Gesellschaftskritik Ein Räupchen klärt auf

© Evan Agostin / dpa
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Vielleicht haben Sie es ja bemerkt, als es an Ihrer Tür klingelte, zwei blutige Monster davor standen und Sie keine Süßigkeiten zur Hand hatten: Neulich war Halloween. Für uns ist es ja schon gruselig genug, zu sehen, dass jetzt schon eine ganze Generation Halloweenkinder erwachsen geworden ist und deshalb auch Wahlberechtigte mit Messern im Hals durch die Straßen laufen. 

Anderswo ist das aber nichts Besonderes. Zum Beispiel bei Heidi Klum. Sie richtet jedes Jahr eine Halloween-Party aus, die als das absolute Non-Plus-Ultra gilt, wenn Promis sich mal gruseln wollen. Heidi ist natürlich die Grusel-Königin. Sie war in den vergangenen Jahren schon Vampir, Skelett, Alien und Affe. Sie trug ein Kostüm, mit dem sie unter Gunther von Hagens plastinierten Figuren nicht weiter aufgefallen wäre und ging – als Model natürlich supergruselig – als alte Frau. 

In diesem Jahr waren wir allerdings auf den ersten Blick enttäuscht: Heidi verkleidete sich als Schmetterling. Schmetterlinge werden im Allgemeinen für ihre Anmut, Schönheit und Farbenpracht gepriesen. Null Grusel. War jetzt doch die Rheinländerin mit ihr durchgegangen? Helau statt Halloween?

Aber dann lasen wir die Erklärung für Heidis Kostüm: Schmetterling, erklärte sie auf ihrer Party, sei der Kosename, den ihr Lover Vito Schnabel ihr gegeben habe. Und dann war uns alles klar.

Jetzt müssen wir kurz mal ausholen: Mit Kosenamen ist das ja so eine Sache. Ja, sie sind zärtlich gemeint, Ausdruck von Liebe und so weiter. Aber meistens geben sie eine Intimität preis, an der Außenstehende überhaupt nicht teilnehmen wollen. Beispiele gefällig?

Charles und Camilla nennen sich "Fred" und "Gladys". Prinz Philip ruft die Queen zärtlich "Cabbage", also Kohlkopf. Jürgen von der Lippe heißt "Männlein", Brad nennt Angelina "Kitty" und sie ihn "Miffy". Ayda Field nennt Robbie Williams "Tickles-a-noo-noo" oder "Boozy-Woohoo", er sie, je nach Laune, "Brains" oder "Boobs". Edmund Stoiber und seine Frau necken sich mit "Muschi" und "Edelmann", und Richard "Mörtel" Lugner nennt sein neuestes Gspusi "Spatzi", was zwar harmlos klingt, in Österreich aber auch Penis bedeutet.

All das hätten wir lieber nicht erfahren. Und all diese Kosenamen möchten wir nie, nie als Kostüme sehen. Insofern: Hut ab, Heidi Klum! Sie hat das Thema von Halloween besser getroffen denn je. Denn was ist gruseliger als die Kosenamen von Paaren?

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Als ich den Titel unter Gesellschaftskritk las, hoffte ich auf eine Überraschung, wenigstens auf eine brauchbare Pointe ...
Dieses [...] jedoch ist an Beliebigkeit und Belanglosigkeit [...] kaum noch zu überbieten.... schade ums Hochglanzpapier.
Sorry, wenn das hart klingt, aber jetzt weiß ich wieder, warum ich immer noch kein ZEIT-AB-O mein Eigen nenne ... und jede Wankelmüdigkeit diesbezüglich wiederum im Keim erstickt wird.

Horror zum Gruße

s.l

Gekürzt. Über Kritik freuen wir uns eigentlich, aber sie sollte sachlich sein und Argumente beinhalten. Persönliche Beleidigungen der Autorin gegenüber lassen wir nicht stehen. Die Redaktion/dd