Andersrum ist auch nicht besser Geht ein Schwuler in eine Bar

© Uwe Krejci/Getty Images

Treffen sich zwei Schwule. Sagt der eine zum anderen: Warum eigentlich sind Schwulenwitze nie lustig?

Sicher hoffen nun manche auf eine Pointe. Da muss ich enttäuschen. Die Sache mit den Witzen über Schwule ist vor allem eines: witzlos. Humor, so sagt man, zeichnet sich dadurch aus, dass man trotzdem lacht. Über sich selbst also.

Man könnte mir also Humorlosigkeit unterstellen. Doch es liegt nicht an mir, es liegt an den schlechten Witzen. Sie spielen in einer seltsamen Welt, in der schwule Männer sich mit einem Zapfhahn an der Tankstelle vergnügen. Oder sie lassen sich auf eine Affäre mit einem Gorilla ein. Und das ist noch das Witzigste.

Die Welt, der diese Witze Heiterkeit bescheren, muss eine ebenso seltsame sein. Vielleicht ist es die Welt obergäriger Stammtischabende. Oder es passiert in den Schulpausen von Viertklässlern. Da hätte ich Nachsicht. Am einfachsten wäre es ja zu sagen: Wer erzählt heute schon noch Witze?

Aber es sind nicht nur die Witze. Schaut man sich beispielsweise im Kino einen deutschen Film an, wird gezeigt, wie ein Mann Frauenkleider trägt. Deshalb küsst ihn aus Versehen ein anderer Mann. Das finden die gleichen Leute witzig, die es witzig finden, wenn ein Mann aus Versehen eine Kuh küsst. Das wird auch nicht lustiger, wenn die Kuh Frauenkleider trägt.

Vielleicht liegt es an den Deutschen, habe ich mir gedacht. Ich habe mir einen italienischen Film angeschaut: Da ging es um einen jungen Mann, der sich bei seiner Familie in der Provinz outen will. Als seine Homo-Clique aus Rom ihn besucht, wird es turbulent. Im engen Hemdchen huschen die Schwulen durch den Salon. Und am Strand schwimmen sie nicht etwa, sondern führen ein Tänzchen auf. Da wurde mir das Herz schwer.

Dass der Kinosaal lacht, dafür reicht es, wenn jemand auf der Leinwand schwul ist. Und etwas typisch Schwules tut. Das wäre so, als würde das Kino lachen, wenn in einem Film ein alter Mann alt ist und etwas typisch Altes tut. Im Sessel sitzen, zum Beispiel. Finde ich auch nicht besonders lustig.

Eigentlich ist es ja das große Privileg der Mitglieder einer Randgruppe: Blondinen über Blondinen, Behinderte über Behinderte, die dürfen diese Witze machen. Der Zustand des Schwulenhumors aber ist zum Heulen. Ein witziger Schwuler im Fernsehen, das ist eigentlich immer Thomas Hermanns, der einem als proseccoblaue Trash-Trulla zuwinkt. Vor Kurzem wurde bekannt, dass das Bundesland Thüringen einen Vertreter der Schwulen und Lesben in den ZDF-Fernsehrat entsenden wird. Ich erwarte nun von Thüringen, dass man darauf achtet, dass der Vertreter nicht nur homosexuell ist, sondern auch Humor hat und gute von schlechten Scherzen unterscheiden kann.

Viele sagen ja: Mensch, die Schwulen, immer witzig. Vielleicht glaubt man deshalb, beim Niveau der Witze über Schwule könne man ruhig etwas nachlässig sein. Mir wäre es lieber, wenn es hieße: Die Schwulen, immer so ernst und mürrisch. Bei schlechten Witzen können sie sehr ungemütlich werden. Beim Schwulenhumor wären plötzlich Akribie, Sorgfalt und Originalität gefragt.

Ich habe gelesen, grundsätzlich braucht ein Witz drei Komponenten: Er muss in der Einleitung klar als Witz erkennbar sein. Der Zuhörer soll eine Vorstellung über das Ende im Kopf haben. Am Schluss überrascht der Witz mit einem anderen Ausgang. Das kann doch nicht so schwer sein.

Geht ein Schwuler in eine Bar. Klingt wie ein guter Anfang. Aber weiter? Ich habe es gelassen und bin lieber selbst in eine Bar. Dort habe ich dann doch noch einen guten Witz gehört: Sitzen zwei Homosexuelle im Flugzeug. Sagt die eine zur anderen: "Bestimmt haben sich jetzt alle zwei Schwule vorgestellt."

Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ein 50er Jahre Witzmotiv aus einem Theo-Lingen-Film als Maßstab für den heutigen Humor im Kino zu nehmen ist mehr als müßig. Wer über einen geküssten Mann in Frauenkleidern lacht, der lacht auch wenn der Toast aus dem Toaster springt, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. (Nicht der des Toastes)
Im übrigen sind schwule Witze über "Heten" auch nicht witzig.

Das Problem ist, dass jeder Humor erstickt, wenn man sich selbst zu wichtig nimmt. Da haben deutsche Schwule und deutsche Heteros wohl eine Gemeinsamkeit ;-)

Es fehlt der Kontrast, die Spannung zwischen den Geschlechtern. Schwul ist nicht lustig. Schwul mit nicht-schwul das ist lustig. Schwul und lesbisch, aber bei beiden Themen herrschen Berührungsängste, die scheinbar nicht gut genug sind für lustig. Wenn man über Frauenangelegeheiten redet vor Schwulen kommt es zum Gefriertod. Wenn man etwas über die Reize einer Frau sagt, fällt einem Schwulen die "Hand aus dem Glas". Wenn in seine Smartphone Pornsammlung ein nacktes Weib gerutscht ist, gibt es Tränen. Sie sehen an den Beispielen wo es lustig wäre, aber das mögen Schwule nicht. Schwul sein ist eine ernste Angelegenheit.
Es gibt ein Bild wo ein Nackter Mann vor einem Elephanten steht und der Elefant sagt: Wie kannst du mit dem Kleinen Ding atmen? Das ist der Humor, mit dem man 1000 schwule Herzen erfreuen kann. Ein dicker Schwanz (Rüssel) und ein dünner. Alles dreht sich im Humor der Schwulen um die Dicke .
Schwule sind als Frauen- Darsteller komisch, sie sind wie Clowns und immer überempfindlich. Drag Queens sind die komischste Antwort und aber auch ein Trauerspiel, wie bei Aschenputel, die sich den Prinzen herbei träumt und ungeküsst bleibt. Es ist die Tragikkomik einer nie erfüllten Liebe.
Selbst bei "Modern Family" spielt ein Ehepaar aus zwei Männern den Hampelmann vor ihrer Tochter (adoptiert). Typisch einer der Partner liebt es den Clown zu spielen.