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Lebensphasen Woran wir Männer merken, dass wir älter werden

Auto, Geld und Männlichkeit: Wie erkennt ein Mann, dass er älter wird? Indem er checkt, was Liebe ist, auf die Midlife-Crisis spart oder im Traum noch Tore schießt. Von , und

Nächstes Jahr werden wir alle älter. In manchen Zeiten ändert sich vieles im Leben, in anderen weniger, dafür umso deutlicher. Im vergangenen Jahr haben drei Frauen unterschiedlichen Alters nach den Alterserscheinungen in ihrem Leben gesucht. Dieses Jahr wagen es drei Männer im Alter von 26, 34 und 46 Jahren, in den kleinen Dingen des Alltags die Zeichen ihrer Zeit zu erkennen.    


A wie Auto

26: Braucht man zum Umziehen.
34: Wir sind jetzt 15 Jahre zusammen. Und wie viele langjährige Paare meistern auch wir immer noch Höhen und Tiefen und stehen schweigend nebeneinander auf Parkplätzen entlang der A4.
46: Ich bin vom Dorf, bis 40 war ich stets Autobesitzer. In der Tendenz wurden sie im Laufe der Zeit kleiner, langsamer oder weniger extravagant. Heute, in der Stadt, habe ich gar keins mehr. Sicher ein gutes Zeichen.


B wie Binge-Watching

26: Normaler als Fernsehen auf jeden Fall.
34: Am liebsten in der Badewanne. Und zwischen dem dritten und vierten Nachguss hoffe ich, dass sich eines Tages auch Kloputzen, Reifenwechsel und die Einkommensteuervorauszahlung überspringen lassen wie die Intros bei Netflix.
46: Muss ich googeln.


C wie Champions League

26: Immer muss man als Mann etwas zu Fußball sagen.
34: Ich guck nur noch Sport auf twitch.
46: Ein im Gegensatz zu mir nicht alterndes Produkt. Macht abhängig.


D wie Drogen

26: Mama, schau mal kurz weg. Früher wollten wir immer Gras und hatten keins. Jetzt ist ständig welches da, aber so richtig Bock hat man nicht mehr drauf.
34: Als ich letztens seit Langem mal wieder an einem Joint gezogen habe, wurde mir schlecht. 
46: Früher Wodka-Lemon in der Sektbar der Zeltdisco. Heute siehe C.


E wie Einsamkeit

26: Keine Zeit für, zu viele WhatsApp-Gruppen.
34: Als Single-Mann in der Großstadt gehöre ich zur Risikogruppe.
46: Besser als Alleinsein.


F wie Frauen

26: Habe vor allem Interesse an denjenigen, bei denen ich keine Chance habe.
34: Habe in diesem Jahr mehr Frauen kennengelernt als in den Jahren zuvor und weiß jetzt, wie sich Jon Snow fühlt.
46: Heute habe ich kein Interesse an denjenigen, bei denen ich früher keine Chance hatte.


G wie Geld

26: Habe zum ersten Mal welches. Fühlt sich gut an, nicht mehr auf die Bürgschaft der Mutter angewiesen zu sein, um 'ne Bude zu bekommen. Theoretisch jedenfalls. Praktisch schmiere ich halt gegen die Doppelverdienerpärchen in meinem Alter ab.
34: Spare auf die Midlife-Crisis.
46: Die Frauen sollen so viel verdienen wie die Männer, sehr richtig. Trotzdem zahlt der Mann im Restaurant die Rechnung und macht ab und an Geschenke. Irgendwie, ich weiß nicht, das kann doch rein mathematisch ni… ach egal.


H wie Heiraten

26: Die eine Hälfte des Freundeskreises tut es, die andere Hälfte ist auf Tinder.
34: Vor einigen Jahren noch undenkbar, jetzt noch mehr.
46: Ich war spät dran, mit 44. So hab ich mir die erste Scheidung erspart.


I wie Ich

26: I bims.
34: Muss ja.
46: Doch. Sind noch Reste übrig. Doch, doch.


J wie Jugend

26: Ist vorbei, irgendwie.
34: Solange es noch heißt, "Wie alt bist du denn? Ach echt, krass?!", ist alles okay.
46: Ich konnte mir von der aktuellen ein gutes Bild machen, als ich kürzlich auf einem Bilderbuch-Konzert war. Ich kam zurück vom Bierholen und fand in dem Getümmel meine Frau nicht mehr. Sie sah mich, aber ich ging ein paar Meter an ihr vorbei, ohne ihre Rufe zu hören. Ein paar Studenten halfen ihr und begleiteten mich, "den Herrn im blauen Hemd", zu ihr. Wie hilfsbereit die heutige Jugend doch ist.


K wie Kinder

26: Ich weiß nie, wo ich die festhalten muss, wenn Freunde mir ihres in die Hand drücken.
34: Vor einigen Jahren noch undenkbar, jetzt nicht mehr.
46: Hat Zeit, aber nicht mehr viel. Und bei fremden kann ich mich manchmal, wenn sie schreien und alle drumrum stehen und "ach wie süß" sagen und so, leider nicht gegen den Gedanken wehren: Vielleicht wird's ein AfD-Wähler.


