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"Tatort"-Kritikerspiegel Augen auf beim Sex

Eine Frau stürzt vom Balkon, eine bekannte Architektin verschwindet spurlos und unter der Dusche wird's klebrig. Die Kölner "Tatort"-Ermittler gehen dahin, wo es wehtut.
Aus der Serie: Tatort-Kritikerspiegel

Im Kölner Tatort: Bausünden wird eine Hotelangestellte gewaltsam vom Balkon gestürzt. Kurz zuvor hatte sie mehrere panische Nachrichten auf dem Anrufbeantworter der Architektin Susanne Baumann hinterlassen, die selbst spurlos verschwunden ist. Baumanns Mann Lars, als Bauleiter für ein Projekt der WM in Katar kurz vor der Abreise, hatte sich erst vor wenigen Tagen mit seiner Frau öffentlich zerstritten. Als die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ihn verhören wollen, taucht er unter.

1. Worüber werden am Montag alle reden?

Christian Buß: Über die Balkonszene. Kommissar Freddy Schenk quatscht im zugigen zehnten Stock eines Bürohauses fünf Minuten auf einen Geschäftsmann ein, der sich in die Tiefe stürzen will, bis der von seinen Selbsttötungsabsichten absieht. Freddy, das hätte ins Auge gehen können.

Lars-Christian Daniels: Über windige Fifa-Funktionäre, die man nur von hinten sieht, eine posttraumatische Belastungsstörung, deren Ursache nebulös bleibt – und über angeblich wilde Sexpraktiken, die wir leider nie zu sehen bekommen. So viel Behauptung, so wenig Tiefgang.

Matthias Dell: Über korrupte Baukonzerne. Kleiner Spaß.

Kirstin Lopau: Über die Machenschaften der Fifa, über die "Bausünden" in Katar und über die Posttraumatische Belastungsstörung bei Soldaten – aber vor allem darüber, dass endlich mal wieder das Motiv Eifersucht im Tatort eine Rolle spielt.

2. Was haben Sie aus diesem "Tatort" gelernt?

Christian Buß: "Der Sex mit ihr, es gab keine Grenzen." So der Mann auf dem Balkon über die Frau, gegen die er gewalttätig geworden ist. Oh je.

Lars-Christian Daniels: Wo der Kuckuck seine USB-Sticks versteckt: unter USB-Sticks.

Matthias Dell: Augen auf beim Sex unter der Dusche.

Kirstin Lopau: Wir wissen endlich, was man vorgesetzt bekommt, wenn man im Imbiss einen Manta-Teller bestellt. Aber auch, dass man trotz einer Baustelle in Katar, auf der Gastarbeiter ausgebeutet und Millionen gescheffelt werden, vor der Insolvenz stehen kann. Und der Tatort-Assistent Tobias lehrt uns: "Bestechung beim Bau ist normal."

3. Welche Frage bleibt offen?

Christian Buß: Was ist eine "stille SMS"? Einmal wird ins Ermittlerbüro reingerufen: "Die stille SMS funktioniert!" Die Ermittler rufen zurück: "Die stille SMS?" Antwort: "Das zu erklären, dauert jetzt zu lange." Müssen wir doch wieder googeln.

Lars-Christian Daniels: Mit wie viel Euro steht Freddy an der Wurstbraterei am Rheinufer eigentlich mittlerweile in der Kreide? Auch diesmal lässt er Currywurst und Kölsch wieder anschreiben. 

Matthias Dell: Wer baut jetzt das Hotel in Katar fertig?

Kirstin Lopau: Tobias bleibt uns die Antwort schuldig, was bitte eine "stille SMS" sein könnte.

4. Welche Rolle hätte man besser besetzen sollen? Und mit wem?

Christian Buß: Sämtliche Frauenrollen. Obwohl es hier die ganze Zeit um Frauen, ihre Sehnsüchte und und ihre Verführungskraft geht, kommen sie kaum vor. Außer als Opfer und Vermisste.

Lars-Christian Daniels: Wo soll man anfangen, wo aufhören? Die Besetzung ist eine einzige Enttäuschung, doch das peinliche Sahnehäubchen liefert diesmal die Onlineredaktion der ARD: Spoilert durch das konkrete Benennen einer Doppelrolle auf ihrer Website glatt den wichtigsten Twist des Films. 

Matthias Dell: Keine. Aber Hanno Kofler (Lars Baumann) empfiehlt sich qua Bart schon jetzt für die Dietmar-Bär-Nachfolge als Freddy-Schenk in 20 Jahren.

Kirstin Lopau: Keine. Herausragend besetzt ist die Rolle der Hilde, die die Leiche auffindet. Tolle Mimik!

5. Von welcher Szene werden Sie träumen?

Christian Buß:  Von der Duschszene am Anfang sicherlich nicht. Die Softporno-Anleihen sind wirklich sehr klebrig.

Lars-Christian Daniels:"Du füllst ab sofort meine Lottoscheine aus, so viel Glück kann keiner haben", gibt Freddy Schenk seinem Assistenten Tobias ein letztes Kompliment mit auf den Weg, bevor dieser den Kölner Tatort für immer verlässt. Schade! Über die Gründe für den frühen Abschied schweigt sich Schauspieler Patrick Abozen ebenso hartnäckig aus wie der WDR, der vielsagend auf "dramaturgische Gründe" verwies.

Matthias Dell: Vom Becker-Hecht Herrn Baumanns aus dem Auto, in dem Ballauf neben ihm saß.

Kirstin Lopau: Von Hilde.

6. Von 0 (super spannend) bis 10 (schon um halb neun eingeschlafen): Wie viele goldene Schlafmützen bekommt dieser "Tatort"?

Christian Buß:  6 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴

Lars-Christian Daniels:  7 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴😴

Matthias Dell:  7 Schlafmützen 😴😴😴😴😴😴😴

Kirstin Lopau:  3 Schlafmützen. Es gab Längen, es war aber trotzdem spannend! 😴😴😴

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