"Tatort"-Kritikerspiegel Dunkelstunde hinterm Pizzakarton

© BR/Elke Werner
Die Münchner "Tatort"-Kommissare ermitteln wegen Jugendpornografie im Netz. Ist "Das verkaufte Lächeln" ein meisterhafter Krimi? Oder doch ein bisschen überzogen?
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Was wollen uns die Drehbuchautoren sagen?

Christian Buß: Jugendliche, die sich im Netz exponieren, leben gefährlich. Im Münchner Tatort geht es um 14-Jährige, die sich gegen Geld und Geschenke auf einer Website ausziehen. Die Verantwortlichen wollten wohl das gefährliche Zusammenspiel von Macht und Illusion ausloten – gehen dabei aber zu wenig auf Distanz zu den gezeigten Web-Bildern und zu den pädophilen Kunden, die diese erwerben. Edathy verstehen? Oje!

Wolfram Eilenberger: Internet schützt vor Dummheit nicht, und Dummheit nicht vor Schaden.

Kirstin Lopau: "Manchmal bin ich mir nicht sicher, wer hier Opfer und wer hier Täter ist", sagt der Franz – und er hat so wahnsinnig Recht damit!

Wie überzeugend sind die Kommissare?

Christian Buß: 4 Punkte
Wolfram Eilenberger: 8 Punkte  
Kirstin Lopau: Beide 9 Punkte

Was ist Ihre Lieblingsszene?

Christian Buß: Immer wenn Ferdinand Hofer als pausbackiger und pizzakauender Nachwuchs-Cop Kalli Hammermann auftritt, wird es interessant. Er als Digital Native versteht, was für die empörten Batic und Leitmayr unfassbar bleibt.

Wolfram Eilenberger: Leitmayer und die Englischlehrerin – hot shit for real

Kirstin Lopau: Ich hatte keine Lieblingsszene, weil wirklich alles gut war diesmal: Ältliche Kommissare, die sich selbst auf die Schippe nehmen ("Weißt Du überhaupt, was Apps sind?"), ein junger Computerspezialist, der im Polizeirevier einen gelungenen Kontrast bildet, und nicht zuletzt die Story, die von Szene zu Szene das Grauen steigert, das man als Zuschauer empfindet. Die letzte Sequenz – nur mit Musik unterlegte Zeitlupeeinstellungen – hätte nicht eindringlicher sein können. Wirklich gut gemacht, der Müncher Tatort! Er hinterlässt mich als emotionales Wrack.

Was ist der peinlichste Moment?

Christian Buß: Eine 14-Jährige posiert im Schlüpfer vor dem peinlich berührten Leitmayr. Eine Lolita-Szene mit leicht spekulativem Ruch.

Wolfram Eilenberger: Die Beleuchtung: zu schwach, zu matt, zu dunkel.

Kirstin Lopau: Ein Autorennen-spielender aus Pizzakartons lebender Computerspezialist im Revier ist vielleicht ein bisschen überzogen. 

Ihre Gesamtwertung für die Folge?

Christian Buß: 2 Punkte
Wolfram Eilenberger: 8 Punkte
Kirstin Lopau: Endlich mal wieder für München gute 9 Punkte

Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

In dem Tatort, wie auch hier in diesem Artikel wird der Begriff "pädophil" benutzt, ohne zu wissen was er bedeutet. Die Drehbuchautoren und auch der "Schreiberling" dieser Kritik sollte mal googeln oder Wikipedia zu Rate ziehen. In Wikipedia ist zu lesen:"Der Begriff Pädophilie (von griechisch παῖς pais „Knabe, Kind“ und φιλία philia „Freundschaft“) bezeichnet das primäre sexuelle Interesse an Kindern, die noch nicht die Pubertät erreicht haben".
Aber es ist hier, wie auch im Fall Edathy, alles erstmal in einer Schublade werfen, die Betroffenen können ja selbst sehen wie sie damit fertig werden.

Wird es irgendwann mal jemanden geben, der sich mit Computern auskennt und älter ist? Oder jemanden, der nicht nur Pizza ist, pausbäckig ist und dergleichen mehr? Diese Nerd vs. "old school"-Klischees sind mittlerweile sehr peinlich geworden. Als ob jeder, der sich mit Hacken und Co. beschäftigt, nur von Pizza ernährt und seine Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen hat oder natürlich schön exzentrisch ist wie Penelope bei Criminal Minds etc. Es nervt langsam. Von dem mangelnden Wissen ob der Thematik Pädophilie mal abgesehen - was aber wohl auch gar nicht erwünscht wird, stattdessen aber gerne mit "ah, du bist wohl einer von denen" oder "du sympathisierst - warum denn? Sind dir die Knder egal?" abgewürgt wird.