"Tatort"-Kritikerspiegel Diese nordseedunklen Augen!

© rbb/Frédéric Batier
Eine norwegische Fee und ein bewegender Abgang für Boris Aljinovic als Kommissar Stark: "Vielleicht" verspricht beste "Tatort"-Unterhaltung. Oder vielleicht auch nicht?
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Was wollen uns die Drehbuchautoren sagen?

Christian Buß: Es muss nicht immer ein Sozialreport sein. Warum den Tatort mit seinem zuweilen etwas biederen Realitätsgebot nicht mal ins Fantastische weiten? Ein Mystery-Thriller über eine Frau mit seherischen Fähigkeiten, die Morde voraussieht, das überrascht, verzaubert und zieht in den Bann. Ein bewegender Abgang für Boris Aljinovic als Kommissar Stark.

Lars-Christian Daniels: Neben dem "Handwerker-Trick" und dem "Papier-und-Bleistift-Trick" gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, um in fremde Wohnungen zu gelangen. Wenn Sie also mal wieder jemanden ausrauben möchten: Einfach mal die Suchmaschinen anschmeißen!

Kurt Sagatz: Wie verabschiedet man die Reste eines Tatort-Teams in den TV-Ruhestand? Darauf hat der rbb leider keine befriedigende Antwort, denn statt eines zweiten Kommissars gibt es nur das zweite Gesicht.

Wolfram Eilenberger: Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt – vor allem in Norwegen. 

Kirstin Lopau: Wie geht man mit der Prophezeiung des eigenen Todes um, was noch machen, mit wem noch sprechen?

Wie überzeugend sind die Kommissare?

Christian Buß: 7 Punkte
Lars-Christian Daniels:
6 Punkte
Kurt Sagatz:
Lieber Boris Aljinovic, Sie hätten Sie es wie Dominic Raacke machen sollen: die letzte Folge sausen lassen. So leider nur vier Punkte für den Mut, im Fernsehen als TV-Kommissar Tränen zu zeigen.
Wolfram Eilenberger:
7 Punkte
Kirstin Lopau: Diesmal kein Ritter und Stark mehr, sondern ein junges Team um und mit Stark. Stark! 8 Punkte.

Was ist Ihre Lieblingsszene?

Christian Buß: Eigentlich jede mit der unbekannten norwegischen Schauspielerin Lise Risom Olsen, in deren nordseedunklen Augen sich die fatalen Ereignisse ankündigen. Eine Entdeckung!

Lars-Christian Daniels: "Vielleicht."

Kurt Sagatz: Während der Ermittlungen müssen Berliner Restaurants abgeklappert werden. Felix Stark erledigt dies mit dem Fahrrad, das er stets unabgeschlossen lässt. Dass es geklaut wird, zeigt immerhin, dass dieser Tatort nicht ganz ins Reich der Fantasie abgeglitten ist.

Wolfram Eilenberger: Jede Szene mit der grandiosen Trude.

Kirstin Lopau: Der Schluss ist ein Paukenschlag. Aber es gab viele sehr gute Szenen bis dahin, besonders die mit Trude Thorvaldsen, dem feenartigen Wesen mit Visionen rund um gewaltsame Tode und mit einem zuckersüßen norwegischen Akzent. Mein nordisches Herz machte Luftsprünge vor Glück. Sehr intensiv gespielt von der sphärischen Schönheit Lise Risom Olsen. "Sie ist ein Phänomen", sagt der obligatorische Polizeipsychologe. Stimmt! Und diese Berliner Cafés und Altbauwohnungen im shabby chic ... Oh Berlin, ick liebe dir!

Was ist der peinlichste Moment?

Christian Buß: Das Schöne: Es gibt keine, obwohl das schwierige parapsychologische Thema doch eigentlich zu Peinlichkeiten einlädt.

Lars-Christian Daniels: Die Verhaftung und charakterliche Skizzierung des Frauenmörders – im Schnellverfahren durchgewunken, um sich danach wieder auf den Alptraum der norwegischen Studentin und den Abschied von Felix Stark konzentrieren zu können.

Kurt Sagatz: Nicht peinlich, aber umso ärgerlicher. Das Ende, das hier nicht verraten werden soll.

Wolfram Eilenberger: Täter ergoogelt sich neue Strategie – maximal unplausibel. 

Kirstin Lopau: "Manchmal gibt es Sachen, die kann man sich nicht vorstellen", heißt es. Das wird einige verstören. Ich fands super!

Ihre Gesamtwertung für die Folge?

Christian Buß: 8 Punkte
Lars-Christian Daniels:
6 Punkte
Kurt Sagatz:
3 Punkte
Wolfram Eilenberger:
8 Punkte
Kirstin Lopau:
9 Punkte

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