Gesellschaftskritik Es zeigt ein Pfeil nach nirgendwo

© Andrew Burton / Getty
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Ohne Logo geht es heute ja nicht mehr. Alles muss Marke sein, alles den Stempel des Unverkennbaren tragen, denn so lässt es sich besser verkaufen. Ein Stempel, der mit einer kurzen Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Zeichen alles sagen will, uns aber oft ratlos macht. Zum Beispiel die Fußballer: Cristiano Ronaldos Zeichen ist CR7, was nach übermenschlichem Fußballroboter klingt, aber auch ein Taschenrechner aus den Achtzigern sein könnte. Mesut Özil hat ein O mit zwei Punkten drin, wir tippen auf einen verspielten Smiley ohne Mund, weil Özil eher still ist – oder doch Özil und der Ball von oben im Mittelkreis? Bastian Schweinsteigers Initialen sind aus Kreisvierteln gebildet, sein Berater hat ihm das vielleicht als Radar-Optik verkauft, nach dem Motto: Ich als Regisseur habe alles auf dem Schirm. Mario Götze lässt seinen Nachnamen von einem fast zum Kreis geschlossenen Pfeil umrunden, was ein Sinnbild für "Der Ball ist rund" sein könnte, oder doch eher für "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel"? So weit, so unklar.

Nun hat auch Hillary Clinton ein Logo auf das Feld der Selbstvermarkter gebracht. Es ist ihr Logo für die Präsidentschaftswahl im November 2016 und folgt dem bewährten Schema Buchstabe plus Zahl oder Symbol: Ein stämmiges blaues H, dessen Strich in der Mitte durch einen roten Pfeil ersetzt wurde. Kurz: eher hart als herzlich.

Screenshot der Twitter-Seite von Hillary Clinton © dpa

In den Jahren 2008 und 2012 durfte Obamas O in seinem Wahlkampflogo noch wie eine strahlende Sonne über Amerika aufgehen. Soviel Romantik war Clintons Marketingstrategen wohl verdächtig: Für die erste Frau, die realistische Chancen auf den Einzug ins Weiße Haus hat, wäre Verspieltheit im Logo ein No-Go. Also das nüchterne H. Dazu ein Pfeil, der ist nie verkehrt, sieht dynamisch aus und geht nach rechts, weil Clinton vielen als zu links gilt. Oder zeigt er nach vorn? Jedenfalls in Richtung des Weißen Hauses.

Die deutschen Politiker neigen bisher immer zu richtungsweisenden Wahlkampfslogans. Da wünschen wir uns für den Wahlkampf 2017 auch ein paar schöne und aussagekräftige Logos: Vielleicht könnte Sigmar Gabriel seinen Nachnamen ernst nehmen und mit einem Engel im Logo der SPD Flügel verleihen? In seiner Kampagne raten wir, das Logo der SPD eher klein zu halten – mit einer beschädigten Marke in Verbindung gebracht zu werden, ist für die eigene nicht gut. Falls für die CDU Ursula von der Leyen antritt: Das Logo der CDU eher groß machen, um die Stammklientel daran zu erinnern, in welcher Partei sie ist. Da das mit den vielen Kindern sicher bei der Basis gut ankommt, schlagen wir das Logo UL7 vor. Für die Grünen sollte Cem Özdemir antreten, mit einem fünfblättrigen Hanfblatt als Logo und dem selbstbewussten und siegessicheren Slogan "High Five!". Wenn Özdemir das nicht will, kann es auch von der FDP übernommen werden, allerdings eher mit Blick auf die Prozent-Hürde.

Und sollte Angela Merkel es noch mal machen? Ihr Logo läge auf der Hand, beziehungsweise auf dem Handy: die Merkel-Raute natürlich. Wie das aussehen soll? Ganz einfach: #m

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Rautje, Rautje, timpe te ... Muttje, Muttje in der See...lenlandschaft der Waschmaschinendeuter fest verankert - so ein tiefer gelegtes Emblem von pyramidonischer Schlichtheit muß die Hillbillary erst noch hinkriegen. "Hieroglyphics, Theroglyphics" lallte ein alkoholisierter Oxford-Ägyptologe (G.Peck im Symbol-Thriller "Arabeske") - und hätte den Brückenpfeil zwischen den H-Pfeilern pfeilschnell exegetisiert, als Thronsessel, Zeichen für Vereinigung feindlicher Lager (oh my GoT). "Auf diesen Säulen ruht das Haus Oranien", soll Juliane (später Königin) geantwortet haben, als Kommilitonen sich über ihre Kartoffelstampfer lustig machten. Partei-Logofanten (Hillifant and Billifant ... donkeyshit, das sieht nach den Säulen des Maskottchens der Republikaner aus, obwohl die sich schon längst wie Teeplantagen fressende Esel aufführen), also die Marketing-Symbolixe haben sich verrannt, als sie dem Pfeil nur eine Richtung gaben. Rinks und Lechts (E.Jandl) - Heraldik führt zu wüster Verwechselung. Auch bei den Clintonians sitzt die nachrangige Person (s. Loriot/Hamann, Lisbet/Phil Windsor) links - doch nicht vom Publikum so betrachtet, sondern aus der Sicht von PotUS und FLotUS (First Lord?). Also heißt der rote Pfeil "Bill" und strebt nur scheinbar von Links nach Rechts, nach heraldischer Lesart aber zum Status des Prinzkamels? Wenn schon, dann bitte Einhorn: Im Königswappen der Schotten an der Stelle der englischen Löwin. Beim Logo der Proleten - mix it, baby!