Endlich Vintage! Mein erstes Age-Bashing

© H. Armstrong Roberts/Getty Images
Aus der Serie: Beziehungen

Neulich wurde mir unmissverständlich mitgeteilt, dass ich älter werde. Oder heißt das jetzt: bin? Die Situation war jedenfalls die, dass ich an der Flottbeker Kirche (im geldsatten Hamburger Westen) von links kommend, links abbiegen wollte – und fast mit einem Auto kollidierte, das mit Schwung aus dieser linken Nebenstraße ungebremst auf die Kreuzung rauschte. Hätte mich fast gerammt. Sah aber toll aus, es handelte sich um ein sehr tief geschnittenes, sehr lang gezogenes Cabrio in der Vintage-Tönung "Pistazie". Am Steuer saß ein Hänfling, langes dunkles Haar, weißes aufgeknöpftes Hemd, ein Gunter-Sachs-Verschnitt, nur in brünett, er brüllte: "Du dumme alte Fotze, Du dürftest doch gar nicht mehr fahren, wieso hast Du Deinen Führerschein nicht längst abgegeben?"

Premiere! Mein erstes Age-Bashing, als Hass-Ejakulativ! Das war aus mehreren Gründen erstaunlich. Im einzelnen stellten sich mir folgende Fragen: Wir kannten uns nicht, wieso also duzte mich der Kerl? Woher soviel Häme gegenüber einer Lady, deren Baujahr dem seiner Karre benachbart ist, für die er offensichtlich bereit war, sehr viel Geld hinzublättern. Und dumm? Nö. Dumm ist, wer nicht versteht, wo rechts ist und wer Vorfahrt hat! Was meinen Unterleib angeht, hatte der Typ gar keinen Einblick, ich saß in meinem Honda Jazz, Farbe: ein glitzerndes Eisblau, der Fensterausschnitt liegt etwa schulterhoch.

Der Jazz ist ein Auto, in das ich mich einmal umstandslos verliebt hatte, schon weil das Chassis im Auslauf so etwas Düsentriebiges hat. Eine Liebe, die sich etwas beruhigte, als ich irgendwo las, der Bund der Rentner (oder der Behinderten?) hätte den Jazz prämiert, weil man darin ohne Weiteres einen Gehwagen oder Rollstuhl transportieren könne. Aber nun, was soll's, dem Alter braust man nicht davon, weder im Cabrio noch im Jazz, höchstens solchen abgehalfterten Playboy-Typen. Als der nämlich Anstalten machte, sein Auto zu verlassen, winkte ich ein süßes "Heute nicht" und gab Gas.

Offene Worte sind beim Thema Altern ja selten. Mein Coach sagt, ich sehe "altersangemessen prima aus". Wenn ich meinen Friseur auf meine silbrigen Strähnen hinweise und frage, ob es Zeit für eine Tönung sei, sagt Andy, ein riesiger, cool gestylter Schwarzer, mit aller Wärme: "Auf gar keinen Fall!" So was will man hören. Zumindest beim Friseur. Aber natürlich lasse ich mich nicht täuschen. Mein Sohn, der schon seit Längerem zwei Köpfe größer ist als ich, sagte schon, als die Größenverhältnisse noch umgekehrt waren: "Mama, wieso hast Du so dicke Adern an den Händen?" Ja, verdammt, wieso? Würde ich auch gerne wissen.

Meine Mutter nervte alle mit dem sentimentalen Satz: "Altern ist nichts für Feiglinge." Ja, Mama! Sie wiederholte ihn so oft, als stemme sie ihn dem Alter entgegen. Hilft aber nicht. Als ich die erste Krampfader bekam, oberhalb des linken Knies, lange bevor Söhne ein Thema waren, machte ich jeden Morgen stramme Fitnessübungen. Selbst in diesem heißen Sommer auf den Kykladen, stand ich morgens am Fenster mit Blick auf die schroff gezackte weiße Felsenküste, die seit Odysseus Zeiten in der Sonne liegt und offensichtlich nicht nachpigmentiert oder sonst wie nachgibt oder schwächelt, und schwenkte mein Bein, vor und zurück und vor und zurück, vor, zurück, vor, zurück. Das half, bis ich dann doch beim Venendoktor saß.

Ich habe Freundinnen, die färben sich, seit sie dreißig sind, die Haare. Mein Hund, Farbe Zobel (schwarzbraune Decke über fedrig goldblondem Beinbehang), hatte schon mit einem Jahr die erste weiße Strähne, dort, wo sich im Nacken die Locken so niedlich professoral wellen. Meine Kollegin Uschi sagt, das mache nichts, Jugend sei bei diesem Hund Charakter und würde bestimmt nie vergehen. Das ist natürlich unserer aller Hoffnung.

Kommentare

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Da schreibt die Tante vom Alter und Älterwerden und Alter-Bäsching und sagt mit keinem einzigen Wort, wie alt sie eigentlich ist. Der ganze Artikel macht doch überhaupt keinen Sinn, wenn man nicht erfährt, ob sie 38 oder 58 ist. Oder 44 oder weiß der Geier.
Wenn du uns nicht sagen willst wie alt du bist, weil du dich schämst, ja dann schreib nicht übers eigene Altern. Sapperalot.

Das eigene Alter selbst zu fühlen und darzustellen ist doch die Prämisse, die wir uns setzen müssen.
Was juckt es mich, für wie alt die anderen mich halten?
Der Hänfling hätte jeden angeblökt, weil das eben die Art Kommunikation ist, die er kann. Für einen respektvollen Umgang mit anderen fehlt ihm Hirn, das nähme ich jetzt nicht so ernst. Graue Haare sind ebenso wenig ein Hinweis auf Alterung, das gibt es schon bei jungen Menschen oder aus der Tube. Pfft, graue Haare. Ich bekomme einen Landeplatz auf dem Hinterkopf und das stört mich auch nicht, weil ich genug Menschen kenne, die jünger sind als ich und auch schon haarbenachteiligt sind. Die Brille stört mich auch nicht, die ich neuerdings trage, weil meine Arme immer kürzer werden. Wir werden älter, ja klar, aber ob wir Aufhebens drum machen, ist unsere Sache, nicht die der anderen.

Dass graue Haare bereits im jugendlichen Alter auftreten, kann ich bestätigen: mir wuchs eine ca. 5-Mark-große Stelle (der Hinweis auf die ehemalige Währung lässt selbstverständlich Rückschlüsse auf meine Angejahrtheit zu) mitten auf dem Kopf und das im zarten pubertären Alter von 14 Jahren.
Dieser - mehr oder weniger - dekorative Hellhaarfleck war dann auch für die kommenden Jahren ein gern aufgegriffener Gesprächspunkt, selbst für mir wildfremde Menschen.
Die weiße Strähne ist geblieben. Allerdings fällt sie seit einigen Jahren nicht mehr auf, weil sie Geschwister und Brüder und andere Vewandte in unmittelbarer Nachbarschaft bekommen hat.

Seltsam: von 14 bis ca. 35 hat mich die Strähne kein bisschen älter wirken lassen. Glaubte ich jedenfalls.
:-)