Gesellschaftskritik "Der Mike gehört mir!"

© Rainer Jensen / dpa
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist Til Schweiger die Hand ausgerutscht, sie traf die Wange von Elyas M'Barek. Es geschah im Berliner Restaurant Borchardt, wo Schweiger den Gewinn seines ersten Deutschen Filmpreises für Honig im Kopf in der Kategorie "Besucherstärkster Film" feierte. Die Bild-Zeitung veröffentlichte zwar "das Protokoll der verhängsnisvollen Nacht" – aber der wichtigste Punkt fehlt: Warum sind zwei der erfolgreichsten deutschen Schauspieler aneinandergeraten? Schweiger ließ nur verlauten, es sei "im weitesten Sinne um Film gegangen". Aber wir wissen mehr…

Elyas M'Barek: "Til! Glückwunsch, Alter!"

Til Schweiger: "Danke, Mann. Habt Ihr ja selbst letztes Jahr gekriegt, diese Publikums-Lola, für Fack ju Göhte, oder?"

M'Barek: "Ja. Schon geil. Aber weißt Du, ich hatte irgendwie das Gefühl, die anderen Preisträger respektieren einen da nicht so richtig für."

Schweiger: "Stimmt. Für die zählt nur dieser ganze Jury-Mist. Ist denen voll egal, dass Millionen Menschen für uns abgestimmt haben!"

M'Barek:  "Sag ich ja, Alter. Bei 'Regie' oder 'Bester Film' gewinnt immer nur so Arthouse-Zeug wie dieser Film ohne Schnitte…"

Schweiger: "Ohne Schnitte? Ohne Zuschauer! Aber nächstes Jahr wird das anders, da will ich unbedingt auch die anderen Lolas abräumen. Ich lass mich doch von denen nicht verarschen, die sollen mich endlich ernst nehmen!"

M'Barek: "Mich auch! Ich habe da schon eine Idee… Aber du zuerst, Babo."

Schweiger: "Pass auf. Ich werd so ein Remake machen, das wird so geil, ey. Und zwar…"

M'Barek: "Jetzt sach schon!"

Schweiger: "…von Fassbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant!"

M'Barek: "Wieso das denn?"

Schweiger: "Ganz einfach: Hat 'nen Genitiv im Titel. Das zieht bei den Jury-Spacken immer."

M'Barek: "Ach so. Hm."

Schweiger: "Was wolltest Du denn drehen?"

M'Barek: "Ich dachte, nachdem das mit dem Goethe so übertrieben gut gelaufen ist, bleibe ich bei den Klassikern und verfilme King Lear."

Schweiger: "Musst Du einfach Die drei Töchter des König Lear nennen. Dann wie bei Honig im Kopf: süße Mädels und 'nen alten lustigen Typen, der früher mal berühmt war. Dann hast Du Publikum und Lolas im Sack."

M'Barek: "Den Lear habe ich auch schon besetzt. Wen nimmst Du für die Kant?"

Schweiger: "Pass auf: Ich lass' die von 'nem Mann spielen. Dann ist das gleich viel lustiger. Und der kann die Kaschmirpullis aus meinem Onlineshop tragen. Ich sag dir: Der Mike ist schon voll happy!"

M'Barek: "Mike?"

Schweiger: "Mike Krüger. Mit dem Didi habe ich mich ja gestritten."

M'Barek: "Aber der Mike hat mir schon für den Lear zugesagt!"

Schweiger: "Waaas? Vergiss es. Der Mike gehört mir!"

M'Barek: "Dir? Du hättest doch nicht mal diese eine Lola gewonnen, wenn wir mit Fack ju Göhte 2 schon im Frühjahr ins Kino gekommen wären!"

Schweiger (springt auf): "Kleiner, ich hab' schon Erfolg gehabt, da hast Du noch in die Windeln geschissen!"

M'Barek: "Denk' mal drüber nach, was Du da sagst, Alter. Eigentor, würde ich sagen."

(Rudelbildung, Ohrfeige)

Es könnte natürlich auch sein, dass Elyas M'Barek Til Schweigers 18-jährige Tochter Luna, die auch im Borchardt war, einfach nur nach ihrer Telefonnummer gefragt hat.

Kommentare

2 Kommentare Kommentieren

REAL NIGK ... jaja, liebe NfB-Korrespondentin, wie immer werden "News from Borchardt's" begierig geschlürft - aber könnten eingedenk des überbordenden Geräuschpegels bestimmte Essentials aus dem titelwürdigen Champignon-League-Dialog vielleicht verzerrt rübergekommen sein? Angedachter Riechkolben-Barde - nö, viel zu bodoloses Buddeln am Baggerloch, schon gar nicht ohne die andere herbstblonde Supernase. "Man muß lernen zu lieben, ohne zu fordern". Aber Girl-Schaufelei für "King Lear" stimmt: Der smarte Klassikerschänder ("Schüttel-den-Speer-wo-immer-du-ihn-triffst") beabsichtigt, die zwei bösnickligen Töchter des Alten "Nigk" als Doppelrolle zu besetzen. Die eineiigen ZweiPoBlagen heißen bei ihm "Lulu" und "Nana" - und die hausfraulich-züchtige Rolle der dritten Schwester (Charlotte? Caroline?? Oder doch Else Str.?!) übernimmt Cordula aus der "Schillerstrasse", die wiederum am Pianola den Unrat der professoralen Jury beklagt ("Marlene, heul leiser"), während draußen die Wände des "Blauen Bengel" von Nana (oder doch Lulu?) besprüht werden mit dem Tag "Huse fack is Tchiller". Mann, man, Manta, Männeken! Sowas von Deutschlehrer Zeki - dazu gerichtet an einen Lehrersohn mit wissensabschnittbedingter Affinität zur Neueren Germanistik, ein klarer Fall von onomatomimetischer Koprolalie. Da wird ja die Petra zum virilen Kantholz - "genauso schrecklich wie das Verhalten der Männer". Zack, du Zecke! Der Rest ist Schweiger ...