet.

5. Seien Sie sich bewusst, dass das Tattoo auch noch da sein wird, wenn Ihre Karriere vorbei ist. Wenn Sie einmal wie Tim Wiese in der Muckibude sitzen und vor lauter Langweile pumpen, bis ihre Arme aussehen wie die des Hulk, kann es bei Ihren Tattoos zu unschönen Aufbläh-Erscheinungen und Verzerrungen kommen, die schlecht zu korrigieren sind.

Kommentare

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Ich finde diese neue Tattoo-Mode ziemlich daneben. Früher waren doch wirklich nur Knackis und Oberprolls tätowiert, mittlerweile hat sich diese Unsitte seuchenartig bis in höhere Kreise ausgebreitet.
Die allermeisten Tattoos sind potthässlich und verunstalten den Träger. Im Übrigen sind noch nicht alle gesundheitlichen Bedenken hinsichtlich einer Tätowierung ausgeräumt. Es ist durchaus möglich, dass Farbpartikel die Hautbarriere überwinden und in den Körper einwandern.

Es ist schon ein Debakel mit den Fußballern. Entweder trugen und tragen sie fürchterlich hässliche Frisuren. Man könnte annehmen, dass durch die finanzielle Wohlhabenheit ein bisschen mehr Gefühl für schöne und stilvolle Dinge dazu. Aber leider trifft das bei sehr vielen nicht zu. Wenn ich diese unkenntlichen Tatoos sehe, denke ich immer wieder an die röhrenden Hirsche oberhalb eines spieß-bürgerlichen Ehebetts.

#antiges Also, "früher gab es

#antiges
Also, "früher gab es diese Mode bei Knackis und Oberprolls........". Bei Knackis stimmt das insofern zu, dass es manche in den Knast gebracht hat. In Teilen der sogenannten Unterwelt und unter Seeleuten gab es Tätowierungen. Was Sie mit dem hässlichen Wort Oberprolls bezeichnen, wird heute nur in fragwürdigen Kreisen benutzt (fast so peinlich wie die überlastigen Tatoos) , die aus Proleten etwas anderes machen wollen, die sie mal ursprünglich mal darstellten. Proleten haben keine Tätowierungen getragen. Prolls ist ein primitives Schimpfwort für Proleten. Wer seinerzeit kein Prolet sein wollte, benutzte dann gerne diese Bezeichnung als abwertendes Schimpfwort. Die Bezeichnung Proll und überlastige Tatoos entspringen einer Quelle.