"Polizeiruf 110"-Kritikerspiegel Und die Erotik ist ganz weit weg

© NDR/Christine Schröder
In Rostock stirbt ein Unternehmer, die Ermittler König und Bukow sind allerdings mit sich beschäftigt: Ehe kaputt, Eifersucht, Prügelei. Trotzdem ein guter "Polizeiruf"?

Was wollen uns die Drehbuchautoren sagen?

Christian Buß: Männer sind arme Würste. Zwischen blenden und geblendet werden läuft bei ihnen in Sachen Frauen wenig. Kommissar Bukow (Charly Hübner) prügelt sich mal wieder mit seinem Kollegen, weil der ihm die Frau ausgespannt hat. Klein-Cop Pöschel (Andreas Guenther) denkt, er ist der Größte, weil er mit einer Zeugin ins Bett steigt – die ihn danach erpresst. Ein Polizeiruf über kaputte Kerle. Schwacher Krimi, starkes Männerpsychogramm.

Lars-Christian Daniels: Liebe Wirtschaftsbetrüger: Wenn ihr schon ein berühmtes Bob-Dylan-Zitat als Passwort für euren Laptop verwendet, dann summt den Song nicht auch noch im entscheidenden Moment vor euch hin. Geht garantiert schief!

Nikolaus von Festenberg: Die Amnesie eines Verdächtigen, gespielt oder echt, ist die zermürbendste Disziplin in der ohnehin zermürbenden Polizeiarbeit.

Kirstin Lopau: Bleiben Sie dran, sonst versteht man die Hälfte der Zusammenhänge innerhalb des Teams nicht.

Wie überzeugend sind die Kommissare?

Christian Buß: König und Bukow: beide 8 Punkte

Lars-Christian Daniels: Bukow: 8 Punkte; König: 7 Punkte

Nikolaus von Festenberg: Kim Sarnau: 7 Punkte; Charlie Hübner: 7 Punkte

Kirstin Lopau: König und Bukow, beide 8 Punkte

Was ist Ihre Lieblingsszene?

Christian Buß: Bukow denkt, er geht endlich mal wieder schön Essen mit seiner Frau – doch die will eigentlich nur die Trennungsmodalitäten klären. Aua.

Lars-Christian Daniels: So ziemlich jede mit der eiskalten Tötungsmaschine Brock, stark gespielt von Hilmar Eichhorn (den ich früher immer mit Thomas Thieme verwechselt habe). Bringt Schwung in einen Polizeiruf, der im Mittelteil mit einigen Längen zu kämpfen hat.

Nikolaus von Festenberg: Wenn die Kommissare Bukow und König (Anneke Kim Sarnau) verzweifelt übereinander herfallen und Erotik ganz weit weg ist.

Kirstin Lopau: Das Ermittlerteam ist stark geschwächt durch die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Das sollte der geneigte Zuschauer aus der vorherigen Folge noch wissen, sonst fällt es ihm schwer, die Zusammenhänge innerhalb des wirklich desaströsen Ermittlerteams zu verstehen. Ich fand es interessant, mal ein Team zu erleben, das nicht harmoniert, sondern eher gegeneinander arbeitet. Eine sehr gelungene Szene war der verbale Schlagabtausch zwischen König und der Staatssekretärin, in dem es um Ereignisse aus dem Jahre 2007 ging.

Was ist der peinlichste Moment?

Christian Buß: Viele Peinlichkeiten gibt es in diesem norddeutsch-kühlen Cop-Krimi nicht. Aber leider sind alle Nicht-Cops in diesem Polizeiruf – verruchte Politikerinnen und skrupellose Konzernchefs – nur alberne Abziehbilder.

Lars-Christian Daniels: "Leg' dich nicht mit mir an. In dem Spiel hab ich den Längeren!" Das von Beginn an zum Scheitern verurteilte Techtelmechtel zwischen Assistent Anton Pöschel (Andreas Guenther) und Sekretärin Sandra Rottmann (Pheline Roggan) bringt den Krimi nicht wirklich voran. Auch wenn der ein oder andere nette Dialog dabei ist.

Nikolaus von Festenberg: Die Tätowierung an Hübners Arm und Sarnaus indignierter Blick.

Kirstin Lopau: Der verwirrte Mann zu Beginn setzt sich an die Gitarre und kann weder spielen noch singen. Amnesie hin oder her – das hätte man sich sparen können.

Ihre Gesamtwertung für die Folge?

Christian Buß: 5 Punkte
Lars-Christian Daniels:
7 Punkte – nicht ganz so stark wie die letzten Beiträge aus Rostock.
Nikolaus von Festenberg:
7 Punkte
Kirstin Lopau:
8 Punkte

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