Gesellschaftskritik Mensch Mama!

© Paul Buck / dpa
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Die Oscars sind vergeben, und ja, wir hätten heute über Männerunterhosen schreiben können, über Frauenrechte oder andere Nebensächlichkeiten, aber wir haben uns entschieden, uns einem ganz klassischen Thema zu widmen: Eltern und Kindern.

Dakota Johnson, die Hauptdarstellerin in 50 Shades of Grey, hat gestern ihre Mutter Melanie Griffith zur Oscar-Verleihung mitgebracht. Auf dem roten Teppich wurden Mutter und Tochter von einer leicht hysterischen Fernsehreporterin befragt. Die Mimik der beiden Schauspielerinnen während des Interviews war mehr als deutlich, und ein Lehrstück über den Unterschied zwischen dem, was man sagt – und dem, was man denkt. 

Reporterin: "Hier habe ich Melanie Griffith und ihr kleines Mädchen, Dakota Johnson. Wenn das nicht das coolste Mutter-Tochter-Date überhaupt ist!"

Dakota Johnson: "Ja, es ist ganz cool." (Kleines Mädchen? Echt jetzt?)

Reporterin:
"Wie fühlt sich das an, das kleine Mädchen plötzlich ganz erwachsen, ein Filmstar, bei den Oscars ..."

Melanie Griffith:
"Ja, ich weiß. Ich möchte es gar nicht sagen, ich habe es schon oft gesagt, aber ich kann es nicht oft genug sagen: Ich bin so stolz!" (Hoffentlich fragt sie mich nicht, ob ich den Film gesehen habe ...)    

Reporterin:
"50 Shades ist unglaublich erfolgreich an den Kinokassen, man hat das Gefühl, jeder hat den Film gesehen ... Sie auch?"

Melanie Griffith:
(vorsichtiger Blick zur Tochter) "Nein." (Du bist doch mein kleines Mädchen!)

Dakota Johnson:
"Vielleicht machst du es ja eines Tages ..." (Mensch Mama, ich bin 25!)

Melanie Griffith:
"Ich glaube, ich kann es nicht ... Ich glaube, das wäre seltsam ..." (Egal wie alt du bist, ich will meinem kleinen Mädchen nicht beim Sex zusehen.)

Dakota Johnson:
"Das glaube ich nicht. Ich glaube, es wäre okay. Eines Tages kannst du es dir anschauen, da bin ich mir sicher." (Guck ihn dir doch einfach mal an, verdammt!)

Reporterin:
"Ja gut, es gibt da diese ... Szenen ... aber sie ist wirklich gut!"

Melanie Griffith:
"Sie ist eine wirklich gute Schauspielerin, ich muss den Film nicht sehen, um zu wissen, wie gut sie ist." (Können wir vielleicht das Thema wechseln?)

Dakota Johnson:
"Ach wirklich? Du musst ihn nicht sehen? Ich sage dir: Du kannst ihn sehen. Und du so: Nöö ... Es ist nur ein Film. Sie weiß das." (Du hast doch selber schon mit 17 Sexszenen gedreht!)

Melanie Griffith:
"Wenn sie mir sagt, dass ich ihn sehen soll, dann sehen ich ihn mir an. (Das besprechen wir besser zu Hause.)

Kurzum, hier sprechen eine stolze Mutter und offensichtlich genervte Tochter. Es ist ja ein ewiges Missverständnis: Eltern finden seit den Füttertagen einfach alles toll, was ihr Kind so macht. Aber irgendwann merkt das Kind eben: Ein Lob ist nur etwas wert, wenn der Lobende weiß, wovon er spricht. Sonst klingt nichts hohler als "I'm so proud!". 

Das Problem hier ist: Melanie Griffith ist sich anscheinend nicht so sicher, ob sie wirklich noch stolz wäre, wenn sie den Film sehen würde. Aber das möchte man als Kind natürlich auch nicht hören. (Ob meine Eltern diese Kolumne lesen?) Ein typisches Eltern-Kind-Dilemma also, über das man auf dem roten Teppich eigentlich keine Auskunft geben will. (Mama, Papa, bitte nichts in die Kommentarspalten schreiben, okay? Anruf reicht.) Amerikanische Medien halten das Interview für "peinlich". Wir finden: Es war in den zähen Stunden botoxgelähmter Mimik, einstudierter Gags und abgelesener Dankeshymnen einer der wenigen normalen, menschlichen Momente. (Warum klingelt jetzt das Telefon?)

Kommentare

5 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Papa, Charly hat gesagt, sein Papa will nicht, daß seine Mama weiß, daß er weiß, daß sie "Füfftih Scheichs off Grauen" liest. Wer sind die? So was wie Zombies?" "Oje - also ganz wichtige Männer im Morgen ..." "Wie du, Papa?! Mama sagt ja auch immer: Das Morgengrauen persönlich". "Nein! In dem Buch kommt zwar auch ein schlimmer ..." "Aber du bist doch ein Softeis - sagt Mama, aber nur am Abend". "Und du bist frech wie Oscar!" "Jau, das ist der nackte Krieger, den alle anfassen dürfen". "Nur die, die gewonnen haben". "Warum weinen die dann so? Haben die sich auch das Schwert in den Fuß gestoßen?" "Du hast Dakota weinen sehen?" "Aber, Papa! Indianer kennen keinen Schmerz!" "Vielleicht haben die nur die Familie Johnson nicht kennen gelernt". "Ist das der Herr von Meijamei Tweiss, bei dem die Mama so gequält guckt?!" "Sie guckt nicht gequält!" "Doch - wenn ich meine Spielkiste nicht aufgeräumt habe". "Wahrscheinlich sagt sie dann: Du kleiner Sadist". "Ist das ein wildes Tier? Papa, Charlys Papa hat gesagt: Woher soll das denn kommen, wenn alle Männer so zahm sind". "Da siehst du mal: Nur noch Schatten ihrer selbst". "Papa, ist das Grund, weshalb du graue Haare kriegst?" "Nein - ich habe noch keine 50 grauen Haare!" "Vielleicht kriegst du die ja, wenn Mama dich nackt sehen will". "Ääääh?!" "Also wenn sie mich in der Badewanne abtrocknet, dann sagt sie: Ich bin ja so stolz auf dich!" "Wenn das nicht seltsam ist ..." "Wieso, Papa, ich bin doch Oscar!"