Ein Jahr Donald Trump "Amerika weiß nun, wo die Feinde stehen"

Wie fühlen sich die US-Amerikaner ein Jahr nach der Wahl von Donald Trump? Unter Schock? Müde? Wieder stolz? Wir haben zehn von ihnen gefragt.

Vor einem Jahr wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Wie ist es den Menschen in den USA bisher ergangen? Wie fühlen sie sich zwölf Monate nach der für viele doch überraschenden Wahl? Hat sich ihr Leben verändert? Ihr Blick auf das Land? Ihre Haltung? Die Fotografin Karina Rozwadowska hat auf den Straßen von New York City nach Antworten gesucht.

Jaee Sumter, Atlanta, Georgia, 27, Malerin und politische Aktivistin

Jaee Sumter © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

"Nach acht Jahren Obama war Trump ein kultureller Schock für uns. Für jemanden, der schwarz ist und aus dem Süden des Landes kommt, sind die letzten zwölf Monate schwierig gewesen. Aber wir müssen jetzt als Schwarze wieder zusammenhalten. Dann ist es auch egal, was Trump macht."


Gavin McInnes, 47, Westchester, New York, ehemals Mitbegründer von Vice Media und Gründer der Burschenschaft The Proud Boys

Gavin McInnes © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

"In den vergangenen zwölf Monaten haben die wahren Amerikaner ihren Stolz zurückbekommen. Durch Trump hat Amerika aufgehört, sich ständig selbst infrage zu stellen. Warum auch? Warum sollen wir nicht unsere Kriegsbeute, also die Freiheiten genießen, für die wir gekämpft haben? Oder kennen Sie ein Land, in dem sich Schwule, ethnische Minderheiten oder auch Frauen sicherer fühlen können als in den USA? Es kann auch Spaß machen, auf unsere Kultur stolz zu sein. Aber unsere Gehirne sind gewaschen von der linken Mainstreamkultur und glauben nun, Amerika sei rassistisch, sexistisch und homophob. Ihr Deutschen seid rührend naiv mit eurem Blick auf die USA, mit eurem Gerede von Rassismus und Benachteiligung. Die wahre Schönheit Amerikas liegt darin, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Das haben auch acht Jahre Obama nicht zerstören können."


Miguel Lopez, 39, Brooklyn, New York City, Portier in einem Apartmentgebäude

Miguel Lopez © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

"Ich bin in New York geboren und groß geworden. Der Typ hat mich mein Leben lang begleitet, er und sein Vater. Ich erinnere mich genau daran, wie sie versucht haben, Minderheiten den Zugang zu Wohnprojekten zu verweigern, wie sie die Arbeiter für ihre Bauprojekte nicht bezahlt haben, die grauenhafte Behandlung von Frauen und so weiter. Das wusste jeder in New York. Deswegen hat ihn hier auch keiner gewählt. Das vielleicht einzig Gute, was das erste Jahr Trump hervorgebracht hat, ist, dass er all die Rassisten, Schwulenhasser und Sexisten Amerikas dazu angestachelt hat, aus ihren Löchern zu kriechen und zu zeigen, wie wenig Menschlichkeit sie besitzen. Das restliche vernünftige Amerika, das keine Angst vor Menschen mit anderer Hautfarbe oder Lebenseinstellung hat, weiß nun, wo die Gegner stehen. Jetzt, wo das Hässliche vor unser aller Augen auftaucht, könnten echte Diskussionen über unsere Probleme als Nation beginnen. Ich bin gespannt."


Ayan View, 19, Washington, D.C., Soziologie-Studentin

Ayan View © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

"Ein Jahr Trump schon? Ist das schlimm? Ich interessiere mich komischerweise für exakt gar nichts, was der Mann erzählt."


Richard Karoff, 71, Boston, Massachusetts. Banker und Koreakrieg-Veteran

Richard Karoff © Karina Rozwadowska für ZEIT ONLINE

"Ich glaube nicht, dass wir noch erleben, wie Trump aus dem Amt gejagt wird. Er wird demnächst zurücktreten, bevor es zu einem Amtsenthebungsverfahren kommen kann. So ein Verfahren ist ein langwieriger politischer Prozess, vorher haut er in den Sack. Und bis dahin bekommt er – jedes Mal, wenn ich hier am Trump-Tower vorbeilaufen muss, meine Buhs zu hören." 

Kommentare

298 Kommentare Seite 1 von 22 Kommentieren

Ich verstehe, was Sie sagen wollen.
Aber Sie verstehen nicht, was er sagen wollte.
Denn er hat nichts ins Lächerliche gezogen. Nur auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass die Auswahlkriterien für die hier vorgestellten Interviewpartner möglicherweise stark selektiv waren.
Dass Menschen jüdischer Abstammung in den USA selbst unter Trump mehr Angst haben müssten als in den großen Ländern der EU, glaube ich übrigens nicht. Das reale Bedrohungspotential ist hier erheblich größer.

"...weil er sich vergriffen hat in der Wortwahl."

Wo denn genau bitte?

Und selbst wenn: Das rechtfertigt Ihrer Meinung nach dieses kindische "zur Schnecke machen"?

Wenn die (Leit-/Qualitäts-)Medien nur erreichen, dass an sich vernunftbegabte Menschen sich gegenseitig gar nicht mehr zuhören wollen, sondern es nur darum geht, in jedem Fall recht zu haben und den anderen unterzubuttern, sind wir alle genau da angelangt, wo uns die Profiteure des Systems haben wollen.

Ja natürlich. Kollektivismus in kleineren Dosen ist ja auch an sich nichts Schlimmes bzw. eine durchaus legitime Wahlmöglichkeit ein Problem zu lösen, nur kann man eben nicht behaupten, dass die absoluten Gegner des Kollektivismus politisch den Ideologien näher stehen, die absoluten Kollektivismus predigen wie der NS und Kommunismus, als gemäßigtere Anhänger des Kollektivismus wie demokratische Sozialisten oder Progressive.

Aha, Judentum schliesst also Rassismus automatisch aus, oder wie? Selten so ein beknacktes Argument gehört! Fahren sie einmal nach Israel und sie werden staunen, wieviel Rassisten dort rumlaufen. Aktuell gibt es wohl kaum ein Land, neben den USA unter Trump bzw. die gesamte trumpistische Minderheit in den USA, wo Rassismus an jeder Ecke lauert, wie in Israel!