George Clooney Der Sitzrasenmähermann

© Tony Barson / Getty
Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Frühlingszeit ist Gartenzeit. Und selbst wir lichtscheuen Stubenhocker dieser Kolumne sind aus dem Reihenhäuschen und erfreuen uns der klaren Luft und auch der erblühenden Männlichkeit hinter frisch gestrichenen Zäunen, der Unterhemden, des Sonnenbrands, der Maurerdekolletés, der Grillwurst und des menschlich emittierten Methans. In der Vorstellung vom Garten als Paradies liegt ja unsterbliche biblische Wahrheit, die wir an dieser Stelle nur huldvoll wiederholen können.

Wir sehen uns um und entzückt erblicken wir die Anmut der Zierpflanzenwelt, und all das versetzt uns in heinzrühmannhafte Stimmung. Allerdings: der Rasen. Der Rasen ist das Sorgenkind aller Gärtner, denn entweder ist er zertrampelt oder zu lang. Gegen das Erste hilft ein vorwurfsvolles Schild, gegen das Zweite bekanntlich Mähen. Doch Rasenmähen, das weiß jeder, ist nicht nur die Strafarbeit aller ungezogenen Vorstadtrowdys, sondern weckt auch die Erinnerung an die Zähmung der widerspenstigen Natur, die sich frech zurückholt, was der Mensch ihr genommen hat: Ist der Rasen einmal kurz, so ist er es bald schon nicht mehr.

Die Traurigkeit kommt aus den Dingen selbst, sagte Vergil, also auch aus dem rostigen Schiebemäher hinten im Schuppen, der mehr quietscht als schneidet. Günstigenfalls wären wir nun gern zum wiederholten Male George Clooney, der, wie jetzt berichtet wurde, von seiner Frau Amal einen Sitzrasenmäher zum 55. Geburtstag bekommen hat. Amal ist Menschenrechtsanwältin, das merkt man sofort. Ein menschenfreundliches Geschenk.

Der Sitzrasenmäher ist das Bobbycar aller Männer ab 50, die Harley des Laubenpiepers, erstens rückenfreundlich und zweitens mit einer brutalen Mähleistung, die selbst Wehrdienstverweigerer ins Schwärmen bringt. Und notfalls kann man mit dem Schlitten noch kurz ums Eck zu Tschibo. Ein Sitzrasenmäher ist, anders als der ähnlich dezibelstarke Laubbläser, nie Gegenstand schlecht gelaunter Kulturkritik, sondern des aufrichtig zugeneigten Neides. Wo immer jemand mit einem Aufsitzmäher anknattert, steht staunend der Volksmund offen und es entweicht ein leises "Boah".

Deshalb soll Clooney bereits gesagt haben: "Ich freue mich schon sehr, mit ihm zu arbeiten, wenn ich zu Hause bin", und so was haben wir von ihm noch über keinen Regisseur und keinen Kollegen gehört. So wie wir auch nicht wissen, ob der Mäher auch mit allen kostspieligen Allüren ausgestattet ist, die sich die Reichen und Schönen so leisten: Xenonscheinwerfer, Einparkhilfe, Klimaanlage, Büffelleder, Navigationssystem und DVD-Player.

Dann nämlich könnte Clooney, wenn alles Gras geschnitten ist, selbst einen Film einwerfen, Straight Story von David Lynch, wo ein alter Mann mit einem ähnlichen Gefährt quer durch die USA dem einsamen Leben davonfährt. Anschließend wird Clooney in sein Haus zurückgehen, erst Amal, danach sich einen Drink eingießen und grauhaarig und weise sagen: "Weißt Du, Amal, der Mensch ist nur da, wo er mäht." Draußen schweigen die Gartenzwerge demütig auf dem Rasen. Und selbst die Vögel halten kurz erhaben inne, hören das Gras wachsen und die Regenwürmer husten.

Kommentare

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Armer George Clooney, was so alles hineininterpretiert wird in den einzigen Fakt, dass er einen Sitzrasenmäher geschenkt bekommen hat. Dabei kann ich mir durchaus vorstellen, dass so was ganz nützlich ist, wenn die zu mähende Wiese 250 qm überschreitet. Zudem finde ich es cool, wenn George Clooney den Rasen selber mäht, nicht zuletzt, weil ich es selbst schön finde den Rasen zu mähen. Der Duft der Grashalme, die Sonne und das sichtbare Ergebnis, gepaart mit Bewegung (ich habe einen Mäher, den man noch schieben muss).