Gesellschaftskritik Das Zeitalter der Polfies

© Theo Wargo/NBC/Getty
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Heidi Klum hat einige Aufmerksamkeit erregt, indem sie ein Bild von ihrem blanken Hintern im Internet gezeigt hat. Es zeigt das Hinterteil der TV-Moderatorin, das unter einem Jeansrock hervorblitzt. Eine Männerhand ragt in das Bild hinein, die einen Holzlöffel hält und diesen gegen die linke Pobacke drückt, offenbar in Andeutung einer Züchtigung. Auf dem Holzlöffel steht "The 'naughty' Spoon". Was sich mit "Der 'unartige' Löffel" übersetzen lässt. Die Diskussion über das Bild erstreckte sich darüber:

1. Ist Heidi Klum (42) nichts peinlich?
2. Wie ist es für die vier Kinder, den Hintern der eigenen Mutter im Netz zu sehen?
3. Muss das sein?
4. Wie konnte es zu so einem Foto kommen?

Man kann natürlich nur spekulieren, welche Überlegungen dazu führen mögen, den eigenen Hintern in Kombination mit einem Kochlöffel im Netz zu zeigen. Bekanntlich sind Instagram-Postings heute keine spontanen Beiträge mehr, sondern Teil ausgeklügelter PR-Strategien. Diese sei hier grob nachvollzogen:

Heidi Klum ist bei wöchentlichem Jour fixe mit dem Beraterstab. Thema ist ein Bild des Hinterns von Miranda Kerr. Auf dem Bild sieht man nur ihre Schenkel und Pobacken – und Mirandas neue Sneakers. Die Berater problematisieren, dass man als Superstar ohne ein aktuelles Selfie des Hinterns schnell dem Verdacht ausgesetzt ist, Orangenhaut zu haben. In einer kleinen Powerpoint-Präsentation werden die aktuellen Polfies, also Po-Postings, von Kim Kardashian und Miley Cyrus verglichen.   

Es wird zur Diskussion gestellt, was die Marke Heidi Klum dem noch hinzufügen könnte. Ein Berater merkt an, dass ein klatschender Kochlöffel als Accessoire den Hintern von Heidi Klum noch jünger und lebendiger erscheinen lassen würde. Allgemeiner Konsens ist, dass nur eine Schwarz-Weiß-Aufnahme die nötige Klasse herausstellen würde.  

Jemand wird ganz zu Recht eingeworfen haben, dass viele Menschen vielleicht gar nicht erkennen könnten, dass es sich um einen Kochlöffel handele, weil es in der Zielgruppe der jungen Instagram-User nicht mehr üblich sei, selbst zu kochen. Von Heidi Klum selbst könnte der Vorschlag gekommen sein, der Einfachheit halber doch auf den Löffel drauf zu schreiben, dass er ein Löffel sei.     

Die Idee werden alle großartig gefunden haben. Vielleicht hat man ein paar Testbilder gemacht, und dann erkannt, dass ein Löffel, auf dem "Spoon" steht, noch nicht die nötige ironische Brechung hat, die von einem Bild auf Instagram erwartet wird. Und man einen gegen den Hintern gedrückten Löffel ja auch als ein sexuelles Motiv missverstehen könne. Das wird die beratende Runde sofort verstanden haben. Dann wurden verschiedene Vorschläge auf ein Flipchart gekritzelt. "The 'naughty' Spoon" fanden alle am besten, aber nur in der Version mit den ironisierenden Gänsefüßchen, damit die Zielgruppe auch verstehen würde, dass Heidi nicht wirklich glaubt, ein Löffel als Objekt könne unartig sein. Erst dann war das Foto perfekt.

Manche Medien behaupteten, Heidi Klums Hintern habe einen Shitstorm ausgelöst. Das kann man nun wirklich nicht wissen.

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