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"Tatort"-Kritikerspiegel Flüchtlinge gehören im "Tatort" momentan zum Inventar

Die Kommissare Ballauf und Schenk müssen in dieser Woche den Tod von zwei Geflüchteten aus dem Kongo aufklären. Und am Ende ist wieder alles anders, als man denkt.

Was wollen uns die Drehbuchautoren sagen?

Christian Buß: Probleme in weit entfernt erscheinenden Regionen der Welt haben auch immer Einfluss auf unser Leben. Im Tatort geht es um Krieg, Vertreibung und Rohstoffkämpfe im Ostkongo – und darum, wie diese Konflikte in Deutschland weitergeführt werden. Eine Episode, die souverän an die journalistisch starken Kölner Afrika-Tatorte der Nullerjahre über Landminen und Blutdiamanten anschließt.

Lars-Christian Daniels: Flüchtlinge gehören im Tatort momentan so fest zum Inventar wie der Fadenkreuz-Vorspann, die Spurensicherung oder das Trinken aus leeren Kaffeetassen. Diesmal richtet sich der Blick gen Afrika: Ein aus dem Kongo geflohener Arzt liegt tot vor einer Kölner Klinik, eine kongolesische Frau flüchtet aus einem Flüchtlingsheim. Nicht besonders innovativ, aber passabel umgesetzt.

Markus Ehrenberg:  Mord an zwei Flüchtlingen – es geht auch ohne Nazis.

Kirstin Lopau:  "Rassismus. Hass. Die Angst ist immer da. Das ist Flüchtling", sagt sehr eindringlich ein vor den Kriegsverbrechen geflüchteter Mann aus dem Kongo. Am Ende ist jedoch alles anders, als man denkt.


Wie überzeugend sind die Kommissare?

Christian Buß: 7 Punkte.

Lars-Christian Daniels: 6 Punkte.

Markus Ehrenberg: Wo Kölner Tatort drauf steht, ist Sozialkritik drin, da ist ironiefreie Zone. Ehrliche 7 Punkte für Max Ballauf. Für Freddy Schenk einen Punkt Abzug wegen übertriebenem Kölsch (Dialekt): 6 Punkte.

Kirstin Lopau: Beide 8 Punkte, wobei Freddy noch ein Sternchen für seine Arztromankenntnisse bekommt.


Was ist Ihre Lieblingsszene?

Christian Buß: Ein Verhör führt die beiden Ermittler zu einem Ausbildungszentrum, in dem Polizisten inmitten von U-Bahn- und Flugzeugattrappen lernen, wie man Asylbewerber abschiebt. Bizarr und brutal.

Lars-Christian Daniels: Eine wirklich herausragende Szene gibt es nicht, aber das Stand-by-Techtelmechtel zwischen dem ewigen Junggesellen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und der zum fünften Mal im Kölner Tatort mitwirkenden Psychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) beschränkt sich erfreulicherweise dieses Mal aufs Nötigste. Auch wenn sich Rosenberg beim Showdown etwas naiv anstellt, so bringt ihr Auftritt die Geschichte eher voran, statt sie auszubremsen.

Markus Ehrenberg: Ich benenne heute lieber meine Lieblingsrequisite: Kommissar Schenks fetten Straßenkreuzer.

Kirstin Lopau: Freddy präsentiert seine These zur Tat. Sie kommt frisch aus dem Groschenroman: "Attraktiver Weißkittel bringt sich mit Frauenliebschaften in tödliche Schwierigkeiten." Nicht nur Max ist verwundert: "Ich wusste gar nicht, dass du Arztromane liest." Er zweifelt an der Theorie, aber Freddy lässt sich nicht beirren: "Das ist das wahre Leben, Max, ich sag's dir!" Dieser Tatort bringt dem Zuschauer die Flüchtlingsproblematik näher. Dabei zeigt er auch Kriegsverbrechen und die Foltermethoden in der Heimat der Flüchtenden. Und die Bilder bleiben: Das Schreien der traumatisierten Frau aus dem Kongo, als Ballauf plötzlich im Zimmer steht, um sie zu vernehmen, vergesse ich so schnell nicht.


Was ist der peinlichste Moment?

Christian Buß: "Wenn es darum geht, die eigene Haut zu retten, sind Gutmenschen auch nur Menschen", sagt einer der Kommissare – und benutzt dabei Pegida-Vokabular. Passt irgendwie nicht zum sozialdemokratischen Kölner Tatort-Team.

Lars-Christian Daniels: "Kinshasa, Goma, New York – den ehemaligen Befehlshaber der Uno-Blauhelme hab ich in Sydney erreicht." Assistent Tobias Reisser (Patrick Abozen) schlägt sich für die Kölner Kommissare mal wieder die Nächte um die Ohren. Und was ist der Dank für seinen Telefonmarathon? Kaum ein nettes Wort. Aber wer will es den früheren Globetrottern Ballauf und Schenk verübeln? 1998 durften die beiden im Tatort: Manila auf die Philippinen jetten, 2006 im Tatort: Blutdiamanten in Antwerpen Schwerverbrecher jagen. In diesem Tatort reicht es nicht mal für den Abstecher zur Currywurstbude.

Markus Ehrenberg: Freddy Schenk sagt seinem Kollegen: "Der Verdächtige war letzte Nacht im Puff. Mer moß och jünne künne."

Kirstin Lopau: Peinlich nicht, aber mir blutete das Vogelfreundinnenherz, weil der arme Papagei allein und in einem viel zu kleinen Käfig gehalten wird. Das mag ja metaphorisch alles auf das Gefängnis der traumatisierten Frau im eigenen Körper und Geist hindeuten, bleibt aber Tierquälerei. Richtig peinlich war sonst gar nichts.


Ihre Gesamtwertung für die Folge?

Christian Buß:  8 Punkte.

Lars-Christian Daniels: 5 Punkte.

Markus Ehrenberg: Gute Flüchtlinge, böse Flüchtlinge, brisantes Thema, packend umgesetzt: 8 Punkte.

Kirstin Lopau: Solide 8 Punkte.

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Au ja, ab ins Erziehungslager zum Brainwashing.

Also ich dachte das Unterhaltung Unterhaltung ist, das Nachrichten umfassend Fakten vermitteln und Meinungen deutlich als solche in anderen Sendungen herausgehoben werden.

Wenn der Staat auch diverse Monopole hat, das Monopol auf die Wahrheit hat er nicht. Von daher verbitte ich mir staatlich gelenkte und zwangsbezahlte Sendungen zu meiner Erziehung.

Sonst können wir gleich Stalin wieder ausgraben.