Fehlerlesen Geht Ihnen ein Licht auf?

© Mónica Rodriguez
Aus der Serie: Fehlerlesen

Sein 22. und letzter Fall

 

Sternsingen ist nicht überall was für Kinder: In dem Kärntner Bergdorf Heiligenblut ziehen am 6. Januar die jungen Männer in sogenannten Rotten durch die Nacht und musizieren für ihre Nachbarn.

Am Apartment Sonne singt die Hofer Rotte für eine überraschte Familie aus Deutschland. Die Gäste waren nicht vorbereitet auf das nächtliche Treiben. Verlegen treten sie von einem Bein aufs andere, während ihnen 17 Männer und ein Stern sehr ausführlich von der Geburt des Heilands künden. Am Ende bekommen auch sie den Segen und die Tochter, die noch ihren Skihelm trägt, ein Zuckerl auf die Hand.

Im Nachbarhof wartet die Frau eines Sängers. Nach dem obligatorischen Sternlied lässt sie die Rotte ein und darf sich dafür eine Zugabe wünschen. "'Es ist ein Ros entsprungen' – wie jedes Jahr."

Kommentare

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Sprache dient meines Wissens der Verständigung und nicht der Pedanterie. Entscheidend für die Qualität von Sprache sollte vor der Einhaltung auch der Tausendsten Regel sein, ob die Aussage vom jeweils adressierten Empfänger - ob nun Gruppe oder Individuum - verständlich ist. Ambivalenzen lassen sich selbst bei Beachtung aller grammatikalischen Regeln und Gesetze nie ausschließen. Lexikalische Unterschiede können auch dann noch auftreten. Und wenn zuletzt der Redefluss abweichend vom zeitgemäßen Sprachgebrauch für die verfehlte Einhaltung rein normativer Regeln gestört wird, dann ist diese Betrachtung wider der nur natürlichen Sprachentwicklung.

Aber gut zu wissen, dass die ZEIT genug Budget hat, um auch solche Erbsen zählen zu lassen.

Sprache dient nicht allein der Verständigung, sie ist auch Wissenschaft und Kunst. Die Art sich auszudrücken charakterisiert einen Menschen. Schriftsteller arbeiten und spielen mit ihr, in rechtlichen Bereichen ist Eindeutigkeit besonders wichtig, in komplizierten Texten erleichtert sie das Verstehen, in leichten das schnelle Aufnehmen des Geschriebenen beim ersten Lesen. Wenn es die Möglichkeit gibt, Ambivalenzen auszuschließen, dann möchte ich sie kennen. Es muss sich nicht jeder für die Feinheiten interessieren, man braucht den Artikel nicht anzuklicken. Mir hat diese Reihe Freude bereitet, ich beschäftige mich liebend gern mit diesen Spitzfindigkeiten, meine Abo-Gebühr sieht sich nicht an Erbsenzählerei verschwendet, im Gegenteil. Vielen Dank.