Kolumne "Fehlerlesen": Ein Déjà-vu wirft Fragen auf

© Mónica Rodriguez
Aus der Serie: Fehlerlesen

Yassin Musharbash war 1994 als Austauschschüler in Südafrika und kommt 20 Jahre später in ein vertrautes und doch völlig verändertes Land zurück:

Es ist überwältigend, wieder in Durban zu sein, dieser grünen, hügeligen, immer schwülen Stadt. Ich fahre an den neoviktorianischen Häuschen der Suburbs vorbei, am verdreckten Hafen und den Docks. Ich freue mich über das tropische Grün, das zugleich vertraut und überraschend ist. Ich lächle, als ich eine Shoppingmall wiedererkenne, und bin verwirrt, weil ich trotzdem orientierungslos bin. Ich fühle mich wie ein schlecht austarierter Taucher, der mal auf den Meeresgrund knallt und im nächsten Augenblick an die Wasseroberfläche schießt. Nur dass es bei mir nicht um oben und unten geht, sondern um Vergangenheit und Gegenwart.

Kommentare

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Ich persönlich bin da nicht so strikt, sondern habe das 'an' vom ersten Teil der Aufzählung noch im Kopf und beziehe das ebenfalls auf die 'Docks' ... (denn bei einer längeren Aufzählung würde ich mehrere 'an's und 'am's als lästig empfinden)
Ich habe eher Probleme mit dem Bild vom Taucher plus dem schlechten Vergleich Taucher/oben-unten – Zeit/Vergangenheit-Gegenwart.
Auch das etwas zugleich vertraut und überraschend sein soll, ist für mich schlicht unlogisch (auch wenn es in der Literatur ab und an auftaucht (ohne dass ich jetzt aktiv ein Beispiel zitieren könnte....)

An dem identifizierten Fehler habe ich mich ebenfalls deutlich weniger gestört als an dem Vergleich "Ich fühle mich wie ein schlecht austarierter Taucher, der mal auf den Meeresgrund knallt und im nächsten Augenblick an die Wasseroberfläche schießt." Soviel ich weiß, ist es im Wasser schwierig, auf etwas zu knallen, denn das Wasser trägt einen ja, so dass man langsam absinkt, wenn man nicht gerade aus großer Höhe ins Wasser gesprungen ist, was man als Taucher in der Regel nicht tut. Auch die Formulierung "nach oben schießen" finde ich in diesem Zusammenhang unglücklich, allenfalls würde ich "nach oben schnellen" schreiben, was zugleich impliziert, dass der Taucher den Grund berührt und sich von diesem abstößt. Völlig irritiert hat mich in diesem Zusammenhang allerdings das Wörtchen "mal". Wie oft und wovon wird ein Taucher denn auf den Meeresboden gedrückt?