Dschungelcamp Australien ist over

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik

Schreckensnachricht aus Australien: Craig Parker, Besitzer des Grundstücks für das Dschungelcamp, mag nicht mehr. Er wolle seinen Grund und Boden im Jahr 2018 nicht mehr dem Fernsehen zur Verfügung stellen, berichtete eine britische Zeitung. In Köln löste das Entsetzen aus – und RTL berief sofort eine Krisensitzung ein, um zu überlegen, wie das Format an anderer Stelle weitergehen könnte. Uns wurde aus geheimer Quelle das Protokoll zugespielt.

Produzent: Australien ist over, wir brauchen eine neue Location. Ganz ehrlich: Ich hatte den Dschungel eh satt. Konnte das ganze Grünzeug nicht mehr sehen. Und Australien war eh viel zu teuer. Wir gehen nach Deutschland. Also: deutsche Orte, die einem physisch und nervlich alles abverlangen. Ideen, anyone?

Unterhaltungschef: Wie wäre es mit der Bahn?

Produzent: Bin ich noch nie gefahren.

Unterhaltungschef:Survival of the fittest – der gnadenlose Kampf um die Sitzplätze. Wegen der defekten Klimaanlagen wären unsere Stars den Elementen ausgesetzt: Ist es draußen heiß, wird es drinnen stickig, ist es kalt, friert man bitterlich. Mutprobe: einen Tag mit einem Essener Damenkegelclub nach Hamburg fahren. In einem Abteil!

Sonja Zietlow: Da kapituliert selbst Thorsten Legat.

Unterhaltungschef: Alternative: einen Tag als Schaffner arbeiten in einem verspäteten Zug, in dem die Sitzplatzreservierungen nicht angezeigt werden.

Zietlow: Was wäre denn ekeltechnisch drin?

Unterhaltungschef: Eine Stunde zwischen einem älteren Ehepaar sitzen, dass seinen Proviant verzehrt – gekochte Eier, Frikadellen, Bananen – und einem Maschinenbaustudenten, der einen Döner dabei hat.

Zietlow: (würgt leicht)

Produzent: Klingt gut, aber müsste es nicht ein Ort sein, der wenigstens vortäuscht, exotisch zu sein?

Unterhaltungschef: Tropical Islands!

Zietlow: Echt jetzt?

Unterhaltungschef: Mögliche Aufgaben: beim Tauchen zehn Besucher finden, die nicht tätowiert sind, für jeden gibt es einen Stern. Ekelprüfung: ein Glas Wasser aus dem Kinderbecken trinken.

Zietlow: (würgt)

Produzent: Aber müsste es nicht ein Ort sein, an dem man sich verloren fühlt? An dem Menschen fehl am Platz sind? Dessen Name Gänsehaut verursacht, Grauen hervorruft?

Unterhaltungschef: Der BER!

Zietlow: Dschungelprüfung: Brandschutzverordnung auswendig lernen!

Unterhaltungschef: Oder, ganz hart: 24 Stunden am real existierenden Flughafen Schönefeld abhängen.

Zietlow: (würgt stärker)

Unterhaltungschef: Schatzsuche: Die Millionen suchen, die dort versenkt wurden. Für die Staffel müssen wir unbedingt Klaus Wowereit als Kandidat gewinnen!

Zietlow: Das funktioniert nicht. Der wartet nicht, bis er rausgewählt wird, sondern geht vorher freiwillig.

Produzent: Nicht schlecht, nicht schlecht. Aber mit schwebt irgendwie ein menschenfeindlicherer Ort vor …

Unterhaltungschef: Wie wäre es mit einer Behörde?

Zietlow: Behördendschungel?

Unterhaltungschef: Für die Ekelprüfung den Kaffee aus dem Automaten trinken. Essen gibt es nur für den Star, der fehlerfrei einen Hartz-IV-Antrag ausfüllen kann.

Zietlow: Das reicht nicht, können die meisten.

Produzent: Was ist mit ekligen Tieren?

Unterhaltungschef: In Behördenbüros wimmelt es nur so von Diddl-Mäusen!

Produzent: Ich bin überzeugt!

Zietlow: (übergibt sich)

Kommentare

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Das, verehrter Vos, Inkarnation des Diabolischen, sehen Sie etwas verengt: Der Feiertag "Omnium Sanctorum" (= Allerheiligen, 1.11.) ist ja gerade dazu bestimmt, all jener (fast) namenlosen Held*Innen, die sich im Dschungel ihrem eigenen teuflischen Schweinehund erst hingegeben und dann ihn überwunden haben, in Andacht zu gedenken. Wer sich im Camp selbstgeheiligt hat, braucht keine Trauer, sondern erwartet die Jubelchöre englischer und irdischer Unterstützer. Und heute (2.11.) ist dazu noch der Gedenktag, den Frau Stokowski auf SPON so schmerzlich vermisst, der Tag "Alleranderen" - nur ist er schon benannt als "Omnium Animarum" (= Allerseelen), da hat Frau Stokowski in der Kommunionsvorbereitung wohl gefehlt. Dieser Tag ist noch wichtiger, weil an ihm nun endlich auch die vielen gequälten Zuschauer kommemoriert sind, die das wüste Treiben über Jahre hin nur teilweise gefaßt ertragen haben, gefoltert vom ruchlosen Spott der Teufelsdiener (Ironie, liebe Redaktion!) am Rande, die es sich nicht verkneifen konnten (oder dazu gekniffen wurden), das niedere menschliche Treiben der Insassen in all seinen Facetten zu beleuchten - zum leider mittelgroßen Jokus auch bestimmter intellektueller Kreise, die sich immer schon unter Niveau amüsieren wollten und das als Comédie humaine ausgaben. Ihnen allen fehlt evtl. demnächst der passende Ort des Inferno (als Teil der Divina Commedia) - nun müssen sie ausweichen auf einen anderen unerwarteten Kanal der Komiker - Commedia dell'ARTE.