Gesellschaftskritik: Tierisch verknallt

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Miley Cyrus trauert um ihren Hund. Ihr Hund hieß Floyd und war ein Husky. Sie hatte ihn seit drei Jahren. Anfang April ist er, so wird gemutmaßt, von einem Kojoten angefallen worden. Immer wieder twitterte Miley Cyrus Trauerbotschaften. Etwa: "Ich will nach Hause gehen, aber ich will nicht in ein Haus gehen ohne Floyd." Es gibt auch Videobotschaften, in denen sie ihren Fans weinend erklärt, dass sie noch immer nicht akzeptieren kann, dass Floyd sie verlassen hat.  

Ihre Mutter hat versucht, sie zu trösten, indem sie ihr zwei Tage nach Floyds Tod einen Welpen namens Monnie geschenkt hat. Dabei hätte ihre Mutter schon wissen können, dass man Kindern keine Ersatztiere schenkt. Zum einen, weil das die echte Trauerarbeit behindert, zum anderen, weil Miley ja schon reichlich Ersatzhunde hat. Den Chihuahua-Mischling Bean, die Mischlinge Penny Lane und Mary Jane und den Rottweiler-Beagle-Mischling Happy. Zu einem besseren Zeitpunkt hätte Miley Monnie vielleicht einfach zu den anderen Hunden getan. So aber war sie emotional zu überfordert, um Gefühle zu Moonie aufbauen zu können. Schon nach wenigen Tagen gab sie den Welpen weg.

Nun hat sich Miley offenbar ein Floyd-Tattoo stechen lassen. Eine Maßnahme, die fast überfällig scheint, betrachtet man, was sie sonst schon so an Trauerarbeit geleistet hat. Sie hat einen Schrein für Floyd errichtet, sie hat bei einem Konzert einen überdimensionalen Husky aufbauen lassen, sie hat ihm einen Song gewidmet. Man könnte sagen, dass sie einen Wahnsinnstrauerjob macht. Trotzdem macht man sich im Netz darüber lustig. Dabei ist die Trauer um ein Haustier etwas ganz Natürliches und Zwangsläufiges. Floyd hätte ja schlecht Miley überleben können. Für Außenstehende wirkt die Anteilnahme am Tod eines Tieres oft verstörend. Sie ist aber notwendig.

Was Floyd betrifft, leidet Miley offenbar an Schuldkomplexen. "Ich weiß, dass ich es nicht so meine, aber ich wünschte, er hätte mich mit ihm genommen", twittert sie. Teil jeder Trauerarbeit ist eine solche Idealisierung des Toten. Miley lässt in sich die Gefühle nicht zu, dass Floyd auch normale und banale Seiten hatte. Auch Aggressionen gegenüber dem Toten kann der Trauernde zunächst nicht zulassen. Das Leben mit Floyd war vielleicht nicht immer einfach, vieles war unausgesprochen geblieben. Gedanken, mit denen Miley Cyrus jetzt alleine ist.

Trauerarbeit ist umso schwerer, je symbiotischer das Zusammenleben war. Oft werden emotionale Funktionen in einer Beziehung auf den Partner übertragen. Nach einem plötzlichen Todesfall (Gerüchten zufolge wurde Floyd von einem Kojoten angegriffen), müssen die Hinterbliebenen erst wieder eigenständig fühlen lernen. Das fällt in einer Gesellschaft umso schwerer, in der der Tod, so gut es geht, verdrängt wird. Psychologen raten deshalb zu Trauerritualen. Miley Cyrus macht also alles richtig. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben. Und niemand würdigt das. Immerhin kann sie sich schon über Erfolge freuen. Seit einigen Tagen hat Miley einen neuen Liebling: Emu, ein Border-Collie-Welpe. Wir wünschen ihm ein langes Hundeleben.

Kommentare

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Ritualisierte Trauerarbeit - gewiß, auch und gerade für überspannte Persönchen, die ihre Verlustgefühle mit Absolutheitsanspruch heischend vor sich her tragen: "He is not in a better place .... the best place he could be was with me". Demoiselle Cyrus richtete ja nicht nur einen Hashtag #RIPFloyd ein, sondern scheint sich selbst - dafür spricht das Tattoo - als plakativer Friedhof ihrer Kuscheltiere zu verstehen, quasi als wandelnde post-altrömische Grabstele. Sie sollte doch einen Song auf den "Alten" (wörtl. Bedeutung von Floyd) verfassen - da ist sie nicht in schlechter Gesellschaft. Thomas Mann hat seinem geliebten Hühnerhund Bauschan ("Herr und Hund"), nachdem er ihn einschläfern lassen mußte, zum "RIP" folgende Verse hinterlassen: "Zwar hat auch ihm das Glück sich hold erwiesen. Denn schöner stirbt ein Solcher, den im Leben ein unvergänglicher Gesang gepriesen". Wo also bleibt die Ode "Twerking with Floyd"?

AxlsRose
#3  —  10. Juli 2014, 10:47 Uhr

Muss man aber seine Trauerarbeit unbedingt dermaßen nach außen tragen? Mir geht die Göre einfach nur noch auf die Nerven. Wahrscheinlich hat sie das peinliche Zunge-Raus von ihrem Hund abgeschaut... und wir werden noch über Jahre diese Göre mit ihrer Zunge sehen müssen, egal wohin wir sehen, weil sich nicht einmal die Zeit zu schade ist, über so eine blöde, spätpubertierende Person zu berichten. Wir morgen über ihr Genital berichtet?