Gesellschaftskritik Solo für Han

Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Die beste Nachricht dieser Woche war natürlich, dass es einen Film nur über Han Solo geben wird, den großkotzigen Schmuggler aus Star Wars, den damals Harrison Ford gespielt hat, und nun wollen wir an dieser Stelle ausschließlich Gutes sagen. Erstens wird man ohnehin in der weiten, weiten Galaxie des Internets gesteinigt, falls man zum Beispiel anmerkt, dass die letzten drei Star-Wars-Teile weniger reizvoll anzuschauen waren als Darth Vader beim Nasenduschen.

Zweitens freuen wir uns aufrichtig, dass George Lucas nicht der Einfall kam, die ersten 500 Jahre des grünen Oberjedis Yoda als Melodram zu verfilmen, sondern eben die Vorgeschichte des Schurken, der mit seinem rasenden Falken durchs Weltall brettert. Ein Halunke mit Herz, selbstredend der Liebling der Fans.

Genau genommen deshalb, weil sie sich in ihm selbst erkannten. Vor allem die Männer. Ein Berg Schulden: jawoll. Ein morsches, aber schnelles Gefährt, mit dem man angeben kann: yep. Stark behaarte Freunde wie Chewbacca, die pausenlos grunzen: auch das. Und der nicht ganz feine Spruch zur falschen Zeit: na ja, kann ja mal passieren. 

Trotz allem ist Han Solo der einzige Star-Wars-Charakter, den wir auf eine Gartenparty einlüden. Womöglich käme er mit einer Flasche Wein von der Tankstelle und tränke das ganze Bier aus, doch hinterher verspräche er hoch und heilig, beim Pflastern der Einfahrt zu helfen. Er ist jemand, der einem etwas zu kräftig auf den Rücken klopft und anschließend den Schwenkgrill auspinkelt. Was wir ihm nachsehen, da er trotz Mordskater am nächsten Morgen einigermaßen pünktlich auf der Matte steht. Ein An- und Zupacker, ein Ärmelhochkrempler.

Mit ihm wäre der Berliner Flughafen zwar nicht schlüsselfertig, aber immerhin der integrierte Nachtclub, und was man hat, das hat man. Wer könnte das schon über Luke Skywalker sagen, der seine Freunde mit theosophisch daherempfundenem Zeug von der "Macht" langweilt und dabei aussieht, als quietschte er, wenn man ihn drückt. Han Solo ist bei weitem keine Hundertwattbirne im Universum, aber seinen unbedarften Umgang mit den großen Dingen des Lebens finden wir sympathisch und bodenständig. 

Er stolpert genauso unbeholfen durch die Minenfelder der Romantik wie wir. Unvergessen der Dialog mit seiner Geliebten Prinzessin Leia: "Ich liebe Dich", sagt Leia. "Ich weiß", antwortet Han Solo. Und hinterher blättert er möglicherweise verzweifelt in einem seriösen Herrenfachmagazin. Da hat das natürlich ganz anders gestanden, aber er war zu nervös, um sich das zu merken, weil der Kopf mal wieder voll war mit Mahnungen der Raumschiffwerkstatt. Und womöglich dem unanständigen Gedanken, ob er sich nicht doch lieber bei der neuen Staffel der Bachelorette anmelden soll, denn ganz so schlecht sieht er ja auch nicht aus.

Ein Hallodri, ein Springinsfeld, ein Grobian, dessen Bauernschläue man aber nur bewundern kann und über den unsere innere Dreieinigkeit aus Dorfpolizist, Vertrauenslehrer und Schwiegermutter letztlich sagen muss: "Der Han ist wirklich 'n Netter." Ein Normalo aus einer Galaxie, weit, weit von unserer entfernt.

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