L wie Liebe

26: Checke seit Kurzem, was das ist.
34: Dachte bis vor Kurzem, ich hätte gecheckt, was das ist.
46: Hatte bis vor wenigen Jahren die Hoffnung aufgeben. Es kam anders.


M wie Männlichkeit

26: Mache seit Kurzem Gewichtheben. Erzähle das auch gern.
34: Hab mir letztens spezielles Öl für den Bart gekauft und danach das Bedürfnis, diesen wieder ganz schnell loszuwerden.
46: Beim Einstieg ins Auto die Tür aufhalten. Beim Treppensteigen immer unter der Frau gehen, aber nicht zu nah dran. Beim Eintritt ins Restaurant vorgehen. Also exakt dasselbe wie vor 10, 20, 100 Jahren.


N wie Nerven

26: Ausrasten macht Spaß. Am liebsten: im Auto, auf dem Rad oder in der Bahn.
34: In schwierigen Situationen sind die Nerven besser. Dafür rege ich mich jetzt gerne und öfters im Alltag auf, zum Beispiel im Supermarkt. Das Leben ist zu kurz, um keine zweite Kasse zu öffnen.
46: Nicht von der miesen Laune der Berliner anstecken lassen! Klingt hart, ist aber möglich.


O wie One-Night-Stand

26: Bin ich zu alt für.
34: Leichter denn je zu bekommen, dafür wird der Abschied jedes Mal schwieriger.
46: Nee, sorry, ich brauch echt meinen Schlaf.


P wie Party

26: Die WG-Partys werden seltener. Und auf denen, die bleiben, werden immer öfter die Hits von früher gespielt.
34: Würde gerne öfters auf WG-Partys gehen, aber die Freunde haben keine WGs mehr. Stattdessen gibt es Kochabende zu viert. Darauf ein Sterni.
46: Die letzte war, Moment, äh … meine Hochzeit!


Q wie Qual

26: Meine Knie knacken immer so, wenn ich aus der Hocke aufstehe. Bin aber seit Monaten zu faul, um das mal beim Arzt ansehen zu lassen. Habe noch keinen Hausarzt und Google mit Medizinfragen zu beackern … naja. Kennt ihr einen?
34: Ich hör’ das Knacken gar nicht mehr. Kann jemand einen Ohrenarzt empfehlen?
46: Erst wenn’s nicht mehr knackt, wird’s zum Problem.


R wie Rauchen

26: Einfachstes Mittel, um sich mal wie James Dean zu fühlen.
34: Habe aufgegeben, mich wie James Dean fühlen zu wollen.
46: Höchstens mal eine am Abend für den Stuhlgang am nächsten Morgen.


S wie Sex

26: Nicht mehr so selten wie früher, dafür aber besser.
34: Überbewertet
46: Nicht mehr so häufig wie früher, dafür aber besser. 


T wie Träume

26: Die Zeiten, in denen ich Tango tanzen in Argentinien lernen wollte, sind vorbei. Ich träume vor allem vom Ausschlafen am Wochenende. Oh Gott, klinge ich wie 46?
34: Alle wollen plötzlich Tango tanzen lernen und nach Argentinien reisen und du willst eigentlich nur mit lieben Menschen ein Pils am Kanal trinken.
46: Oft vom Fußballspielen. Das geht ja kaum noch mit Knorpelschäden in den Knien. Es ist mit das Traurigste, was ich je geschrieben habe: Der Traum ist der letzte Ort, an dem ich Tore schieße.

U wie Unsinn

26: Nicht mehr so häufig wie früher, dafür aber besser. Mein Gott, was für ein spießiger Satz.
34: Wird wieder wichtiger
46: Wird noch wichtiger.


V wie Verbot

26: Bin genau an dem Punkt, an dem man sich zum ersten Mal selbst mehr Verbote auferlegt, als Verbote bricht.
34: Nehme mir immer vor, Verbote zu ignorieren. Trau mich dann aber nicht und parke das Auto doch fünf Straßen weiter anstatt im Halteverbot.
46: Die meisten sind sinnvoll, absolut sinnvoll.


W wie Wochenende

26: Wollte letztens mit Freunden ausgehen. Wir wollten uns um eins im Club treffen. Haben stattdessen bis fünf Uhr morgens Tee getrunken.
34: Zwei Tage reichen nicht mehr für Binge-Watching.
46: Die Zeit des ewigen Wochenendes rückt näher.


X wie X-Box

26: Meine männlichen Freunde schenken sich alle selbst eine Playstation 4 und Fifa 18.
34: Meine letzte Konsole hatte ich mit 26.
46: Gibt’s eigentlich schon Winter Games 2 für den Commodore 64?


Y wie YOLO

26: Ist so 2015.
34: Ist faktisch richtig.
46: Muss ich so stehen lassen, Babos.


Z wie Zahnzusatzversicherung

26: Mama, hab ich das?
34: Habe ich. Dafür keine Hausrat, was sowohl meinen Versicherungsvertreter als auch meine Mutter seit Jahren in die Verzweiflung treibt. Ich frage dann, was wohl schlimmer ist: Kaputte Waschmaschine oder kaputte Zähne? Eben.
46: Wichtig. Wirklich.

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