© rbb/Arnim Thomaß

"Tatort"-Kritikerspiegel: Der Mann im Plastikliegestuhl

Im "Tatort" aus Berlin müssen Rubin und Karow herausfinden, wer einen jungen Lehrer angezündet hat. Die Suche beginnt in Neukölln und endet bei den eigenen Vorurteilen.

Sein Ende hatte sich Enno Schopper wahrscheinlich auch anders vorgestellt. Wie genau, ist nicht überliefert. Aber vermutlich nicht als zusammengeschmolzener Haufen auf einem Liegestuhl. Die Zuschauer des neuen Tatorts aus Berlin sollten nicht allzu zart besaitet sein, oder im richtigen Moment wegschauen. Die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) haben keine Wahl, sie müssen genau hinsehen, um herauszufinden, wer den Lehrer aus dem Stadtteil Neukölln angezündet hat. Ins Visier der Ermittlungen gerät dann Schoppers Schützling Duran Bolic, der aus schwierigen Verhältnissen stammt. Rubin und Karow wollen der Beziehung zwischen den beiden auf den Grund gehen.

1. Worüber werden am Dienstag alle reden?

Christian Buß: Über den Kriminaltechniker am Anfang, der eine verkohlte Leiche auf einem Gartenmöbel kommentiert: "Machst 'n Schild dran, schickst es zur Documenta: der Mann im Plastikliegestuhl."

Lars-Christian Daniels: Über diesen starken Berliner Tatort und den pfiffigen Twist, der an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird.

Matthias Dell: Über die Möglichkeit, die französische Atlantikküste doch noch in die Sommerurlaubsplanungen zu integrieren.


2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: "Dankbarkeit ist der Oralsex-Trigger in der bürgerlichen Ehe." Zitiert nach Kommissar Karow.

Lars-Christian Daniels: Leider nur wenig über den Neuköllner Rollbergkiez – und das, obwohl sich der rbb die Milieuskizzierung in der Hauptstadt doch so ausdrücklich auf die Fahnen geschrieben hat. 

Matthias Dell: Dass es Leute gibt, die sich nach dem Zähneputzen die Zähne abtrocknen.


3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Bleibt Kommissarin Rubin denn nun mit ihrem Mann zusammen oder nicht? Das Spielchen wird nach fünf Folgen langsam langweilig. Trennt euch. Oder bleibt zusammen.

Lars-Christian Daniels: Geht Viktor Rubin (Aleksandar Tesla) allein in die konservative bayrische Provinz und lässt seine vielbeschäftigte Frau im bunten Berlin sitzen?

Matthias Dell: Warum geht mit Nina Rubin ausgerechnet die Kollegin auf die Dienstreise nach Nord-Pas-de-Calais, die kein Französisch spricht?


4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Die Neuköllner Migrantenkids sind Aggro-Abziehbilder. Da hätte man lieber ein paar Kids aus der tollen Neukölln-Serie 4 Blocks besetzen sollen.

Lars-Christian Daniels: Die schlechten Zukunftsperspektiven der Neuköllner Gesamtschüler mit Migrationshintergrund werden in diesem Tatort nur angerissen. So sind der unglücklich verliebte Stipe Rajic (Aaron Hilmer) und sein bester Kumpel Mirko (Ali Orcan) nur Stereotypen, während dem geflüchteten Duran Bolic (Justus Johanssen) unter dem Strich zu wenig Kamerazeit vergönnt ist, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Den Jungschauspielern ist dabei allerdings kein Vorwurf zu machen, die erledigen einen soliden Job.

Matthias Dell: Die des Autohändlersohns – mit Slavoj Žižek.


5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß: Von der verkohlten Leiche. Wer auch immer es mal war.

Lars-Christian Daniels: Vom köstlichen Verweis auf den Film Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten, mit dem der verdächtige Armin Berlow (Jens Harzer) den spurensichernden Kommissar aus der Reserve lockt: "Wenn Sie die Kapuze aufziehen, sehen Sie aus wie so'n Woody-Allen-Spermium."

Matthias Dell: Von dem Mann, der in Schuhen am Strand lang spaziert – dafür sind Strände doch nicht da!


6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß: 3 Schlafmützen 😴😴😴

Lars-Christian Daniels: 2 Schlafmützen 😴😴

Matthias Dell: 3 Schlafmützen 😴😴😴

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