"Polizeiruf 110"-Kritikerspiegel Zwischen nackten Zeugen

Im Elite-Internat geht's schlimm zu und Akademiker-Kinder haben furchtbare Vornamen. Das denken unsere Kritiker über den Münchner "Polizeiruf" mit Matthias Brandt.

Was wollen uns die Drehbuchautoren sagen?

Lars-Christian Daniels: Sex sells – erst recht vor 22 Uhr.

Markus Ehrenberg: Der Staat ist korrupt. Die EU ist korrupt.

Kirstin Lopau: Adel verpflichtet, Elite-Internats-Schüler machen krumme Geschäfte, Akademiker-Kinder haben schlimme Vornamen, die Kurden sind Jesiden, Öko-Terroristen sind böse, und wir brauchen Copernicus für mehr Unabhängigkeit von den USA in Militärfragen. Ach ja, ein billiger Seitenhieb auf Herrn von Guttenberg war auch noch drin. Gähn.

Wie überzeugend sind die Kommissare?

Lars-Christian Daniels: 6 Punkte

Markus Ehrenberg: 10 Punkte

Kirstin Lopau: Blass, schemenhaft, langweilig. 2 Punkte. Und wieso übernimmt die lesbische Freundin der Toten die Rolle der Assistentin? Und trägt sie eine Perücke?

Was ist Ihre Lieblingsszene?

Lars-Christian Daniels: Hanns von Meuffels auf der Suche nach Augenzeugen im Englischen Garten – er findet sie gleich im Dutzend. Alle nackt.

Markus Ehrenberg: Kommissar Hanns von Meuffels alias Matthias Brandt unter lauten Nackten – auf Zeugenbefragung im Englischen Garten.

Kirstin Lopau: Ich sage es mit einem Zitat: "Der Adel bringt doch immer noch einen besonderen Menschenschlag hervor." Und nennt seine Kinder Holger Zacharias. Fazit: Es gab keine gute Szene trotz vieler möglicher Themen. Oder vielleicht gerade deswegen?

Was ist der peinlichste Moment?

Lars-Christian Daniels: Der kurze Moment im Weltall, um die Ortung eines Handys zu verdeutlichen. Too much.

Markus Ehrenberg: Der Sex des Hauptverdächtigen: EU-Politiker Dr. Joachim Freiherr von und zu Cadenbach. Ken Duken gegen den Strich besetzt, feiner Anzug, zurückgegeltes Haar. An welchen adeligen Politiker erinnert das?

Kirstin Lopau: Der Narben-Vergleich "unter Jungs". Keine Ahnung, was das sollte.

Ihre Gesamtwertung für die Folge?

Lars-Christian Daniels: 8 Punkte. Aber anstrengend, wie so oft bei Dominik Graf.

Markus Ehrenberg: 9 Punkte. Drunter macht's Regisseur Dominik Graf nicht.

Kirstin Lopau: 1 Punkt

Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Die Inhaltsleere dieser Geschmacksbezeugung wird nur noch übertroffen durch den (hier ebenfalls nicht ausgeführten) Grad von "panischer" Voreingenommenheit. Es sind doch hinreichend Indizien in den Kritikeraussagen enthalten, die Ihnen auszudrücken ermöglichen, warum auch jetzt ein solches Verdikt fällig sei. Betreiben Sie bitte erst einmal Selbsterforschung, ehe Sie dem Forum Rätsel aufgeben. Vielleicht ist Ihnen M. Brandt in seiner Rollen-Attitüde "zu blaß und schemenhaft" (Lopau)?! Das mag man aber auch als professionelles Understatement interpretieren - Frau Lopau gibt heute die Blasierte. Vielleicht ist Ihnen Graf zu experimentell oder hochgestochen?! Könnte es sein, daß Graf gerade Zuschauer wie Sie 30 cm vom Sofasitz hoch befördern will? Aber wenn Sie schon vorher Bleiplatten in der Hose haben ...

Danke für die ausführliche Einordnung dessen, was Sie unter "Krimi" begreifen - damit kann man ja schon eine Menge anfangen. Sie werden verstehen, daß ich diese höchst eingeschränkte Sicht von "Kriminalfilm am Sonntagabend" nicht teilen kann, zumal den Werturteilen, die Sie da gerade abgelassen haben, ja durchaus eine Bevormundung anderer Zuschauer zugrunde liegt. Der "Tatort" war aber immer - schon seit "Taxi nach Leipzig" - eine riesengroße Spielwiese für alle möglichen Varianten von Kriminalsujet - das unterscheidet ihn ja von festgenagelten Prokrustes-Betten zwischen Derrick und Wallander. Daß Sie ausgerechnet hochqualifizierte Charakterdarsteller wie Brandt und Striesow aus Ihrem engen Gesichtsfeld als "Krimifan" verstoßen, muß nicht gegen diese sprechen. Sie mögen keine "schrägen Vögel" - schade drum, Komödie ist das nötige Korrektiv zu den bierernst verdumpften "Dramen" um 20.15; schauen Sie mal bei Aristophanes nach. Und allein die Existenz solcher Flattermänner sollte Ihnen in Ihrer Selbstwahrnehmung als "gerader Vogel" zumindest eine Ahnung verschaffen: Oh, hinterm Berg sind auch noch Leute, die den Papageno mögen. Also nicht gleich zum "traditionellen" Schloß vorm Schnabel greifen ...

Zitat: zumal den Werturteilen, die Sie da gerade abgelassen haben, ja durchaus eine Bevormundung anderer Zuschauer zugrunde liegt.

Eben nicht. Ich schaue mir den Tatort heute abend nicht an, verlange aber nicht, dass er nicht ausgestrahlt wird. Mehr habe ich auch zu keinem Zeitpunkt geäußert. "Danke nein" heißt nur, dass es mich nicht interessiert und nicht, dass ich es nicht toleriere. Die Leute hinterm Berg sollen sich das ruhig anschauen, wenn es ihnen gefällt. Mir gefällt es halt nicht und das weiß ich sogar, ohne es gesehen zu haben. Hochqualifizierte Charakterdarsteller, die nur sich selbst spielen, egal in welcher Rolle, brauche ich auch nicht. Mir ist der Lobgesang auf die Beiden unverständlich.

Nix da! Heute gibt es "Polizeiruf" - und sollten Sie auch wie die/der werte MitforstIn no-panic meinen, "experimentelle Filmkunst sollte auf einem Kulturspartensender laufen, nicht am Sonntagabend im Ersten. Da läuft traditionell ein Kriminalfilm", dann schmetter ich Ihnen entgegen: Das schließt sich überhaupt nicht aus. Und für eingefahrene "Tatort"-Süchtige ist kalter Entzug manchmal so wichtig ein kalter Eimer Wasser. Fack you Quote - more Challenge.