Sexuelle Aufklärung : Das Problem mit dem Penis

Viele Geflüchtete haben in ihrer Heimat nie über Sex gesprochen. Das führt nicht nur im Bett zu Problemen. Nun lernen sie es bei dem "Fräulein, das immer über Sex redet".

Unsere Redaktion wurde am 27. Mai 2019 durch eine Anfrage des "Spiegel" darauf hingewiesen, dass der an dieser Stelle erschienene Gastbeitrag "Das Problem mit dem Penis" über eine Aufklärungssprechstunde für Geflüchtete weitgehend erfunden sein könnte. Wir haben den Beitrag eingehend überprüft und mussten feststellen, dass wir von der Autorin tatsächlich getäuscht wurden. Wir haben den Beitrag nach unserer Überprüfung aus Transparenzgründen noch einige Tage frei zugänglich belassen, ihn am 26. Juni 2019 jedoch von unserer Website entfernt. Wie es zur Veröffentlichung des weitgehend erfundenen Textes kommen konnte, lesen Sie in unserem Glashaus-Blog.

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Kommentare

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Liebe Frau Roznblatt,
vor einigen Monaten bin auch ich über ihren sehr anschaulich geschriebenen Artikel gestolpert und seitdem in gewisser Weise akademisch an dem Thema dran geblieben. Ich schätze ihr Engagement in dem Bereich Sexualkunde sehr. Beruflich habe ich auch mit Geflüchteten aus dem arabischen Raum zu tun und widme zudem meine Masterarbeit im Studiengang Internationale Migration einem verwandten Themenkomplex. Ziel meiner Arbeit ist es die Eigenperspektive junger geflüchteter Menschen aus dem arabischen Raum zu Liebe, Partnerschaft (und eventuell Sexualität) aufzuzeigen. Würden sie mir für ein Interview zur Verfügung stehen? Es wäre großartig, wenn ich Ihre Kenntnisse als Expertin im Feld nutzen könnte.
Beste Grüße!

Das ist also der Geschichte https://blog.zeit.de/glashau… DIE ZEIT hat sich von einer Geschichtsstudentin reinlegen lassen. Fast liest man zwischen den Zeilen Erleichterung, dass diese gerissen Dame noch ganz andere und viel widerwärtigere Täuschungen getätigt hat. Die Erklärung DER ZEIT finde ich schlapp und widersprüchlich. Entweder hat die Redaktion damals (2017) die Hintergrundchecks durchgeführt, d.h. sie hat die Existenz der indischen Klinik nachgeprüft und mit jener Arztpraxis in der die Flüchtlingssprechstunde angeblich stattfand gesprochen oder nicht. (Mal auf Google gucken reicht nicht). Der Hinweis dass es der Redaktion seit dem nicht gelang die Autorin zu kontaktieren oder die Angaben nachzuprüfen ist in dem Zeitalter der sozialen Medien und Hypervernetzung nicht wirklich glaubwürdig.

Ich bin der Ansicht, dass Frau Rozenblatt/Hingst/Readon auf ihrem Blog schreiben darf was sie will, einschließlich lügen, dass sich die Balken biegen, auch Dinge die befremden mögen – so viel libertärer Geist sollte schon sein. Eine Zeitung darf dies jedoch nicht ungefiltert weiterverbreiten.

DIE ZEIT steht nicht allein da: Mit der gleichen Geschichte ist die Autorin noch im Deutschlandfunk, dem SWR, dem BR (Zündfunk) und in verschiedenen Zeitungen erschienen (z.T. wieder still vom Netz genommen). Niemand scheint sich die Mühe gemacht zu haben die Angaben zu überprüfen.

Die ZEIT, und andere Redaktionen, die den Text publizierten, hatten sicher ihre Gründe, das zu tun, aber ich vermute andere, als Sie das anscheinend tun.

Die Geschichte ist m.E. zu sehen vor dem Hintergrund, dass zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung die Kölner Silvesternacht andere Vorfälle noch in Erinnerung waren, und dass sich viele Menschen deshalb Sorgen machten. Die Geschichte enthielt da eine sehr gute Botschaft für alle „Wir schaffen das“-Verfechter: Ja, die Neuankömmlinge haben einen anderen Umgang mit Sexualität, und daraus können Probleme entstehen. ABER: Es gibt einen ganz einfachen Weg, um dieser Problematik zu begegnen: Man muss den Leuten nur Nachhilfe in Anatomie geben, ihnen ein paar Begriffe beibringen und sie Kondome über Bananen ziehen lassen, und aus 1000 Vergewaltigungen werden zwei.

Stimmt: Die Männer in der Geschichte erscheinen etwas dümmlich. Das war für die Redaktion vielleicht deshalb zu verschmerzen, weil es nicht nur für die arabischen und indischen Kursteilnehmer gilt, sondern gleichermaßen für die deutschen Türsteher, die angeblich ebenfalls mit Gewinn an den Aufklärungsstunden teilgenommen haben. Insofern erscheint diese „Dümmlichkeit“ nicht kultur- oder herkunftsbedingt, sondern quasi als globales Merkmal von sexuell nicht oder nur mangelhaft aufgeklärten Männern.

Für den Vorwurf (so verstehe ich Ihren Beitrag), die Zeit wollte mit dem „Hypen“ der Geschichte Klischees verstärken, sehe ich deshalb keinen Anlass.

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